Heilbronner Hotelier Gaupp sucht neuen Geparden
Das Ehepaar Gaupp ist vielen Heilbronnern bekannt. Jahrzehntelang hatten sie Geparden gehalten - in ihrem Hotel "Park Villa" und dem zugehörigen 700 Quadratmeter großen Gehege im Heilbronner Osten. Jetzt suchen sie eine neue Raubkatze. Von der Tierrechtsorganisation Peta kommt Kritik.

Hans-Peter Gaupp und seine Ehefrau Elke sind vielen Heilbronnern bekannt. Jahrzehntelang hatten sie Geparden gehalten - in ihrem Hotel "Park Villa" und dem zugehörigen 700 Quadratmeter großen Gehege im Heilbronner Osten. Im Herbst vergangen Jahres starb die verbliebene von ursprünglich zwei Großkatzen. Doch Gaupps können offenbar nicht ohne: In einem internationalen Internetportal für exotische Tiere suchen sie zuletzt einen neuen Geparden.
Gaupp bezeichnet Peta-Schreiben als lächerlich
Dieses Inserat ruft nun die Tierrechtsorganisation Peta auf den Plan. Man habe am Dienstag in einem Schreiben an Gaupp appelliert, seine Suchanzeige zurückzuziehen, heißt es in einer Pressemitteilung der Organisation. "Die komplexen Bedürfnisse eines Geparden können in Privathaltung nicht erfüllt werden", argumentiert Peta. Das Tier leide daher dort.
Zudem befeuere Gaupps Bekanntheit aus den Medien die Nachfrage nach exotischen Tieren für Privathaushalte. "Die Umstände, unter denen die Wildtiere für den Handel gezüchtet und transportiert werden, sind mit dem Tierschutz unvereinbar."
Er habe das Schreiben von Peta erhalten, sagt Hans-Peter Gaupp. "Lächerlich" sei das und "ein Witz". "Die haben eben ihre Ansicht, und ich habe meine Ansicht." Den Geparden sei es bei ihnen immer gut gegangen. In freier Wildbahn hätten sie eine Lebenserwartung von acht Jahren, bei ihnen seien sie 16 oder 17 Jahre alt geworden.
Im Frühjahr 2018 war Schauspieler Hannes Jaenicke für seine ZDF-Dokumentations-Serie "Im Einsatz für ..." bei Gaupps in Heilbronn zu Besuch. Hans-Peter Gaupp erinnert sich genau daran. Jaenicke habe gesagt, er habe den Eindruck, den Geparden gehe es bei ihnen besser als jenen in freier Wildbahn. "Einer hat neben Jaenicke geschnurrt", sagt Gaupp. Jaenicke habe gemeint, das sei wie Musik in seinen Ohren.
Inserat jetzt nicht mehr online zu finden
Das Ehepaar Gaupp vermisst die Zeit mit den großen Raubkatzen. Nach dem Verlust im vergangenen Jahr hatten die beiden ein Gespräch mit unserer Zeitung abgelehnt, zu sehr waren sie in Trauer. Im November hatte Hans-Peter Gaupp das Inserat auf dem Internetportal für exotische Tiere veröffentlicht. Er suche einen jungen oder erwachsenen Geparden, hieß es auf Englisch. "Ich habe die Lizenz, einen Geparden zu halten und bin ein Geparden-Experte seit vielen Jahren", stand darin. Wer etwas anbieten könnte, solle ihn das bitte wissen lassen. Das Inserat ist aktuell allerdings nicht mehr auf der betreffenden Internetseite zu finden.
Im Gegensatz zu anderen Raubkatzen gingen Geparden eine sehr enge Bindung zum Menschen ein, erklärt Gaupp seine Faszination. "Wir haben unser Leben völlig darauf eingestellt", sagt er über die Geparden-Haltung im Hotel. Die Tiere seien keinerlei Stress ausgesetzt gewesen, saßen wie Hunde auf dem Sofa. Man könne das wohl nur verstehen, wenn man es erlebt und sich selbst ein Bild gemacht habe. Gaupp: "Wer einmal einen Geparden gehabt hat, ist verliebt." Seit 1984 das Haus in der Gutenbergstraße saniert und das Hotel eröffnet wurde, hielten Gaupps mehr als zehn Geparden dort.
Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei Peta, bringt für diese Ausführungen dennoch kein Verständnis auf. Hans-Peter Gaupp müsse endlich einsehen, dass exotische Tiere nur an einen Ort gehörten: in ihren natürlichen Lebensraum. Hoger: "Auch, wenn er sich um die Geparden bemüht hat - ein erfülltes, artgerechtes Leben haben sie bei ihm nicht führen können."
Landesministerien versprechen Veränderungen
In Baden-Württemberg ist es noch erlaubt, Großkatzen wie Geparden als Privatperson in der Wohnung zu halten. In Hessen und Berlin dagegen ist das verboten. Die Tierrechtsorganisation Peta übt daher auch Kritik an der Landesregierung, die entsprechende Beschränkungen bislang nicht erlassen hat.
Die zuständigen Ministerien versprechen allerdings Veränderungen. Der Koalitionsvertrag von Grünen und CDU des Landes sehe vor, dass in dieser Legislaturperiode ein Sachkunde-Nachweis für die private Haltung von Gefahr- und Gifttieren eingeführt werden soll. Dies teilt Jonas Esterl mit, Sprecher des baden-württembergischen Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Man gehe davon aus, dass für die Umsetzung eine gesetzliche Regelung erforderlich sei, sagt er. "Diese erfordert eine umfassende Vorbereitung." Davon berührte Behörden und Interessensgruppen müssten beteiligt werden.
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