Diese Betriebe bieten übriges Essen per App an
Über die App Too good to go können Restaurants, Hotels und Geschäfte übrig gebliebene Lebensmittel verkaufen. Einige Betriebe in der Region nutzen das bereits. Wir haben uns umgehört, wie das Konzept ankommt.

Der Ladenschluss nähert sich, doch es sind noch Salate, Suppen und Backwaren da. Dieses Problem betrifft viele Restaurants, Hotels und Bäckereien. 1,7 Millionen Tonnen Essbares werfen Betriebe wie Restaurants jedes Jahr in Deutschland weg, das zeigt eine Studie des Bundeslandwirtschaftsministeriums.
Die App "Too good to go" aus Dänemark soll diese Menge reduzieren. Restaurants und Geschäfte geben dort an, wie viele Portionen Essen am Tag ungefähr übrig sind. Eine Portion soll höchstens die Hälfte des Originalpreises kosten, im Schnitt sind es 3,50 Euro. Nutzer sehen in der App, wer in der Nähe Essen anbietet, bezahlen digital und holen die Mahlzeit zu einer festgelegten Zeit ab. Wir haben drei Betriebe in der Region gefragt, wie das Konzept angenommen wird.
CAP-Markt, Abstatt: Ob Butter, Quark, Milch oder Brötchen vom Vortag - der CAP-Markt in Abstatt bietet übrig gebliebene Lebensmittel in der Filiale zum Selbstabholen an. Produkte, die vergangenes Jahr noch in die Mülltonne gewandert wären, gibt es stattdessen tütenweise für die Kunden zum halben Preis. "Egal ob Jung oder Alt, die Nachfrage ist groß", schildert Marktleiterin Melanie Ott ihre Erfahrungen. Prinzipiell bleibe nicht viel übrig.
Vergangenes Jahr hat Ott zufällig von der App Too good to go aus einer Zeitschrift erfahren. Sie war so begeistert, dass sie ihrem Chef davon erzählte. Und so nahm alles seinen Lauf. Die Tüten, die meist von den Mitarbeitern aus der Spätschicht nach Feierabend befüllt werden, besitzen laut Ott einen Wert von rund acht Euro und sind mit zwei Kartons Frischmilch, einer Packung Butter und Quark gefüllt. Verkauft wird die Mischung für 2,50 Euro.
Nicht nur beruflich, auch privat liegt Ott ein nachhaltiger Umgang mit Lebensmitteln am Herzen. "Die meisten Produkte sind noch lange nach dem offiziell angegebenen Mindesthaltbarkeitsdatum gut", betont die Marktleiterin. Sie sei ein großer Fan von der obligatorischen Resteverwertung und jemand, der zu Hause erstmal am Joghurt riecht, "bevor ich auf das Haltbarkeitsdatum schaue und der Becher womöglich zu früh im Müll landet".
Aktuell kann die Filiale in Abstatt Ott zufolge aber maximal eine Tüte pro Woche anbieten. "Selbst das ist schon viel." In Zeiten von Corona bleibe kaum etwas an Lebensmitteln übrig. "Die Menschen kaufen wesentlich mehr ein."
Mercure Hotel, Heilbronn: Die Hotelkette beteiligt sich deutschlandweit an der Too good to go-App. Seit Frühjahr 2019 macht das Mercure Hotel am Platz am Bollwerksturm in Heilbronn mit seinem Restaurant "La Girafe" mit. Die stellvertretende Direktorin Annette Koeberlin zieht nach einem Jahr positive Bilanz: "Es funktioniert in alle Richtungen sehr gut, sowohl bei der Buchung und Abholung als auch bei der Rückzahlung." Die Nachfrage nach dem Frühstücksangebot liege bei hundert Prozent, beim Mittagessen zwischen 60 und 70 Prozent.
Annette Koeberlin hat die Erfahrung gemacht, dass vor allem junge Menschen wie Studenten oder solche mittleren Alters - zwischen 30 und 40 Jahren - das Angebot in Anspruch nehmen. "Gerade die jungen Leute freuen sich, wenn sie für weniger Geld ein komplettes Frühstück bekommen."
Eine solche Portion kann im Übrigen recht großzügig ausfallen, kann beispielsweise aus Wurst, Käse, hartgekochten Eiern, einer gefüllten Brötchentüte, Obst und Butter bestehen - und das alles für 3,20 Euro. Weil das Restaurant wegen der Corona-Krisensituation geschlossen hat, bietet das Mercure in der App derzeit jedoch nichts an.
Bäckerei Härdtner, Neckarsulm: Die Härdtner-Bäckerei hat sich im Januar entschieden, Backwaren und Snacks am Ende des Tages über Too good to go abzugeben. "Zwei Mitarbeiter und Kunden kamen auf uns zu und daraufhin haben wir Gespräche geführt", erklärt Pressesprecherin Simone Hartmann. Die Idee der App sei überzeugend gewesen. Seit Anfang März bieten sechs Filialen in Heilbronn, Neckarsulm, Offenau und Mosbach testweise übrige Ware über die App an. "Wir waren sehr überrascht, mit welchem durchschlagenden Erfolg wir gestartet sind", sagt Hartmann. Die Kunden würden das Angebot gut annehmen, oft seien Portionen für den nächsten Tag noch am selben Abend ausverkauft.
Betriebe in der Region
Laut Unternehmenssprecherin Victoria Prillmann sind 32 Betriebe in der Region in der App von Too good to go gelistet. In Heilbronn nehmen 15 Betriebe teil, im Landkreis Heilbronn sind es 17. Im Hohenlohekreis ist es bisher noch keiner. Insgesamt konnten dadurch demnach 8700 Portionen Essen vor der Mülltonne gerettet werden. Dabei seien in etwa 21,7 Tonnen CO2-Äquivalente eingespart worden. Insgesamt nehmen in Deutschland 4000 Läden in 910 Städten teil.
Derzeit pausiert das Angebot wegen der Corona-Krise. Nach Ostern sollen mehr Filialen die Reste-Abholung anbieten. "Es landen wirklich nur übrig gebliebene Produkte in der Tüte, es wird nichts extra produziert", versichert Hartmann. Falls alles verkauft wird, könne man die Abholung mit zwei Stunden Vorlauf stornieren. "Wir können ja eigentlich froh sein, wenn das passiert, dann haben wir gut geplant."
Meist würden Salate, zubereitete Snacks und Brötchen in der Tüte von Too good to go landen. Das variiere jedoch je nach Standort und Wochentag, erklärt Hartmann. Die App trage in jedem Fall dazu bei, dass in den teilnehmenden Filialen weniger weggeworfen wird. "Davon gehe ich aus", sagt Hartmann. In anderen Filialen würden übrige Backwaren an die Tafeln abgegeben, am nächsten Tag verkauft oder zu anderen Produkten wie Sauerteig und Streuseln verarbeitet. Der letzte Schritt sei die Biogasanlage.
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