Der Wald verkommt zur Müllkippe

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Sie sind ein echtes Ärgernis und schädigen die Umwelt: wilde Müllablagerungen. Vor allem große Mengen Bauschutt beschäftigen Forstleute und Polizei. In Bretzfeld wurden sogar Eternitplatten in den Wald gekippt.

Entlegene Plätze, die mit Fahrzeugen gut erreichbar sind, dienen einigen Menschen wie auf diesem Themenfoto als Abladestelle.
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Entlegene Plätze, die mit Fahrzeugen gut erreichbar sind, dienen einigen Menschen wie auf diesem Themenfoto als Abladestelle. Foto: dpa  Foto: Uwe Zucchi

Der Müll passe oft nicht mal auf einen Pkw-Anhänger, sagt Helmar Binder, stellvertretender Leiter des Forstbezirks Unterland in Eppingen. Die in den Wäldern illegal abgeladenen Abfälle erreichen nie gekannte Dimensionen. Besonders problematisch sind große Mengen Bauschutt.

"Es passiert oft über Nacht", meint Rüdiger Staib, stellvertretender Forstamtsleiter im Hohenlohekreis. Vor Kurzem seien in Bretzfeld Eternitplatten im Wald entdeckt worden. Sondermüll, bei dem die Entsorger normalerweise Schutzanzüge und Mundschutz tragen. Der Besitzer des Privatwaldes musste das Material auf eigene Kosten wegschaffen. "Zusammen mit dem Bauschutt waren es zwei Container voll", sagt Staib. In solchen Fällen entstünden schnell Kosten im niedrigen vierstelligen Eurobereich.

Verursacher gehen planmäßig vor

Wilder Müll gibt es Staib zufolge schon immer. "Dieses planmäßige Vorgehen hat in vergangenen zehn, 15 Jahren zugenommen." Die Vergehen scheinen mancherorts Überhand zu nehmen. Von Hausmüll über Autoreifen bis zu Bauschutt werde alles Mögliche an Unrat in die Wälder geworfen, schreibt das Polizeipräsidium Heilbronn in einer Pressemitteilung. Selbst vor Schutzgebieten machten die Umweltsünder nicht Halt. Insbesondere Müll, der bei Hausrenovierungen anfalle, werde vermehrt gefunden.


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Meinung: Das Verhalten von Müllsündern ist inakzeptabel


"Wir brauchen zum Teil Bagger", sagt Helmar Binder, um den Dreck zu verladen und wegzubringen. Außer Bauschutt landen Farbeimer und alte Heizkessel im Wald. Der Forstbezirk Unterland zeigt jeden Vorfall bei der Polizei an. Bisher sei noch kein Täter ausfindig gemacht worden. In der Pandemie nehmen die Verstöße zu, macht Binder die Erfahrung. "Vermutlich renovieren die Leute zu Hause mehr."

Das Polizeipräsidium hat beinahe täglich mit wilden Müllablagerungen zu tun - auf Äckern, Gartengrundstücken, in Schrebergärten, sagt Vesna Pitters, Sprecherin des Präsidiums. Handelt es sich um Hausrat, finden die Behörden ab und zu eine Adresse und kommen so dem Verursacher auf die Spur. Beim Bauschutt finden sich so gut wie nie Hinweise auf die Täter.

"Es ist ein asoziales Verhalten", findet Tobias Traber deutliche Worte. Jeder wisse, dass Bauschutt, Ölfässer oder Kühlschränke nicht in den Wald gehörten. Der stellvertretende Leiter des Forstamts im Heilbronner Landratsamt ist erst seit wenigen Wochen dort beschäftigt. Zuvor sei er in Göppingen tätig gewesen. Auch dort sei das Phänomen bekannt. Schutt wird an Waldparkplätzen abgeladen oder über die Klinge den Abhang hinuntergeschüttet.

0,5 Kubikmeter Abfälle kosten 20 Euro

Der Recyclinghof auf der Deponie Vogelsang in Heilbronn nimmt Müll in haushaltsüblichen Mengen an. Bürger zahlen pauschal 20 Euro für bis zu 0,5 Kubikmeter mineralische Abfälle wie Steine, Fliesen, Keramik, Waschbecken oder Toilettenschüsseln. Baufirmen oder private Entsorgungsunternehmen, die große Mengen in Lkw anliefern, müssen ihre Fracht zuvor anmelden. Der Abfall wird einem Analyseverfahren unterzogen.

Die Polizei vermutet, dass in den Fällen der wilden Müllablagerungen Unbekannte privaten Bauherren anbieten, die Entsorgung kostengünstig zu übernehmen, und werfen die Steinbrocken und Trümmerteile dann einfach in die Natur.

Der Dreck schädigt Tiere und Pflanzen. Schadstoffe gelangen ins Grundwasser. "Wir wissen ja nicht, welche Stoffe genau in dem Abfall sind", sagt Binder. Das gilt auch für Grünabfälle. Manche Gartenbesitzer denken sich nichts dabei, wenn sie die im Wald entsorgen, vermuten Forstleute. Mit dem Grünschnitt gelangten jedoch Samen, Pilze, Bakterien und invasive Arten wie das indische Springkraut in die Wälder, sagt Traber. "Sie verdrängen heimische Arten. Der Supergau." Weil auch die Tierwelt von deren Fortbestand abhängt.

Alte Kacheln dienen zur Wegebefestigung

Rüdiger Staib stellt immer wieder fest, dass private Waldbesitzer alte Kacheln oder sonstigen Schutt zum Befestigen von Wegen verwenden. "Das darf man nicht." Das gebrannte und glasierte Material nimmt keine Feuchtigkeit auf. Er weist darauf hin, dass auch ein Waldbesitzer in seinem Gelände nicht machen dürfe, was er wolle.

Staib erinnert sich an einen weiteren Fall jüngst in Bretzfeld. Strohballen von einem Feld seien mitten im Wald abgelegt worden. "Die Ballen waren innen nass geworden." Der Landwirt hatte wohl keine Verwendung mehr für sie. Die eineinhalb Meter hohen Ballen verdunkelten die Flora. Mehr Nährstoffe als der Wald benötigt, gelangten ins Erdreich.

Ordnungswidrigkeit oder Straftat

Wer Hausmüll unerlaubt in die Landschaft wirft, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Eine Straftat ist es, gefährliche Stoffe wie Asbest oder behandeltes Altholz abzulegen. Die Fälle gehen an die Staatsanwaltschaft, sagt Corinna Heppe, Sprecherin des Heilbronner Polizeipräsidiums.

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