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Vortrag in Neckarsulm

Ex-Knacki und -Rockerchef erzählt aus seinem Leben – "Macht den Scheiß bloß nicht!"

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Janez Ekart saß fast zehn Jahre seines Lebens hinter Gittern. In Neckarsulm gab der ehemalige Präsident des Rocker-Clubs Bandidos Jugendlichen Tipps, wie sie es besser machen können als er. Seine Vergangenheit hat er in einem Buch verarbeitet.

Ex-Knacki und Anführer einer Rockerbande Janez Ekart gibt jungen Leuten Tipps, wie sie es besser machen können als er.
Ex-Knacki und Anführer einer Rockerbande Janez Ekart gibt jungen Leuten Tipps, wie sie es besser machen können als er.  Foto: Seidel, Ralf

Janez Ekart ist äußerlich immer noch der Typ, dem man besser aus dem Weg geht: Bis auf das mittlerweile frei gelaserte Gesicht ist er am ganzen Körper tätowiert. Vor rund 100 Jugendlichen der USS Bildung in der Mediathek sagt er klipp und klar: "Ich bin fast zehn Jahre eingesperrt gewesen, mit Sicherheit nicht, weil ich bei Rot über die Ampel gelaufen bin. Ich war gnadenlos brutal."

Massimo Marrone von der USS nennt Janez Ekart "authentisch". Die derbe Sprache und dass Janez ganz offen über seine Vergangenheit spricht, bringt die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zum Reden. Wenn ihn jemand etwas fragt, fordert er die Jugendlichen auf, ihn mit "Du" anzusprechen. Viele haben auch schon schlechte Erfahrungen gemacht, waren oder sind im Heim, haben Eltern, die nicht für sie da waren oder ihnen geschadet haben und suchen jetzt über Schule und Beruf nach dem Weg ins Leben.

Biografie eines Ex-Rockers: Janez Ekart schildert seine Erlebnisse in einem Buch

Seine Biografie hat Janez Ekart in dem, wie er betont, selbst geschriebenen Buch "Von den meisten gehasst − von wenigen geliebt" zusammengefasst. Auch auf diversen Kanälen ist der ehemalige Präsident des Rocker-Clubs Bandidos aktiv.

In der Rocker-Szene gab es klare Regeln. "Drogen waren verboten. Das ist Dreck! Wer sich nicht daran hielt, den habe ich zusammengeschlagen. Das war ja kein Kegel-Club." Er habe "nichts von anderen erwartet, dass ich nicht auch selbst bringen kann". Nach diesen Regeln lebe er noch heute.

Einer jungen Frau im Publikum mit Heim-Erfahrung sagt er: "Das kannst du nicht vergleichen, ich hab da noch richtig auf die Schnauze gekriegt." Das Ziel der "Erziehungsanstalt, einen besseren Menschen aus mir zu machen, ging komplett an mir vorbei".

Mit 14 zum ersten Mal im Knast: Ex-Rocker gibt Jugendlichen in Neckarsulm Tipps

Mit 14 Jahren sei er schon in den Knast und dann ins Heim "für schwer erziehbare Jungs" gekommen. "Die Strafe war gerecht, aber für mich war es die Hölle." Er wollte so schnell wie möglich wieder raus.

Nur deswegen habe er gebüffelt, die Mittlere Reife und sogar eine Lehre gemacht. "Ich war nur so blöd und dachte, ich weiß alles besser als andere. Ich habe mir jede Chance versaut." Die Warnung an die jungen Menschen ist klar: "Macht den Scheiß bloß nicht! Zieht lieber eure Ausbildung durch."

Statt in der Fabrik zu arbeiten habe ihn "das schnelle Geld" für ein Auto gelockt, das er sich mit seinem Job als Türsteher und kriminellen Geschäften verdient hat.

Kontakt zu "Sex-Arbeiterinnen" und Gewaltexzesse 

Als Rocker-Präsident hatte er auch Kontakt zu "Sex-Arbeiterinnen", wie Marrone seine Geschichte weiter erzählt. "Du kannst ruhig Hure sagen", kontert Janez Ekart. "Ich habe großen Respekt vor Frauen, die sich ihren Lebensunterhalt verdienen." Und warnt dabei die jungen "Damen", das Gleiche "für ein, zwei Drinks" auf der Rückbank eines Autos zu tun.


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Er habe immer klare Regeln für sich und andere gehabt. Daher bereue er seine Gewaltexzesse nicht, so Ekart. Wenn ihn heute jemand "anquatscht", bevorzuge er ein "sozialpädagogisches Gespräch": "Ich sag einfach "Halt die Fresse!" und gehe weiter." Den Grund für seine Zurückhaltung wisse er genau: "Ich bin unberechenbar. Wenn ich noch mal jemanden absteche, dann war's das für mich."

Janez Ekart hat nur Angst davor, allein im Gefängnis zu sterben

Nicht auf alles gibt er an diesem Nachmittag eine Antwort. Aber auf die Frage, ob er Angst habe, sagt Janez Ekart ehrlich: "Ich habe vor niemand Angst, nicht einmal vor mir selbst. Aber ich habe Angst davor, allein im Gefängnis zu sterben."

Er habe Respekt vor jemandem, "der etwas Gutes tut". Daher versuche er, einen Gnadenhof für "seine Kinder", die Tiere aufzubauen, auf dem auch "artähnlich aufgewachsene" Kinder und Jugendliche leben und arbeiten können. Dafür wolle er Spenden sammeln. "Ich habe zwar einen Dachschaden, aber ich liebe Tiere über alles."

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