Für viele Gaststätten hat der Kampf ums Überleben begonnen
Der Wirrwarr um die Corona-Regeln am vergangenen Wochenende hat die Branche hart getroffen. Auch die bürokratischen Hürden machen den Betrieben zu schaffen.
"Die Lage ist extrem schwierig. Die Veranstaltungen brechen weg und überall ist jetzt wieder viel weniger los", sagt Michael Lehner, der Heilbronner Verkaufsleiter der Dinkelacker Schwaben-Bräu GmbH. Die Brauereien trifft neben dem anhaltenden Wegfall großer Feste und Veranstaltungen auch die angespannte Lage in der Gastronomie hart, die sie als Vertragskunden beliefern.
Nachfrage ist eingebrochen
Dort ist die Nachfrage im November erneut eingebrochen, seitdem in Baden-Württemberg die Corona-Verordnungen wieder deutlich verschärft wurden. Die Folgen: Kneipen und Restaurants sind nur noch spärlich besucht. Einige öffnen nur noch abends oder am Wochenende. Und nahezu alle Gaststätten müssen mit erheblichen Umsatzrückgängen leben.
Und das Chaos, das das Land durch die neuen Corona-Verordnungen am vergangenen Wochenende ausgelöst hat, hat die Lage zusätzlich verschärft.
Entsetzen über Regel-Chaos
Entsprechend ist die Reaktion bei den Verbänden und vor Ort. "Was hier passiert, ist planlos und den Betroffenen gegenüber respektlos", sagt der Dehoga-Landesvorsitzende Fritz Engelhardt zum Thema 2G-plus. Auch wenn das Land die Regeln für geboosterte und geimpfte Personen, deren Impfung noch keine sechs Monate zurückliegt, nach zwei Tagen wieder zurückgenommen hat, war der Schaden für viele Betriebe längst da.
"Als wir Ende der vergangenen Woche erfahren haben, dass jetzt auch noch die Testpflicht für Geimpfte gilt, wussten wir wirklich nicht mehr, was wir tun sollen", reagiert Stefan Nitzsche heute noch fassungslos auf diese Politik. Der Sontheimer betreibt zusammen mit seinem Kollegen Metin Pallak das Pizza-Kebab-Haus Munzur und die benachbarte Gaststätte Sontheimer Eck.
"Wir waren im Munzur gerade wieder bei einigermaßen guten Umsätzen, jetzt haben wir wieder Einbrüche von 30 bis 40 Prozent" rechnet Nitzsche vor. Auch die Unsicherheit macht dem 54-Jährigen zu schaffen: "Die Bürokratie ist die Härte pur und die Ängste begleiten uns täglich, weil man ja für die Einhaltung der Regeln verantwortlich ist und bei Verstößen hohe Bußgelder drohen". Dabei lebe man seit November wieder von der Hand in den Mund. "Wir schauen jetzt, wie wir beide Betriebe am Leben halten", unterstreicht Stefan Nitzsche.
Größerer Aufwand
Auch für Nam Hung Nguym hat sich die Lage deutlich verschärft. "Der Umsatz geht zurück und der Aufwand wird größer", fasst der Geschäftsführer der Heilbronner Filiale von Asiahung die Lage zusammen. Gut zur Hälfte ist sein Restaurant in der Stadtgalerie am Mittwochmittag gegen 14.30 Uhr belegt. Zwei Tische hat er wegen der Abstandsregel mit rot-weißen Sicherheitsband abgesperrt. An der Theke bestellen drei Kunden asiatische Spezialitäten zum Mitnehmen.

"Die Umsatzrückgänge liegen bei rund 40 Prozent. Bei uns kommt noch dazu, dass die Waren, die wir aus Asien beziehen, wegen der Lieferengpässe deutlich teurer geworden sind", erläutert Nguym. Dennoch ist schließen für ihn keine Option. "Die Nachfrage ist weiterhin da und ich denke auch an meine Mitarbeiter", betont der 30-Jährige.
Personalmangel verschärft sich
Andere haben spätestens mit den neuerlichen Regel-Verschärfungen den Glauben an die Zukunft verloren. "Wir haben einige Betriebe, die jetzt darüber nachdenken, endgültig zu schließen", sagt Michael Lehner, der die Lage in den Gaststätten vor Ort hautnah mitbekommt.
Bei Thomas Muth ist nicht nur die Pandemie der Auslöser für den Entschluss, seine Traditionsgaststätte in Untergriesheim endgültig zu schließen. "Die Gründe liegen in erster Linie am Alter", sagt der 66-Jährige, der das Restaurant Muth mit seiner Frau Doris seit 28 Jahren betreibt. Der zweite Grund ist der Personalmangel, der sich in der Corona-Krise deutlich verschärft habe. Vor allem die Aushilfskräfte hätten sich sichere Berufe gesucht.
"Wenn wir mehr Personal gehabt hätten, hätten wir vielleicht noch eine Weile weiter gemacht", betont Muth. Einen Nachfolger für das Restaurant hat der Koch aus Leidenschaft noch nicht gefunden.
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