Deutschklausur an Realschulen war zu bewältigen
Auch an den Realschulen stand am Mittwoch das Fach Deutsch auf dem Prüfungsplan. Die coronabedingten Einschränkungen hielten sich in Grenzen. Beliebt war der Aufsatz zu "Der Richter und sein Henker".

Mittwoch, 11.40 Uhr. Das Schulhofrund der Mörike-Realschule umrahmen ein paar Bänke, darauf verteilt sitzt eine Handvoll Schüler - sind die etwa schon mit der Deutschklausur fertig? Nein, zu jung. "Das sind die fünf Kinder, die heute in der Notbetreuung waren", klärt Uwe Kohls auf. Der Musiklehrer ist mit seinen Schützlingen aus dem fünften bis siebten Schuljahr ins Freie geflüchtet: "Im Klassenzimmer ist es sehr stickig", sagt er. "Pscht", ruft er nun ein paar Jungen zu und deutet auf offene Fenster über dem Schuleingang: "Seid ruhig. Da oben wird noch geschrieben."
Die meisten streben eilig davon
Doch da kommen schon die ersten Zehntklässler, erst einzeln, dann grüppchenweise. Noch mit der Maske über Mund und Nase verlassen sie das Gebäude. Ruhig sind sie, die meisten streben eilig davon: "Mein Bus kommt, den will ich nicht verpassen", das ist dringender als ein Gespräch. Oder die Mutter holt ab und wartet schon. Mehr Zeit haben Schüler, die rechtzeitig fertig wurden. Anastasia zum Beispiel: "Mir tut jetzt das Handgelenk weh, aber ich bin zufrieden", sagt die 17-Jährige. Spontan hat sie sich für das "produktive Schreiben" über die Lektüre "Der Richter und sein Henker" entschieden.
Zufriedenheit trotz schmerzendem Handgelenk
Ebenso Leonie. "Das ist sehr gut gelaufen. Die Aufgabe war verständlich erklärt. Man konnte sie sehr gut bearbeiten, wenn man das Buch gelesen hatte." Zu einem Auszug aus dem vorletzten Kapitel des komplexen Dürrenmatt-Krimis, in dem der ermittelnde Kommissar Hans Bärlach den Mörder mit seiner Tat konfrontiert, war ein Tagebucheintrag über den bisherigen Verlauf der Ermittlungen zu schreiben. "Wir sind gut vorbereitet worden", findet Leonie - trotz Corona: "Ich fühle mich nicht benachteiligt." Allerdings fällt die Feier in der Harmonie dieses Jahr flach. Leonie freut sich aber auf ein Abschluss-Picknick mit ihrer Klasse: "Natürlich mit Abstand."
Die Feiern werden wohl flachfallen
Eher mittelmäßig ist die Prüfung bei den Shuajb (16), Mark (15) und Justin (15) gelaufen, obwohl auch sie sich trotz Corona gut vorbereitet gefühlt haben. Justin schätzt sich selbst aber als "allgemein nicht so gut in Deutsch" ein. Die Stimmung bei den Jungs wirkt gedämpft. "Feiern geht ja auch nicht", Justin klingt enttäuscht.
Zu entspannt durch Corona-Ferien?
Fotografieren lassen wollen sich die drei nicht, ebenso wenig wie Florentina (15), Eda (16) und Celina (15), die kurz nach ihnen aus dem Gebäude kommen und sich erst einmal den Mund-Nasen-Schutz abziehen. "Zu wenig Zeit", ist ihr Tenor zur Klausur. Eda ist "immer noch nervös", Florentina fand es "nicht so prickelnd". Dabei war sie, unterstützt von Nachhilfe, eigentlich gut auf die ausgewählte Gedichtinterpretation vorbereitet. Celina wusste bei der Klausur zum Dürrenmatt-Thema erstmal "nicht, wie ich beginnen sollte". Sie hätte sich gewünscht, wenn man die Themen vom Jahresanfang noch mal wiederholt hätte. Durch die "Corona-Ferien" sei man nicht so fokussiert gewesen, zu entspannt, fürchtet sie. Dass sie am Ende feiern werden, hoffen die Mädchen dennoch: "Aber privat".
Präsenzunterricht ist auch bei guter Fernbetreuung besser
51 Realschüler haben in Weinsberg den ersten Prüfungstag hinter sich gebracht. Lucija Anusic (17) und Hanna Wirth (16) sind zwei davon und atmen tief durch. "Es war machbar", finden sie. Dass sie coronabedingt weniger Zeit zur Vorbereitung in der Schule hatten, finden sie nicht so schlimm. Ebenfalls coronabedingt gab es ja ab Anfang Mai Unterricht in Kleingruppen. "Das war ein guter Ausgleich für den Nachteil", sagt Hanna. Der Nachteil liegt im Unterschied: "Es ist halt was anderes, ob der Lehrer einem digital etwas erklärt oder ob er persönlich vor einem steht." Wobei sich die Mädchen von den Lehrern der Weibertreuschule gut fernbetreut fühlten.
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