Flüchtlinge in Stadt und Landkreis Heilbronn: Kapazitäten gehen zur Neige

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Bei der Unterbringung von Flüchtlingen spitzt sich die Lage in den Kommunen weiter zu. Mancherorts gibt es nur noch wenig Möglichkeiten, kurzfristig neuen Wohnraum zu schaffen. 2023 erwartet der Landkreis Heilbronn keine Entspannung.

Ob über den Rückgriff auf den Wohnungsmarkt oder die Umnutzung kommunaler Gebäude - die Verpflichtung, eine Anschlussunterbringung für Flüchtlinge zu schaffen, stellt Kommunen zunehmend vor Probleme. Während in Heilbronn aktuell noch einige Kapazitäten frei sind, erwartet das Landratsamt auch für das kommende Jahr keine Entspannung der Lage.


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Stadt hat noch 80 Plätze frei

In den städtischen Unterkünften leben derzeit 485 Personen aus der Ukraine, berichtet der Leiter des Amts für Familie, Jugend und Senioren der Stadt Heilbronn, Achim Bocher. "In den kommunalen Wohnungen sind aktuell rund 80 Plätze frei." Die Stadt nutzt zwei Hallen, eine davon als Ankunftszentrum für Geflüchtete aus der Ukraine. In der zweiten Halle wurden durch den Einbau von Boxen 54 Plätze für Asylbewerber geschaffen. Aktuell ist dieses Gebäude laut Bocher mit 30 Personen belegt.


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Nahezu voll sind die Gemeinschaftsunterkünfte: "Pro Monat registrieren wir rund 20 Auszüge von Personen." Ihren Bestand an Unterbringungskapazitäten passe die Stadt fortlaufend an den Bedarf an. "Neben Wohnungen werden auch Unterbringungen in Pensionen oder ähnlichem geprüft. Somit werden ständig neue Objekte angemietet", sagt der Amtsleiter.

Schulsporthalle in Neckarsulm wird genutzt

Im Landkreis Heilbronn waren nach Angaben des Landratsamts bis Ende vergangener Woche rund 3600 Geflüchtete aus der Ukraine sowohl in privaten als auch in kommunalen Gebäuden untergekommen. In den kreiseigenen Unterkünften leben derzeit rund 110 Menschen, die vor dem Angriffskrieg in der Ukraine geflohen sind. Untergebracht werden diese auch in der Sporthalle der Christian-Schmidt-Schule in Neckarsulm, sagt Tamara Waidmann von der Pressestelle des Landratsamts. In der Halle haben aktuell rund ein Dutzend Personen eine Bleibe gefunden.

"Wir haben nach wie vor viele direkte Zugänge über unseren Info-Point im Landratsamt", berichtet Waidmann. Dabei handle es sich in der Regel um Menschen, die selbst anreisen und Familienangehörige haben, die hier bereits untergekommen sind. Nach ihrer Aufnahme durch das Landratsamt fließen auch sie in die Quote ein. Über die reguläre Zuweisung lebten ferner rund 1270 Personen in den kreiseigenen Unterkünften.

Suche brauch zeitlichen Vorlauf

Allmählich werden aber die Unterbringungsmöglichkeiten knapp, räumt Waidmann ein: "Wir sind weiterhin dabei, neue Kapazitäten aufzubauen, dies ist aber meistens mit einem größeren zeitlichen Vorlauf verbunden." Kreis wie Kommunen hätten das Problem, dass sie auf den Mietmarkt zugreifen oder kommunale Gebäude nutzen müssen, um Platz zu schaffen.


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In Löwenstein hat das kürzlich für Aufregung gesorgt: Der Gemeinderat hatte mehrheitlich beschlossen, dass die Stadt keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen soll, weil es aus Sicht des Gremiums an geeignetem Wohnraum fehle. Der Beschluss wurde wieder zurückgenommen, nachdem Bürgermeister Klaus Schifferer Einspruch eingelegt hatte. Um ihre Aufnahmequote zu erfüllen, muss die Stadt bis Ende März noch fünf Personen unterbringen. Sorgen bereitet der Kommune aber die Zahl von 15 bis 20 weiteren Menschen, die ihr im kommenden Jahr noch zugewiesen werden dürften. Hierzu läuft laut Schifferer derzeit die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten.

Im Landratsamt erwartet man auch 2023 keine Entspannung der Lage. "Die Zugänge in den Landeserstaufnahmeeinrichtungen sind weiter hoch, dementsprechend wird auch die Verteilung auf die unteren Aufnahmebehörden mit der gleichen Intensität weitergehen", so Tamara Waidmann.

 

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