Ehrenamtliche Betreuer in der JVA Heilbronn – "Ich kann die Person und die Tat trennen"
In der JVA Heilbronn arbeiten ehrenamtliche Helfer. Sie betreuen Häftlinge und leisten ihnen Gesellschaft. Bei aller Offenheit ist aber eine "gesunde Nähe" zu Insassen wichtig.

In unzähligen Bereichen können sich Menschen heutzutage ehrenamtlich engagieren. Nicht jeder würde wohl sofort ans Gefängnis denken, aber auch in der JVA Heilbronn gibt es Helfer. Entweder betreuen sie einzelne Häftlinge, die keinen Kontakt zu Familie oder Angehörigen haben, erklärt Anstaltsleiter Andreas Vesenmaier. Oder die Helfer sind in Gruppen aktiv. Die könne man mit einem Vereinsleben vergleichen. Ein Angebot, dass der Resozialisierung dienen soll.
Beispielsweise gibt es einen Chor, eine Kunstgruppe oder verschiedene Sportangebote. Aber auch eine Jesus-Gruppe, in der aus der Bibel gelesen, gesungen, gebetet und musiziert wird. Hier ist Eric Müller (Name von der Redaktion geändert) seit 16 Jahren aktiv. Seit elf Jahren hat der 72-jährige, rüstige Rentner außerdem auch für Gefangene in der Einzelbetreuung ein offenes Ohr. "Ich kann die Person und die Tat trennen", betont er. Die Taten seien teilweise furchtbar und die Insassen säßen zurecht im Gefängnis. Aber dem 72-Jährigen geht es darum, die Menschen dahinter zu sehen, sie anzunehmen, sagt er.
Ehrenamt in der JVA Heilbronn: "Je mehr man über jemanden weiß, desto schwieriger wird es"
Die Entwicklung eines Einzelnen über die Jahre mitzubekommen, mache ihn stolz. Der Rentner will die Häftlinge dazu befähigen, auf eigenen Beinen zu stehen, wie er sagt. Selbst zu entlassenen Insassen habe er noch Kontakt. Im Gefängnis sei eine gesunde Distanz aber dennoch wichtig. "Je mehr man über jemanden weiß, desto schwieriger wird es", betont Müller, der über die Jahre auch schlechte Erfahrungen gemacht hat. Beispielsweise habe er Häftlingen Geld geliehen, dieses aber nie wieder zurückbekommen.
Auch Hans-Albrecht Fromm ist schon über ein Jahrzehnt ehrenamtlich in der JVA Heilbronn engagiert. Der 75-Jährige betreut Häftlinge sowohl im geschlossenen Vollzug als auch im Freigängerheim. Dort geht es lockerer zu. Dann stehen auch mal Spaziergänge, Ausflüge ins Café oder Radtouren auf der Tagesordnung. Anspannung, dass ein Häftling das Weite suchen könnte, gebe es bei ihm keine. "Es ist noch nie etwas passiert."
Es gibt sogar eine Warteliste für ein Ehrenamt in der JVA
Auch als Vorstand im Freundeskreis Synagoge Heilbronn, im Förderverein der Astrid- Lindgren-Schule und in der Bewährungshilfe ist Fromm tätig, schreibt beispielsweise Bewerbungen für ehemalige Häftlinge, hilft ihnen bei Behördengängen, "damit sie ihren Alltag bewältigen können". Warum sich der 75-Jährige so vielseitig ehrenamtlich engagiert? "Ich habe mich schon immer für Menschen und ihre Schicksale interessiert."
Sozialarbeiterin Olivia Rank-Schwab ist für die Betreuung der knapp 50 ehrenamtlichen Helfer in der JVA Heilbronn zuständig. Sie scheinen unter Häftlingen begehrt zu sein: Es gibt sogar eine Warteliste. Vertrauen und Verlässlichkeit stehen ganz oben, betont Olivia Rank-Schwab. Erstgespräche seien beispielsweise wichtig, um zu sehen, ob es zwischen dem Ehrenamtlichen und dem Häftling zwischenmenschlich harmoniert. Wichtig sei außerdem, eine "gesunde Nähe" zum Insassen aufzubauen. In der Vergangenheit sei es durchaus schon mal vorgekommen, dass etwas für Häftlinge reingeschmuggelt wurde – ein Ausschlusskriterium. "Sicherheit und Ordnung haben Priorität.
Ansprechpartner bei Interesse
Einen Überblick über die ehrenamtliche Mitarbeit in einer Justizvollzugsanstalt gibt der Fortbildungsverband Straffälligenhilfe Baden-Württemberg, dessen Homepage unter www.ehrenamt-jva.de zu finden ist. Wer Fragen rund um das Ehrenamt in der JVA Heilbronn hat, kann Olivia Rank-Schwab telefonisch unter der 07131 798 403 oder per Mail an Oliva.Rank-Schwab@jvaheilbronn.justiz.bwl.de kontaktieren.
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