Fit frieren in der Kältesauna: ein Selbstversuch
Eiskalter Dampf aus flüssigem Stickstoff ist eine prickelnde Erfahrung, wie der Selbstversuch unseres Redakteurs in Neckarsulm zeigt. Gegen welche Beschwerden die Anwendungen hilfreich sein können.

Rasant sinkt die Temperatur. "Ich muss erst vorkühlen", sagt Alexandra Sever. Bei runden 100 Grad öffnet sich dann die Türe – minus 100 Grad wohlgemerkt. Mit dicken Socken und Überschuhen geht es in die Kältesauna.
In der Kältesauna Neckarsulm sind bis zu -160 Grad drin
Dann wird weiter runtergekühlt. Bis zu -160 Grad sind möglich. "Aber das ist nur was für Profis. Beim ersten Mal wird es nicht so kalt." Schon bald fühlt sich der super-kalte Dampf vielmehr nach Südpol als nach dem spätsommerlichen Neckarsulm an. Aber die Kälte ist nicht eisig-schneidend, sondern eher angenehm-prickelnd. "Das liegt daran, dass es eine ganz trockene Kälte ist", erklärt Sever. "Dadurch ist sie gut verträglich.
Tatsächlich fühlen sich die drei Minuten in der Kältekammer eher nach einem frischen Wintermorgen an. Erfrierungen sind keine zu befürchten. Und obwohl sich auf der Haut Eiskristalle bilden, ist der Schauder eher wohlig als zittrig.
Glücksgefühl nach dem "Saunagang"
Nach dem Kältebad macht sich so etwas wie Euphorie breit. Füße und Haut sind wohlig warm, am ganzen Körper breitet sich ein angenehmes Prickeln aus. "Man freut sich, dass man nicht erfroren ist", erklärt Kälte-Therapeutin Sever das Glücksgefühl.
Daher nutzen auch körperlich Gesunde die seit zwei Jahren bestehende "Vitalice" Kältesauna im Greckenhof. "Das kann bei einem Durchhänger bis hin zum Burn-Out helfen." Viele Nutzer haben aber Beschwerden wie Rheuma, Entzündungen oder Verletzungen. "Bei allem was mit Schmerzen einhergeht ist die Kälte gut wirksam."
Wirkung wie bei Wechselbädern
Eine ähnliche Wirkung ist von den Wechselbädern bekannt, die auf den Naturheilkundler Sebastian Kneipp zurückgehen. Im Gegensatz zu kaltem Wasser oder Eis stellt sich der Effekt beim Stickstoff-Luft-Gemisch schneller ein.
Auch bei Sportlern ist das "Vorkühlen" beliebt. Eine stärkere Durchblutung der Muskeln soll zu weniger Verletzungen und einer allgemein höheren Fitness führen. "Bei Verletzungen regeneriert das Gewebe schneller", weiß Sever. Als gelernte Bankkauffrau wollte Alexandra Sever beruflich etwas Neues ausprobieren. "Ich war nach einem Test von der Kältesauna begeistert. Und weil ich mich schon immer für Gesundheitsthemen interessiert habe, ließ ich mich zur Kryo-Therapeutin ausbilden."
Wirklich mit der Angst bekommen es die Patienten eher selten. "Ganz wenige merken, dass sie die Kälte nicht vertragen." Andere werden richtig fröhlich bei der Anwendung. "Meine älteste Kundin ist 88 und noch richtig top-fit." Wenn es die Zeit und das Budget erlauben - eine Anwendung kostet immerhin 30 Euro - klettert Sever nach Feierabend selbst gern in die Kammer und nutzt die Kraft aus der Kälte. "Man tut sich was Gutes, und das ganz ohne Chemie. Der Körper ist ein tolles Phänomen, der nutzt vieles im Positiven."
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