Die Kraichgaubahn war oft totgesagt, heute ist sie unverzichtbar

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Am 15. Oktober 1879, heute vor 140 Jahren, weihte Großherzog Friedrich den badischen Teil der Kraichgaubahn ein. Ein Jahr später war die Strecke Karlsruhe-Eppingen-Heilbronn durchgehend befahrbar. Hinter der Route liegt eine wechselvolle Geschichte.


 

Am 15. Oktober 1879, heute vor 140 Jahren, startete Großherzog Friedrich zu fürstlicher Fahrt und weihte den badischen Teil der Kraichgaubahn ein. Ein Jahr später war die Strecke Karlsruhe-Eppingen-Heilbronn durchgehend befahrbar. Mehr als einmal von der Stilllegung bedroht, Anfang der 90er-Jahre Schauplatz einer Weltpremiere im Schienenverkehr, ist die Strecke heute eine der Hauptachsen im Nahverkehr der Region.

Dank für "ein Füllhorn von Güte"

"Königliche Hoheit haben das Füllhorn von Güte und Wohlwollen über unsere gute Stadt ausgegossen." So überschwänglich begrüßte Eppingens Bürgermeister Paul Bentel am 15. Oktober 1879 den Großherzog in der Kraichgaustadt. Friedrich I. war zur Eröffnung der neuen Strecke von Karlsruhe gekommen - standesgemäß im Salonwagen, während in der dritten Klasse Mitarbeiter der Baufirma saßen, die den Schienenstrang in etwas mehr als zwei Jahren montiert hatten.

Eppingen hatte sich herausgeputzt. "Alles feierte", schrieb der örtliche Volksbote, "das Städtchen war entsprechend geschmückt."

Neues Buch über lokale Bahngeschichte

In Archiven aufgestöbert und festgehalten hat diese Passagen der Eppinger Ulrich Merz. Sein Buch mit dem Titel "Eppinger Eisenbahngeschichte(n)" ist vor kurzem in einer Reihe der Heimatfreunde erschienen. Dem Kraichgauer Bahnzeitalter war "ein langer Kampf" vorausgegangen, wie Merz im Vorwort schreibt. "Kraichgaubahn" - das ist heute landläufig die Bezeichnung für die gesamten knapp 65 Kilometer von Karlsruhe-Grötzingen über Bretten und Eppingen nach Heilbronn. Im 19. Jahrhundert war es ein internationales Projekt, Einzelheiten wurden in einem Staatsvertrag geklärt. Der westliche Teil lag im Großherzogtum Baden, der östliche im Königreich Württemberg. Der Wille zur Zusammenarbeit über Grenzen hinweg war begrenzt.

 

 

Grenzlage macht Schwierigkeiten

So hatte ein badischer Offizieller noch 1846 notiert, es werde "nie und nimmer ein badischer Wagen auf der württembergischen Eisenbahn fahren, da die größte Verwirrung und viel Unglück dadurch entstehen könnte". Es kam anders. Am 7. August 1880 war der Lückenschluss auf württembergischer Seite zwischen Schwaigern und Eppingen geschafft, die Züge fuhren durchgängig zwischen der badischen Residenz und dem Wirtschaftszentrum am Neckar. Die Bahn brachte auch mit sich, dass die Uhren endlich im Gleichschritt liefen. Zuvor hatten sich Stuttgarter und Karlsruher Zeit um drei Minuten unterschieden. Erst 1892 einigte man sich auf eine gemeinsame - die "Eisenbahnzeit".

Die Bahnzeit im Kraichgau hatte holprig begonnen, sie ging mit Höhen und Tiefen weiter. Fahrgastzahlen schwankten. Zwischenzeitlich befuhren aber sogar internationale Züge wie der Paris-Karlsbad-Express die Strecke, die viel später "zweimal kurz vor der Stilllegung stand", wie Buchautor Ulrich Merz berichtet. In den 70er-Jahren, jeder Zweite hatte mittlerweile ein Auto, stand die Kraichgaubahn auf der Streichliste unrentabler Nebenäste. Gegen die Schließung gab es heftige Proteste und Sonderzüge unter dem Motto "Eppingen fliegt aus, rettet die Bahn". Die nächste Krise warf Mitte der 80er-Jahre die Sinnfrage auf.

Stadtbahn-Modell macht international Furore

Dann kam die Stadtbahn. Dieter Ludwig, ehemaliger Geschäftsführer der Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG), gilt als Vater des Karlsruher Modells, das international Furore machte. Zweisystem-Züge fahren in Ballungsräumen als Stadtbahnen unter 750-Volt-Leitungen, auf Eisenbahnstrecken sind sie mit 15.000 Volt unterwegs. Weltpremiere hatten die neuen Fahrzeuge am 25. September 1992 zwischen Karlsruhe und Bretten. Eppingen war 1997 am Zug, von 1999 an ging es weiter bis Heilbronn, später bis Öhringen.

Für den früheren Brettener Oberbürgermeister Paul Metzger war die Stadtbahn "das erfolgreichste ÖPNV-Projekt Deutschlands", bis heute gilt sie als Erfolgsmodell. Gleichwohl gibt es immer wieder Beschwerden über Verspätungen und Zugausfälle. Ein Grund: Die Strecke ist in weiten Teilen eingleisig.

Im 19. Jahrhundert gab es das zweite Gleise fast durchgängig. Später wurde es ausgebaut, jetzt soll es auf einem Abschnitt bei Leingarten wieder her. So steht die Kraichgaubahn auch exemplarisch für das Auf und Ab des Verkehrsmittels Bahn in der öffentlichen Wertschätzung.

 
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