Drei Feiertage im Konfliktfeld von Kirche und Kürbis
Das Wochenende geht nahtlos in Reformationstag, Halloween und Allerheiligen über. Am Montag und Dienstag überschneiden sich drei Feiertage. Haben sie etwas miteinander zu tun - oder widersprechen sie sich gar?
Alle Jahre leuchten im Herbst ausgehöhlte Kürbisse in Schaufenstern, an Kindergärten und vor Privathäusern. Doch dies ist nur der Vorgeschmack auf den großen Schabernack: An Halloween ziehen Jungen und Mädchen verkleidet durch die Gassen, in Clubs und Hallen steigen wilde Partys, so auch an diesem Montag. Alle Jahre wieder wird deshalb Kritik laut.
Denn das aus den USA importierte Geschäft mit dem Schrecken tangiert zwei christliche Feiertage, wobei Allerheiligen mit etwas gutem Willen tatsächlich mit Halloween in Verbindung gebracht werden könnte, den Reformationstag stellen Kürbis & Co. aber geradezu auf den Kopf.
-
Reformationstag

Der Überlieferung nach hat der Augustinermönch und Theologieprofessor Martin Luther (1483-1546) am 31. Oktober des Jahres 1517 seine 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche genagelt. Gleichzeitig hat er sie in einem Brief dem Mainzer Erzbischof zugeschickt. Luther kritisierte darin etliche Missstände in der katholischen Kirche, vor allem den Ablasshandel und den ausschweifenden Lebenswandel etlicher Kleriker, die es quasi trieben wie an Halloween. Außerdem definierte Luther das Wesen des christlichen Glaubens in Gottes Gnadenzusage und in der Rechtfertigung durch Christus.
Erst im 19. Jahrhundert verfestigte sich der einheitliche Gedenktag 31.Oktober im Kalender. Reformation und Thesenanschlag sind aber nicht gleichzusetzen. Das Gedankengut breitete sich schon vor 1517 aus. Früh mündeten die Inhalte in unterschiedliche Glaubensordnungen. Mit den Anhängern Luthers, darunter die Reichsstadt Heilbronn, konkurrierten die zweier Schweizer: des Züricher Huldreych Zwingli (1484-1531) und des Genfer Johann Calvin (1509-1564).
-
Allerheiligen

Am ersten Tag des Monats feiern katholische Christen ihr Hochfest Allerheiligen, übrigens ein staatlicher Feiertag. Auf vielen Friedhöfen und in Kirchengemeinden finden Gedenkgottesdienste statt. Nicht nur Gläubige nehmen den Tag zum Anlass, Gräber ihrer Verwandten und Freunde zu besuchen. Im Vorfeld schmückten viele die Gräber ihrer Angehörigen mit Blumen, Kränzen sowie Kerzen und machten sie winterfest. Ursprünglich bekannte die Kirche an Allerheiligen , „dass es eine große Schar von Menschen gibt, deren Leben für immer und ewig geglückt ist“. Darunter sind die offiziellen Heiligen zu verstehen.
Für „Normalsterbliche“ wurde im 11. Jahrhundert der 2. November zum Allerseelentag erhoben. Weitere Gedenktage im Totenmonat: Am 9. November wird an die 1938 von den Nazis angestiftete Pogromnacht gegen Juden erinnert. Am dritten Sonntag im November wird beim staatlichen Volkstrauertag aller Opfer von Krieg und Gewalt gedacht. Der Totensonntag schließlich wird von evangelischen Christen immer am Sonntag vor dem 1. Advent begangen.
-
Halloween

Der Vorabend zu Allerheiligen wird als Halloween bezeichnet. Das Wort ist vom Englischen „All Hallows’ Eve“ abgeleitet. Da der Tag mit Allerheiligen verbunden war, wurde Halloween früher nur in katholischen Gebieten der britischen Inseln gefeiert, vor allem in Irland. Der Legende nach war ein gewisser Jack O’ Lantern durch eine List aus der Hölle entkommen. Als er aber in den Himmel kam, war die Tür verschlossen. Jack war verdammt, ewig zwischen Hölle und Himmel zu wandern – stets unterwegs mit einer Kerze in einer ausgehöhlten Rübe. Daher der Brauch, Kürbisse auszuhöhlen, ihnen Fratzen zu geben und zu beleuchten.
Irische Auswanderer brachten den Brauch im 19. Jahrhundert in die USA. Dort wurde das Spektakel bald zu einer Art Volksfest. Aus Nordamerika kam das Treiben durch US-Soldaten nach Europa zurück, wo es nun in noch stärker kommerzialisierter Form gefeiert wird. In Deutschland hat es sich inzwischen eingebürgert, dass sich Kinder verkleiden und von der Nachbarschaft „Süßes oder Saures“ einfordern. Zudem steigen in Clubs und Hallen Partys, die an Fasching erinnern.
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare