Froh, endlich geimpft zu sein
Seit diesem Wochenende ist Eppingen in Sachen Impfen Vorreiter im Land: Weil sich anfangs nicht genügend Personen über 70 Jahre anmeldeten, setzte sich OB Klaus Holaschke kurzerhand beim Sozialministerium dafür ein, dass bei der Impfaktion am Sonntag bereits Bürger über 60 Jahre mit Astrazeneca geimpft werden dürfen.

Die offizielle Öffnung für diese Altersgruppe erfolgt in Baden-Württemberg erst morgen. Das Sozialministerium gab das Go, und alle 120 Impfdosen wurden verimpft. In Neckarsulm und Flein fanden an diesem Wochenende ebenfalls Impfaktionen für Personen über 70 Jahre statt. Auch diese wurden von mobilen Impfteams des Kreisimpfzentrums (KIZ) Ilsfeld durchgeführt, die mit Impfstoff und medizinischem Equipment anrückten.
Vor der Eppinger Turnhalle im Rot hat sich am Sonntagvormittag eine lange Schlange gebildet. Die Bürger aus Eppingen und seinen Stadtteilen sowie Ittlingen und Gemmingen sind zum Impfen mit Astrazeneca angemeldet. Eine von ihnen ist Roswita Scherer. "Der Piks ist doch nur eine Kleinigkeit", winkt sie ab. Dass sie den Impfstoff Astrazeneca erhält, kommentiert die 77-Jährige so: "Mir bleibt nichts anderes übrig."
Begleiterin Sandra Schmidt ist froh, dass ihre Mutter nun bald vor Corona geschützt ist. Nachdem Scherers Temperatur gemessen ist, klärt Dr. Adelheid Loges die Rentnerin über die Impfung auf. Eine Kabine weiter geht es dann zum Impfen: Dafür desinfiziert Arzthelferin Tanja Walter den Oberarm von Roswita Scherer. Die bleibt gelassen, als die Spritze gesetzt wird. "Merkt man kaum", findet sie und setzt sich für 15 Minuten zur Überwachung in einen Wartebereich.
OB Klaus Holaschke: "Wir könnten direkt noch eine Impfaktion mit der Altersklasse über 60 machen"
Anfang der Woche lief die Terminvergabe in Eppingen noch so schleppend, dass nur 60 von 120 vergeben waren. "Das Wichtigstes ist doch, dass die Leute geimpft werden", erklärt OB Klaus Holaschke seinen Einsatz beim Sozialministerium. "Am Montag sind doch ohnehin die Ü60-Jährigen impfberechtigt. Wo ist das Problem, es einen Tag vorzuziehen?" Und tatsächlich: Durch die Einwilligung des Ministeriums am Freitag waren alle restlichen Termine innerhalb von drei Stunden weg. "Wir könnten direkt noch eine Impfaktion mit der Altersklasse Ü60 machen, so viele Anfragen haben wir", erklärt der OB. Das wird auch angesichts der zahlreichen Impfwilligen deutlich, die mangels Impfstoff an diesem Tag erfolglos versuchen, ohne Termin geimpft zu werden.
Auch in Flein haben sich sieben Bürger spontan zur Impfung entschlossen. Weil von 120 Terminen für die Altersgruppe Ü70 nur 46 vergeben sind, können die Männer und Frauen hier zur Impfung in der Sandberghalle bleiben. "Normalerweise bekommen wir von den Kommunen die genaue Anmeldezahl, entsprechend bringen wir die Impfdosen mit", berichtet Ulrike Koch vom mobilen Impfteam. Das habe Sicherheitsgründe: "Man will kein unnötiges Risiko eingehen. Wenn auf dem Weg ein Unfall passiert, ist vielleicht auch der ganze Impfstoff beschädigt." Für die Spontanentschlossenen würde nun extra ein Fahrer ins KIZ geschickt, um die entsprechenden Impfdosen aus dem Fleiner Kontingent zu holen.
Einen Tag zuvor haben 210 Personen über 70 Jahre einen Impftermin in der Sulmturnhalle in Neckarsulm. Insgesamt 240 Impfungen Astrazeneca hat die Verwaltungsgemeinschaft Neckarsulm, Untereisesheim und Erlenbach zur Verfügung gestellt bekommen und untereinander aufgeteilt. Doch angesichts des etwas in Verruf geratenen Impfstoffs, sei man anfangs unsicher gewesen, ob Astrazeneca angenommen werde, gibt OB Steffen Hertwig zu. Umso erfreulicher sei die sehr gute Resonanz. Der OB ist froh, dass die Impfthematik an Tempo aufnehme. Man sei jederzeit bereit, eine solche Aktion wieder durchzuführen. "Gebt uns Impfstoff und wir impfen."
Untereisesheims Bürgermeister Bernd Bordon berichtet, dass die Gemeinde 500 Bürgern telefonisch das Impfangebot gemacht hat. Eine Handvoll sei darunter gewesen, die sich nicht mit Astrazeneca impfen lassen möchte. In Erlenbach meldeten sich die Impfberechtigten hingegen selbst für einen Termin im Rathaus.
"Die Impfung ist ein Muss"
Marika Stammler, die gerade ihre Impfung erhält, erklärt, sie vertraue dem Impfstoff, schließlich sei er zugelassen. "Die Impfung ist ein Muss, wenn wir ein normales Leben führen wollen." Martina Bölz vom mobilen Impfteam findet: "Auch um andere zu schützen, müssen wir uns impfen lassen." Sie arbeite in einer Schwerpunktpraxis und habe schwere Corona-Erkrankungen bei älteren und jungen Menschen miterlebt. "Das ging von Lungen- und Herzproblemen bis zum Koma."
Für die Impfaktionen kümmerten sich die Mitarbeiter der Kommunen um Organisation und Infrastruktur vor Ort. Dabei wurden sie von den Feuerwehren, den DRK-Ortsvereinen und Freiwilligen unterstützt.



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