Mehr Leben in Heilbronner Innenstadt: Neues Geschäft im Spielwaren Letzel am Wollhaus
Die Stadt Heilbronn startet im kommenden Jahr einen Gründerwettbewerb – ein junger Mann aus Syrien hat sich den Traum der Selbstständigkeit bereits erfüllt.

Das Ladengeschäft Kisa Braut Fashion and More ist leer geräumt. Plakate und Werbung am dreistöckigen Gebäude sind weitgehend entfernt. Vereinzelt hängen noch Schilder, die von "Sale" und "50 Prozent Preisnachlass" künden. Nach dem Corona-Lockdown hatte das Geschäft allerdings nie mehr geöffnet.
Der Inhaber war insolvent, die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wurde mangels Masse abgewiesen. Dennoch hing das Bekleidungsangebot jahrelang vollständig auf den Ständern oder wartete in den Regalen. Nun soll bald wieder Leben in die Räume in der Fleiner Straße einkehren. Die Stadt hat das Gebäude am Kiliansplatz nach längeren Verhandlungen in der vergangenen Woche gekauft und will an der herausgehobenen Stelle in der Innenstadt Neues entwickeln.
Mehr Platz für Startups in Heilbronner Innenstadt
Vorstellen kann sich die Stadtverwaltung, dass im kommenden Jahr Startups in das Ladengeschäft einziehen. Deshalb startet im Januar in Heilbronn auch ein Gründerwettbewerb, der sich vor allem an junge Unternehmer wendet, die sich für die Bereiche Handel, Gastronomie und Dienstleistungen interessieren. Mindestens drei Gewinner aus diesem Wettbewerb will die Stadt beim Unternehmensstart unterstützen.
Sie soll eine Jury mit IHK-Präsidentin Kirsten Hirschmann an der Spitze auswählen. Parallel dazu will die Wirtschaftsförderung der Stadt auch namhafte Unternehmer dazu bewegen, Repräsentanzen in der Innenstadt einzurichten. Auch Gemeinschaftsprojekte wie beim KAI in der Kaiserstraße sind ein Thema – Leerstände gibt es inzwischen ja genug in Heilbronn.
19-jähriger Syrer macht sich mit eigenem Geschäft selbstständig
Einer, den man problemlos als Gründer bezeichnen könnte, ist Osama Ammar. Der 19-jährige Syrer kam Ende 2017 als Flüchtling nach Deutschland und hat am vergangenen Donnerstag im ehemaligen Spielwarengeschäft Letzel am Wollhaus einen arabischen Markt eröffnet. Ammar, der dabei von seinem Vater und seinen Brüdern unterstützt wird, bietet dort Backwaren, Obst, Gemüse, Getränke, Haushaltswaren sowie in einer Frischetheke Hähnchen und Rindfleisch an. "Wir sind bei der Einrichtung noch nicht ganz fertig und wollen unser Angebot in den kommenden Wochen auch nach und nach ausweiten", schildert der 19-Jährige seine Pläne.
Auch die Dekoration im Geschäft und Werbeschilder in den Schaufenstern fehlten noch. "Bis Mitte nächster Woche wollen wir alles fertig haben", verkündet der junge Mann, der neben seiner Arbeit im Markt in der Abendschule sein Abitur nachmacht. "Ich bin ein guter Schüler und habe auch gute Noten", versichert Osama Ammar. Seine Frischwaren bezieht er aus dem Großmarkt in Stuttgart, Lieferanten kommen auch aus Belgien und aus Frankreich. "Ich schaue derzeit, wo ich gut einkaufen kann, um auch gute Angebote zu machen", betont er. Zur Eröffnung ist das gelungen. Ein Kilo Hähnchenschenkel kostet beispielsweise zwei Euro.
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