Die regionale Gigabit-Allianz ist zerbrochen

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Beim Breitband-Ausbau zieht Heilbronn-Franken nicht mehr an einem Strang. Der Main-Tauber-Kreis und Landkreis Schwäbisch Hall haben sich zurückgezogen. Bei der IHK ist die Enttäuschung groß.

Für das schnelle Internet hatten IHK und WHF eine Allianz der Landkreise in Heilbronn-Franken angestrebt. Dazu kommt es nun aber nicht.
Foto: BAcho Foto/stock.adobe.com
Für das schnelle Internet hatten IHK und WHF eine Allianz der Landkreise in Heilbronn-Franken angestrebt. Dazu kommt es nun aber nicht. Foto: BAcho Foto/stock.adobe.com  Foto: BAcho Foto/stock.adobe.com

Es soll der große Internet-Beschleuniger werden, der eine schnelle Datenleitung auch noch an der letzten Milchkanne möglich macht. Doch steht hinter der Gigabit-Allianz wieder ein Fragezeichen. Das Projekt, das von der IHK Heilbronn-Franken 2019 angeschoben und von den Landkreisen und der WHF unterstützt wurde, ist geschrumpft. Der Main-Tauber-Kreis und der Landkreis Schwäbisch Hall haben sich aus dem Projekt weitgehend zurückgezogen. Das bestätigten Sprecher beider Institutionen.

TBB: Anderes Unternehmen kommt zum Zug

"Bereits vor dem Start des Verfahrens stand der Main-Tauber-Kreis in Kontakt mit einem Unternehmen, welches den Landkreis eigenwirtschaftlich ausbauen wollte", berichtet Aylin Wahl, Medienreferentin beim Main-Tauber-Kreis. "Aus diesem Grund bestand innerhalb unseres Landkreises Einigkeit darüber, vorerst keine regionale Ausbauplanung durch die Deutsche Giganetz GmbH für den Main-Tauber-Kreis vorzunehmen." Jene Firma hatte den Auftrag von der WHF für die regionale Gigabit-Initiative erhalten.

"Der Main-Tauber-Kreis war bereits weiter vorangeschritten als die anderen Gebietskörperschaften in der Region", erläutert Wahl. Zudem wollten die Taubertäler eine flächendeckende, eigenwirtschaftlich finanzierte Glasfaserversorgung haben. "Nachdem uns diese lediglich die Breitbandversorgung Deutschland GmbH zusagte, haben wir unseren eingeschlagenen Weg weiterhin konsequent verfolgt."

SHA: Andere Kooperation hat sich ergeben

Beim Landkreis Schwäbisch Hall teilt Sprecherin Jutta Weise mit: "Der Landkreis ist nicht grundsätzlich aus der Gigabit-Allianz ausgestiegen. Wir halten den gemeinsamen Ansatz nach wir vor für richtig." Den Jahresbeitrag für dieses und nächstes Jahr werde daher auch noch an das Gigabitkompetenzzentrum entrichtet. Allerdings habe sich für den Landkreis eine Kooperation mit dem Netzbetreiber NetCom BW ergeben, berichtet Jutta Weise.


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"Dadurch ist aus unserer Sicht der Bedarf bei den weißen, grauen und schwarzen Flecken abgedeckt. Im Frühjahr werden überall die Bagger rollen. Die grauen Flecken werden gerade konzeptioniert und ab Frühjahr zur Förderung angemeldet." Es bleibe natürlich jeder Kommune freigestellt, auch mit Giganetz zu kooperieren.

WHF: Kommunen entscheiden

Das bestätigt auch WHF-Geschäftsführer Andreas Schumm. "Wir verfolgen das Ziel, möglichst viele Kommunen vom gemeinsamen Vorgehen zu überzeugen. Jedoch obliegt die Entscheidung, ob dieses Angebot weiterverfolgt wird, den einzelnen Kommunen." Immerhin seien durch die Aktivitäten der WHF auch andere Telekommunikationsanbieter auf die Region aufmerksam geworden - "was dem grundsätzlichen Ziel, den Glasfaserausbau in der Region voranzutreiben, nicht entgegensteht". 20 Kommunen in der Region hätten inzwischen die Vorvermarktungsphase gestartet, teilweise sogar bereits abgeschlossen, so dass dort im neuen Jahr sukzessive mit den Bauarbeiten begonnen wird. Im Januar und Februar werden weitere Kommunen die Vorvermarktung starten, kündigt Schumm an. "Damit befindet sich das Projekt im Zeitrahmen."

Ex-IHK-Präsident enttäuscht

"Das ist für mich ein trauriges Kapitel", meint hingegen der frühere IHK-Präsident Harald Unkelbach. Die Kammer hatte - auf seine Initiative hin - das Projekt zwar angestoßen, durfte aber aus rechtlichen Gründen nicht selbst tätig werden. Stattdessen musste die WHF die Umsetzung organisieren.


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"Ich bedauere, dass diese Einheit nicht gelungen ist", sagt Unkelbach nun. Nach Unterzeichnung der Absichtserklärung, wonach die vier Landkreise und die Stadt Heilbronn zusammenarbeiten wollten, und nachdem schon Investoren ausgewählt waren, seien nun die beiden Landkreise im Osten der Region quasi ausgestiegen. "Ich bedauere das und hoffe, dass jetzt nicht viele Gemeinden weiße Flecken bleiben", sagt Unkelbach.

Projekt-Geschichte
Ende 2018 hatte die IHK-Vollversammlung erstmals eine Gigabit-Allianz gefordert. Mitte 2019 stand dann fest, dass die WHF die Führung der Initiative übernimmt, die sich am Stuttgarter Vorbild orientiert. Vor einem Jahr startete schließlich die sogenannte Markterkundung - sieben Anbieter meldeten sich, die Deutsche Giganetz GmbH erhielt den Zuschlag.

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