Die Bergretter: Wie Winzer Steillagen erhalten
Sie wollen nicht auf staatliche Stützen bauen. Inzwischen gibt es einige berufsständische Projekte zur Rettung der Terrassenweinberge, vor allem an Neckar und Enz, drei Beispiele.

Das Württemberger Weinbergwerk ist ein Gemeinschaftsprojekt der Lauffener Weingärtner, der Felsengartenkellerei Besigheim, zu der auch Wengerter aus Neckarwestheim und Ilsfeld gehören, und der Lembergerland-Kellerei Rosswag.
Die drei Genossenschaften vereinen Weine aus den vier Top-Steillagen Besigheimer Wurmberg, Lauffener Katzenbeißer, Mundelsheimer Käsberg und Rosswager Halde zu drei modernen Cuvées. Kostenpunkt: neun bis 36 Euro pro Flasche. Das Weinbergwerk will damit zeigen, welche qualitativen Möglichkeiten terrassierte Steillagen bieten.
Felsengärten in Hessigheim
Der Hessigheimer Privatier Dr. Herbert Müller hat bereits 2014 das Consortium Montis Casei gegründet, eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts mit neun Gesellschaftern. CMC kauft Weinberge auf, die es von der "exNicrum Weinmanufaktur" bewirtschaften lässt. Die Trauben werden im Weingut Faschian von Fabian Alber hochwertig ausgebaut. Alber betreibt auch eine Vinothek und ein Hotel. Herbert Müller will dieses Modell nun auf eine breitere Basis stellen, 20 Kapitelgeber stünden bereit, allein an kooperationswilligen Winzern oder gar Genossenschaften mangele es.
Initiative im Rosswag
Bei der Lembergerland-Kellerei Rosswag kann man die Patenschaft für eine Terrasse übernehmen. Der Pate gibt jeden Tag einen Euro, also 365 Euro im Jahr, und bekommt dafür "einen Korb voll Weinkultur", heißt es: ein Namensschild im Wengert, ein Zertifikat mit GPS-Koordinaten, zudem wird er zu digitalen Weinstammtischen geladen, wo viele Hintergrundinfos serviert werden. Im Herbst gibt es eine Weinbergführung und die Möglichkeit, bei der Lese mitzumachen. Jeder Pate erhält außerdem als eine Art Naturaldividende vier Sechser-Wein-Pakete pro Jahr, zudem kann er eine Steillagen-Cuvée erwerben oder andere exklusive Abfüllungen.
Im Gegenzug achten die Wengerter besonders auf die Biodiversität im Weinberg, Herbizide und Insektizide sind tabu. Nach und nach wird der Rebbestand durch robuste Reben ersetzt, die kaum gespritzt werden müssen. Nicht zuletzt werden die Trockenmauern in Schuss gehalten. Über dieses Modell bekommen die Wengerter von der Kellerei mehr Geld für ihre Trauben und obendrein zusätzlich bis zu 150 Euro für ihren Mehraufwand in den Terrassen.
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