Angehende Lehrer für Gymnasien kommen ans Ausbildungsseminar

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Nun beginnt die intensive Phase an den Schulen: Nach dem Studium geht es für Referendare bald in den Klassenzimmern der Gymnasien weiter. Zum Start gibt es ein besonderes Geschenk des Landes.

Dem Digitalpakt sei Dank: Bei der Neuaufnahme am Lehrerseminar Heilbronn bekommt jeder künftige Gymnasiallehrer ein Tablet aus Landesmitteln. Foto: Susanne Schwarzbürger
Dem Digitalpakt sei Dank: Bei der Neuaufnahme am Lehrerseminar Heilbronn bekommt jeder künftige Gymnasiallehrer ein Tablet aus Landesmitteln. Foto: Susanne Schwarzbürger  Foto: Schwarzbürger

Einige Anmeldungen mehr als in den Vorjahren verzeichnet das Seminar für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte Heilbronn (Gymnasium), kurz "Seminar" genannt: Diese Woche starteten 97 angehende Lehrer ihre Praxis-Ausbildung dort, an der John-F.-Kennedy-Straße, und parallel an einer der 43 Kooperationsschulen des Seminars zwischen Wertheim und Vaihingen, Kirchberg an der Jagst und Eppingen: Das Flächenseminar deckt die Bildungsregion Heilbronn-Franken ab.

"Nur eine Person ist zu spät gekommen, die mussten wir nachvereidigen." Die Seminarleiterin Martina Geiger hat schon morgens um 7 Uhr die ersten Autos auf dem Parkplatz entdeckt. Dabei ging die Auftaktveranstaltung zur Neuaufnahme mit der Vereidigung erst um 9 Uhr los.


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Persönliche Seminaratmosphäre ist angenehm

Luca Binder war da noch nicht da. Aber losgefahren ist er vorsichtshalber schon um diese Uhrzeit - in Obergimpern. Der 24-Jährige, der sein Referendariat am Eduard-Mörike-Gymnasium in Neuenstadt antritt, unterrichtet mit Geschichte und Chemie nicht nur eine ungewöhnliche Fächerkombination. "Das ist das Beste aus zwei Welten", findet er. Ungewöhnlicherweise ist der frischvereidigte Referendar auch freiwillig in der Region: "Ich habe mein Schulpraxissemester in Bad Wimpfen gemacht", erzählt er, "und ich finde es schön hier." Besonders schätzt Binder, der in Sinsheim das Abitur abgelegt und in Stuttgart studiert hat, dass das Heilbronner Seminar kleiner ist als andere und dadurch eine persönliche und angenehme Atmosphäre herrscht.

Gemeinsamkeit statt Hierarchie

Eine Stimmung, die von den Ausbildern so gewollt ist: "Wir betonen hier den gemeinsamen Beruf", sagt Karsten Wiese, "nicht die Hierarchie." Dem Bereichsleiter Naturwissenschaften ist bewusst, dass der Wechsel von der Uni ins Referendariat "ein Riesenschritt ist".

Nicht freiwillig ist Gianluca Apruzzese da. Der 27-Jährige hat in Mannheim Philosophie/Ethik und Englisch studiert und wäre lieber nach Heidelberg oder Karlsruhe gegangen. Nun hat es ihn ans Jagsttal-Gymnasium nach Möckmühl verschlagen: "Das wird schwierig wegen der Pendelei", befürchtet er. Denn eine (bezahlbare) Wohnung hat er bisher weder in Heilbronn noch in Möckmühl gefunden. Dem Seminar bescheinigt er aber positiv: "Das war das einzige, das sich die Mühe gemacht hat, bei einer Info-Veranstaltung im Uni-Rahmen Präsenz zu zeigen."

Lehrer aus Leidenschaft

Julián Andrés Castaño Gardea Bal hat indes eine Unterkunft in Heilbronn gefunden. Wenn auch der Kolumbianer, der nun als Spanisch- und Geschichtslehrer das Kollegium am Hartmann-Gymnasium Eppingen bereichert, lieber im Rhein-Neckar-Raum geblieben wäre. "Ich konnte mir keinen anderen Beruf vorstellen", erklärt er, warum er nach dem Abitur an der deutschen Schule in Cali zum Lehramtsstudium nach Heidelberg gekommen ist. In seiner Heimat hatter er viel Spaß in der Schule. Doch beruflich sah er keine Perspektive in dem politisch schwierigen südamerikanischen Land.

Zielgerichtet beworben am Heilbronner Seminar hat sich wiederum Elisabeth Honecker - sie ist hier verheiratet und hat schon Kinder. Studiert hat sie in Weimar: Geschichte und Musik. Ihr Referendariat absolviert sie nun in Schwäbisch Hall.

Nachwuchsprobleme bei den Mint-Fächern

Karsten Wiese freut sich über die 20 Referendare mehr als im Vorjahr. Doch, sagt der Bereichsleiter: "Es dürften immer noch mehr sein." 150 würde das Seminar gut verkraften. Ein Nachwuchsproblem haben weiterhin die Mangelfächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik, aber auch Bildende Kunst und Musik. Worüber Wiese sich wundert: "Tatsächlich haben wir im Vergleich zu sonst auch relativ wenige Deutschlehrer." Im Gegensatz zum 2023 gestarteten Ausbildungskurs, in dem es gar keinen Referendar in Physik gegeben hat, seien es diesmal zwei. Aber immer noch "viel zu wenig". Was die Lehramtskandidaten erleichtert: "Das wird der erste Kurs sein, der keine schriftliche Examensarbeit mehr schreibt", informiert Wiese. Stattdessen würden die Referendare eine Wochenstunde mehr als bisher selbstständig unterrichten. Die neue Regelung sei eine Reaktion der Landesregierung auf den Lehrermangel.

Und noch ein Geschenk gibt"s vom Kultusministerium: "Jeder Referendar bekommt ein nagelneues iPad", so Martina Geiger. Möglich macht es der Digitalpakt. Die Seminarleiterin verrät den Gesamtwert: 95 000 Euro. Nach der Mittagspause teilen sie und der Netzwerkberater Andreas Düsseldorf die Tablets samt Stift, Ladeteil und Stecker an den Referendarnachwuchs aus.

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