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Brackenheim
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Giftiges Gas strömte an defektem Schauglas der Heizanlage aus

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Nach der Vergiftung von acht Menschen durch ausströmendes Kohlenmonoxid in Brackenheim ist noch nicht abschließend geklärt, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Laut Polizei schwebt ein 16-jähriges Mädchen nicht mehr in Lebensgefahr.

Von Jürgen Kümmerle
Ein defekter Ölofen löste in Meimsheim einen größeren Einsatz der Rettungskräfte aus. Foto: 7aktuell.de/ F.Hessenauer
Ein defekter Ölofen löste in Meimsheim einen größeren Einsatz der Rettungskräfte aus. Foto: 7aktuell.de/ F.Hessenauer

Noch ist nicht abschließend geklärt, weshalb es am Dienstagabend in einem Mehrfamilienhaus in Meimsheim zu einem Unglück mit Kohlenstoffmonoxid (CO) gekommen ist, bei dem sich eine 16-Jährige schwer verletzt hat.

Die Polizei berichtete am Mittwoch, dass die Jugendliche offenbar nicht mehr in Lebensgefahr schwebt. Rainer Köller, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Heilbronn, erklärt, dass ein Schauglas der Heizungsanlage defekt gewesen sei. Durch dieses sei das Gas ausgeströmt und habe sich im Wohnhaus verteilt.

Bei der Familie herrscht einen Tag nach dem Unfall Fassungslosigkeit. Zu einem Gespräch stehen sie am Mittwochmittag nicht bereit. Noch zu frisch sind die Ereignisse.

Die 16-Jährige klagt am Dienstag gegen 18.30 Uhr in dem Wohnhaus am Ortsende von Meimsheim über Kopfschmerzen und Schwindel. Angehörige alarmieren den Rettungsdienst. Ein Sanitäter erklärt gegenüber dieser Zeitung, dass im Display eines CO-Warners, den die Hilfskräfte bei sich tragen, "high" aufgeleuchtet habe. "Ab einem Wert von 20 gibt er eine Warnung ab, ab 350 wird high angezeigt." Der Rettungsdienst habe entschieden, das Haus zu evakuieren. "Das Mädchen wurde hinuntergetragen und im Rettungswagen versorgt."

Anzeichen für eine CO-Vergiftung: Übelkeit und Kopfschmerzen

Laut Polizeibericht erleidet einer der Sanitäter ebenfalls eine Vergiftung. Weitere sechs Bewohner verletzen sich leicht, darunter ein zehn Monate altes Baby. Jürgen Vogt, Pressesprecher der Feuerwehr Heilbronn, erklärt: "CO ist geruchlos, unsichtbar und geschmacklos." Das Gas sei etwa so schwer wie die Umgebungsluft und setze sich zunächst am Boden ab. Typische Symptome für eine CO-Vergiftung können Übelkeit und sehr starke Kopfschmerzen sein, die über eine längere Zeit anhalten.

CO docke bei Menschen an die roten Blutkörperchen an. Diese nehmen dadurch keinen Sauerstoff mehr auf. "Irgendwann fehlt Sauerstoff im Körper. Man erstickt." Ab 20 Volumenprozent CO im Körper beginne die kritische Phase. "Bei 50 bis 60 Volumenprozent stirbt der Mensch."

Ist die betroffene Person außerhalb des Gefahrenbereichs und unternimmt nichts gegen das Kohlenstoffmonoxid, sei nach fünf Stunden die Hälfte des CO abgeatmet. Es bestehe jedoch die Gefahr, dass eine Restmenge CO im Körper bleibt und sich in Herz, Lunge oder Hirn einniste. Schlaganfälle, Parkinson, Psychosen oder Herzinfarkt drohten.

Drei Durchgänge in der Druckkammer und das CO ist raus

Deutlich schneller sei der Abbau in einer Druckkammer möglich, die mit zwei Bar Atemluft gefüllt werde. Eine Behandlung dauere 170 Minuten. "Nach 22 Minuten ist die Hälfte CO abgebaut." Nach drei Durchgängen in der Druckkammer tendiere das Kohlenstoffmonoxid gegen Null.

Laut Polizeibericht ist bislang nicht geklärt, weshalb es zu dem Defekt an der Anlage gekommen ist und wer das Schauglas zerstört hat. "Es ist im Ergebnis egal. Wir ermitteln", sagt Rainer Köller. Die Familie ist inzwischen wieder ins Haus zurückgekehrt, nachdem die Luft in den Räumen gemessen worden war. Die Heizung darf so lange nicht eingeschaltet werden, bis sie ein Experte geprüft hat.

 

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