Ein Oedheimer Garten, perfekt für Insekten
Magnus Diller hat seinen Garten nach dem Hortus-Prinzip für Insekten umgestaltet. Was es braucht, damit sich Insekten wohlfühlen? Wir haben uns in seinem idyllischen Naturgarten umgesehen.

Es beginnt im Kleinen. "Wenn man etwas fördern will, fängt man unten an. Erst mit den Insekten, dann kommen die Vögel, Reptilien, Igel und Co. von selbst", sagt Magnus Diller. In seinem Fall begann es 2019 mit einer Naturführung auf dem Gundelsheimer Michaelsberg, aufgrund derer sich der Oedheimer heute für den Insektenschutz engagiert. "Bei der Führung sahen wir eine Blühwiese mit heimischen Wildblumen, wie man sie früher hatte. Auf einmal summte und brummte alles", erzählt der 45-Jährige.
Den Aha-Effekt hatte er, als die Gruppe bei der Führung an einer Zaunrübe eine Zaunrübensandbiene darauf entdeckte. "Dass diese Wildbiene genau diese eine Pflanze braucht, um weiter überleben zu können, das habe ich nicht gewusst", sagt Magnus Diller heute. "Dabei ist die Bestäubungsleistung von Wildbienen nicht zu unterschätzen. Es gibt zwar nicht so viele wie Honigbienen und sie haben längst nicht deren Lobby, aber es sind über 560 Arten in Deutschland vertreten. Das hat sich bei mir eingebrannt."
Was nötig war, bis sich Insekten wohlfühlten
Im selben Monat trat Dillers Nachbarin ihr angrenzendes Garten-Stückle an ihn ab. "Das war so etwas wie Schicksal", sagt Diller rückblickend. Seinen Garten schaute er sich daraufhin genauer an und stellte fest: Es muss einiges passieren, damit sich Insekten hier wohlfühlen. Also fräste der Oedheimer einen Teil des Grundstücks um, begann den nährstoffreichen Boden mit Sand abzumagern.
Magnus Diller orientierte sich an dem Hortus-Prinzip. Demnach bietet das Drei-Zonen-Modell nach Markus Gastl alles, was Käfer, Bienen und Co. brauchen: Eine Pufferzone mit Hecke, einen Nutzgarten – in Dillers Fall Himbeeren und Obstbaumsträucher wie Hagebutte und Felsenbirne – sowie mehrere "Hotspots", abgemagerte Flächen wie Blühwiesen. "Im Prinzip nutzt man, was man hat, um am Ende eine Kreislaufwirtschaft zu erreichen", erklärt Diller, für den Natur und Umwelt schon immer eine wichtige Rolle gespielt haben.
Der Garten ist ein idyllischer Mikrokosmos
Wer seinen Garten heute betritt, findet einen idyllischen und vor Leben strotzenden Ort vor, den der 45-Jährige von Hand geschaffen und in dem sich ein Mikrokosmos mit Vertretern unterschiedlicher Arten etabliert hat. Kleine Wildbienen tun sich am Faulbaum gütlich, eine Gartenwollbiene labt sich an verschiedenen Ziestarten. "So voll habe ich es hier vorher nicht erlebt", sagt Diller.
Sein Garten ist keine aufgeräumte Welt, und doch hat alles seinen Platz: Teich, Hochbeet, ein Steinrondell mit Bauschutt und Stauden, die Sandsteinpyramiden, Blühinseln, ein Sandarium zum Nisten für Wildbienen oder ein Haufen Steine, unter dem sich Blindschleichen verstecken – alles hat er liebevoll von Hand angelegt. "Man muss den Raum nur bieten, und man muss es wollen", sagt Diller, dem es auch darauf ankommt, mit seinem Garten Nachahmer zu finden. Vielen Menschen sei nicht bewusst, dass ein solches Insekten-Paradies von Jahr zu Jahr weniger statt mehr Pflegeaufwand bedeutet. "Ein Naturgarten ist etwas für Fauli-Schlümpfe." Dillers insektenfreundlicher Garten ist seine Leidenschaft geworden.
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