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Gewalttaten gegen Frauen gehen im Raum Heilbronn 2024 leicht zurück

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Die AfD stellt in öffentlichen Aussagen häufig den Zusammenhang zwischen Migration und Gewalttaten gegen Frauen her. Bundesweite und regionale Zahlen sagen etwas anderes. 


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Frauen seien zu „Freiwild“ geworden, sagt die AfD-Vorsitzende Alice Weidel. Es gebe einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Migration und Gewaltkriminalität – die besonders Frauen trifft, erklärt Martin Reichardt, Mitglied des AfD-Bundesvorstandes. Und Beatrix von Storch (AfD) benennt als „wirksamstes Mittel gegen Gewalt gegen Frauen einen sofortiger Stopp der Massen- und Messereinwanderung“.

Gewalttaten gegen Frauen gehen im Stadt- und Landkreis Heilbronn 2024 zurück

Die AfD wird nicht müde, diese Argumentation zu wiederholen, die quasi zur DNA der Parteilinie gehört: Migranten sind verantwortlich für Gewalt gegen Frauen. Von Zahlen des Lagebilds zur geschlechtsspezifischen Gewalt, das 2024 vom Bundeskriminalamt (BKA) zum ersten Mal veröffentlicht wurde, lässt sich das nicht belegen. 66 Prozent der Tatverdächtigen sind deutsche Staatsangehörige, 34 Prozent sind nicht deutsch. 

Und auch die Zahlen für Gewalttaten gegen Frauen im Stadt- und Landkreis Heilbronn zeigen ein anderes Bild und widerlegen die Behauptungen der AfD. Das zeigt die Antwort des Innenministeriums Baden-Württemberg auf eine Anfrage der AfD selbst. 

Die Zahlen der Straftaten mit mindestens einem weiblichen Opfer gehen in Stadt- und Landkreis Heilbronn 2024 zurück.
Die Zahlen der Straftaten mit mindestens einem weiblichen Opfer gehen in Stadt- und Landkreis Heilbronn 2024 zurück.  Foto: dpa

Bei Straftaten mit mindestens einem weiblichen Opfer sinkt die Zahl im Landkreis Heilbronn 2024 um 2,6 Prozent, auf 1127 Fälle, darunter 120 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Im Stadtkreis sinken die Zahlen 2024 um 9,8 Prozent, von 1028 auf 927 Fälle, davon 113 Delikte gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Im Landkreis Heilbronn machen nichtdeutsche Tatverdächtige im Jahr 2024 einen Anteil von 33,1 Prozent aus, im Stadtkreis sind es 41 Prozent. Seit dem Jahr 2015 bewegt sich der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger im Landkreis zwischen 26 und 33 Prozent. 

Leiter des Weißen Rings im Stadt- und Landkreis Heilbronn sieht Fokus auf Herkunft der Täter kritisch

Dieter Ackermann, Leiter des Weißen Rings im Stadt- und Landkreis Heilbronn, hält den Fokus auf Täterstrukturen für falsch, die Delikte nach Herkunft zu betrachten sei „vollkommen fehlführend“.

„Mir ist wichtig, dass klar wird, das Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt ein gesamtgesellschaftliches Problem ist, welches nicht auf eine Gruppe begrenzt ist.“ Er ist überzeugt, dass es der AfD nicht um die Sache an sich, sondern um Stimmungsmache gegen Migranten gehe und kritisiert das scharf. Ackermann betont, dass es in diesem Feld, insbesondere bei häuslicher Gewalt, eine enorm hohe Dunkelziffer gebe und man immer berücksichtigen müsse, was überhaupt angezeigt werde. In seiner Arbeit in der Region erlebt er eine „bunte Mischung in der Tätergruppe – deutsch, nichtdeutsch, alt, jung.“ Er schätzt die Problemlage in der Region weiter als hoch ein, in seiner Arbeit erlebe er „keine sinkenden Zahlen“.

Als äußerst positiv bewertet Ackermann aber das große und „sehr gut ausgebaute“ Netzwerk in der Region von beteiligten Akteuren. Auch, dass grundsätzlich die Thematik um geschlechtsspezifische und häusliche Gewalt an öffentlicher Aufmerksamkeit gewinne, sei zu begrüßen. Das sehe man auch am Beispiel der Debatte um Femizide, bei der die Einführung einer Fußfessel für Täter diskutiert wird, wie es in Spanien bereits der Fall ist. „Die öffentliche Aufmerksamkeit führt dazu, dass die Politik nachzieht und sieht: Wir müssen hier was tun.“

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