Englisch-Abi zu schwer? Nachgefragt bei Schulen in der Region
Mit einer Online-Petition kritisieren Schüler die Abiturprüfung im Fach Englisch. Die sei unfair gewesen, schreiben die Initiatoren. Fast 27.800 Menschen haben inzwischen unterzeichnet. Lehrer sprechen hingegen von einem "angemessenen Niveau".

Rund 33.500 Abiturienten schreiben derzeit im Land ihre Prüfungen an allgemein bildenden Gymnasien. Am Freitag war Englisch dran. Jetzt wehren sich die Schüler gegen die Aufgaben: Die Prüfung sei unfair gewesen, heißt es in einer Online-Petition. Fast 28.000 Unterschriften haben die Initiatoren inzwischen gesammelt.
Nachgefragt bei Schulleitern aus der Region
Sara Küffer versteht die Aufregung nicht: „Es war zwar anspruchsvoller als gedacht“, sagt die Eppinger Abiturientin. Aber eine Petition sei trotzdem nicht gerechtfertigt. „Es war nicht Pillepalle – aber dafür ist es ja auch Abitur“, erklärt Marie Urhahn. Die Mühlbacherin hat die Petition nicht unterschrieben.
„Wegen Mathe beschwert sich ja auch keiner“, ergänzt Luisa Bender, ebenfalls Abiturientin am Eppinger Hartmanni-Gymnasium. Tabea Dittus geht davon aus, dass die Aufgaben geprüft werden und in Ordnung seien: „Englisch ist nie leicht“, sagt die 17-Jährige. Aber die Prüfung am Freitag sei machbar gewesen.
Rektoren finden Eindrücke zum Abitur immer sehr subjektiv
Das Niveau sei angemessen gewesen, sagt auch Isabella Peimann-Schaak. Die geschäftsführende Schulleiterin der Heilbronner Gymnasien erzählt von einem Schüler, der nach der Prüfung erklärt hatte, Englisch sei gut gelaufen. „Es ist sehr subjektiv“, weiß die Rektorin des Heilbronner Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums.
Das meint auch Roland Götzinger, Rektor am Eduard-Mörike-Gymnasium in Neuenstadt und Bezirkssprecher der Direktoren. Ein objektives Urteil sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich.
„Es gibt eine Kommission, die Aufgaben sammelt und vergleicht“
Auch Englischlehrer hätten die Aufgaben für angemessen gehalten, sagt Isabella Peimann-Schaak. „Die Entscheidung liegt jetzt beim Ministerium“, sagt die Schulleiterin. Darauf vertraut auch Josef Knoblauch, Schulleiter am Hohenstaufen-Gymnasium in Bad Wimpfen. „Es gibt eine Kommission, die Aufgaben sammelt und vergleicht.“
Prüfungen seien immer eine emotionale Sache, sagt der Schulleiter. Manche Aufgaben seien schwieriger, andere leichter – an seiner Schule habe sich nach Englisch niemand explizit geäußert. In die schriftliche Prüfung fließe ohnehin noch das Ergebnis der Kommunikationprüfung ein.
Kultusministerium hält Aufgaben für angemessen
Nach „umfassender Prüfung“ hält das Kultusministerium die kritisierte Aufgabe für angemessen. Externe Fachberater stuften sie dennoch als anspruchsvoller ein als Aufgaben der Vorjahre. Die Frage stammt aus dem gemeinsamen Aufgabenpool der Länder und wurde auch in Mecklenburg-Vorpommern gestellt. Dort habe es keine ähnliche Kritik gegeben, so das Stuttgarter Ministerium.
Der besagte Prüfungsteil mache nur 15 Prozent der schriftlichen Abiturnote aus, die wiederum mit zwei Dritteln in die Gesamtnote einfließt. „Ich rate daher zu Ruhe und Gelassenheit“, sagt Kultusministerin Susanne Eisenmann.
Abiturienten kritisieren den Komplex Verstehendes Lesen
Die Kritik der Abiturienten im Internet richtet sich gegen den Komplex Verstehendes Lesen. Auf der Plattform change.org heißt es, der Text aus dem Jahr 1934 „beinhaltet Vokabular, das im heutigen Sprachgebrauch zum Teil nicht mehr verwendet wird“. Viele Wörter habe man im Kontext aber verstehen können, entgegnet die Eppinger Abiturientin Marie Urhahn.
In der Petition wird außerdem eine missverständliche Aufgabenstellung angeführt. Die Interpretation eines lyrischen Textes sei zudem subjektiv und schwieriger als die sonst üblichen Sachtexte.
Die mussten Abiturienten an den beruflichen Gymnasien bewältigen: „Die Lyrik-Problematik hatten wir nicht“, sagt René Bertsch, Abteilungsleiter am beruflichen Gymnasium der Johann-Jakob-Widmann-Schule in Heilbronn. Themen der Englischprüfung waren in diesem Jahr unter anderem Migration und Brexit. „Die Englischlehrer waren zufrieden“, sagt Bertsch. Rund 19.000 Abiturienten im Land legen 2018 an beruflichen Gymnasien ihre Reifeprüfung ab.
Auch interessant: Deutsch-Prüfungen für Realschüler werden verschoben
Rege Diskussion auf Facebook
Das schreiben die Stimme-Facebook-Nutzer zum Thema. Eine Auswahl:
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare