Freude und Skepsis prägen ersten Schultag nach drei Monaten
Fünft- und Sechstklässler können seit diesem Montag wieder am Präsenzunterricht teilnehmen. Für die Lehrkräfte ist das eine große Herausforderung. Wie lange wird das gut gehen?

Während Intensivmediziner aufgrund der steigenden Corona-Infektionszahlen den sofortigen Lockdown fordern, tummeln sich auf dem Pausenhof der Eppinger Selma-Rosenfeld-Realschule (SRRS) viele Kinder und Jugendliche. Alle mit Mund-/Nasenschutz, aber ohne auf Abstand zu achten. Warum auch, wenn sie den in den Klassenräumen sowieso nicht einhalten können.
Abstand lässt sich nicht überall organisieren
"Unsere Fünfer und Sechser sind alle nach Vorgabe des Kultusministeriums in den Klassen", erklärt Rektorin Silke Döll. Lehrerin Angela Müller, die gerade vor der 5a steht, würde Wechselunterricht bevorzugen. "Ich finde es kritisch, dass man keinen Abstand hat", sagt sie, doch an der SRRS lasse sich das nicht organisieren.
Es dauert, bis alle Lehrkräfte geimpft sind
"Wir haben jetzt 19 Klassen hier plus die Notbetreuung", sagt Döll, "da fehlt uns der Raum, Gruppen zu bilden." So schön es ist, die Kinder wieder dazuhaben: Es ist eine große Herausforderung für die Lehrkräfte. Weil der Präsenzunterricht keine Pflicht ist und manche Schüler weiterhin das parallel laufende Fernunterrichtsangebot in Anspruch nehmen. Außerdem sorgt sich Döll um die Gesundheit des Kollegiums. Auch wenn die Impfbereitschaft groß sei, dauere es doch, bis alle geschützt sind.
Das ist kein normales Schulleben
Etwas anders sieht es am Hartmanni-Gymnasium Eppingen (HGE) aus. Ein Lehrer scheucht auf dem Schulhof Kinder, die zu nahe rücken, auseinander. Die Fünfer und Sechser haben nacheinander Pause. Als die einen durch die rechte Eingangstür wieder ins Gebäude strömen, kommen die anderen links heraus. Die Klassen sind in je zwei Gruppen aufgeteilt. Die Lehrer Tobias Sersch und Christoph Rusch loben die gute Organisation der Schulleitung, bleiben aber hinsichtlich des Corona-Geschehens skeptisch: "Das geht jetzt gut, wir müssen aber mal gucken, wie es weiter läuft", sagt Sersch vorsichtig und bedauert: "So ist das kein normales Schulleben." Trotz Maske ist Ulrich Müller die Anstrengung des organisatorischen Kraftakts anzusehen: "Wir bräuchten mehr Klarheit", sagt der Schulleiter des HGE.
Klassenteilung und Abstand halten sind keine Pflicht
Die kommissarische Leiterin der Hellberg-Gemeinschaftsschule Eppingen (HGS), Ulrike Speck, setzt auch auf geteilte Klassen und Abstand, obwohl sie dazu nicht verpflichtet ist. Die zusätzlich benötigten Lehrkräfte rekrutiert sie aus Fächern, die derzeit reduziert werden. Doch nach dem Vormittagsunterricht ballen sich Schüler in Bussen und Bahnen, um den Nachmittagsunterricht von zu Hause aus zu besuchen. Speck findet: "Angesichts der steigenden Corona-Zahlen ist es ein Paradoxon, die Schulen wieder zu öffnen."
Einerseits Freude, andererseits ein ungutes Gefühl
HGS-Lehrer Matthias Kopp hat sich einerseits "gefreut, nach drei Monaten wieder meine Schüler zu sehen", ist aber zwiegespalten: "Auf der anderen Seite schwingt dieses ungute Gefühl mit." Fröhlich lachend steht hingegen seine Kollegin Rebecca Strandhagen vor der 6b: "Mir war es zu Hause langweilig. Es ist schöner, wieder an der Schule zu unterrichten."
Voll im Glück sind jedenfalls die Eingangsklassen aller drei weiterführenden Schulen in Eppingen. "Zu Hause macht das Lernen keinen Spaß, weil wir hier Freunde sind", sagt Osama aus der 6b der HGS genauso wie Claire aus der 5a der SRRS: "Ich freue mich, dass ich wieder meine Freunde sehe." Fast wortgleich äußert sich die Fünftklässlerin Luise vom HGE.
In der Schule lernt es sich besser
Einig sind sich auch Charlotte vom HGE, Nicolas von der HGS und Florian von der SRRS: "In der Schule lerne ich einfach besser", denn "wenn der Lehrer was erklärt, versteht man es besser."
Nur die Masken stören, "weil man so während dem Unterricht nichts trinken kann", sagt Lina von der SRRS. Dass die Schüler sich nach ihren Schulen gesehnt haben, zeigt auch die Anwesenheitsquote. Obwohl es keine Präsenzpflicht gibt, sind in Eppingen am Montag nur wenige Kinder ferngeblieben.
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