Der Trollinger Marathon findet in diesem Jahr ohne Langstrecke statt
Beim 20. Heilbronner Trollinger stehen nur Halbmarathon und 10-Kilometer-Lauf zur Wahl. Die Gründe? Laut Veranstalter die Zahl der Anmeldungen und der große Aufwand.

Marathon - schon der Name ist Legende. Die Geschichte der Schlacht von Marathon sowieso. 490 vor Christus soll ein griechischer Laufbote nach dem Sieg der Athener über die Perser den rund 40 Kilometer langen Weg bis Athen zurückgelaufen sein, um die frohe Botschaft zu überbringen. Nach dem Ausruf "Wir haben gesiegt", brach der Bote tot zusammen, so die Überlieferung. Bis heute trägt die längste olympische Laufdisziplin den Namen Marathon.
In Heilbronn werden Läufer und Zuschauer in diesem Jahr allerdings auf den Klassiker mit der exakt 42,195 Kilometer langen Laufstrecke verzichten müssen. "Uns blieb keine andere Entscheidung", sagt Steffen Schoch. Mitte Januar hatte der Geschäftsführer der ausrichtenden Heilbronn Marketing GmbH allerdings noch angekündigt, dass der Lauf stattfinden kann.
Fehlende Helfer
Die Gründe für die Absage der Langstrecke, die Anfang März verkündet wurde, seien vielfältig. Fehlende Helfer, Unabwägbarkeiten durch die Pandemie und finanzielle Gründe nennt Schoch. Auch sei die Zahl der Anmeldungen für den Marathon mit 221 (Stand Anfang März) deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. "Bei perspektivisch 300 bis 400 Marathonläufern steht es in keinem Verhältnis, die Laufstrecken über Stunden zu sperren und Ordnungs- und Rettungskräfte zu binden", rechtfertigt Schoch die Entscheidung.
Ein Blick auf die Starterlisten der Vorjahre zeigt, dass die Teilnehmerzahlen kontinuierlich gesunken sind. Von 1114 Läufern, die noch das Ziel im ersten Jahr 2001 erreichten, bis 501 (2018) und 547 im Jahr 2019. Bei den Halbmarathonläufern lag der Rekord mit 4734 Finishern im Jahr 2010. Beim bisher letzten "Trolli" erreichten noch 3793 "Halbmarathonis" das Ziel im Frankenstadion.
Auch die Alternative, die Halbmarathonstrecke zwei Mal zu laufen, habe man geprüft, genauso wie eine Verlegung der Strecke. "Die Pläne haben aber zeitlich nicht gepasst", unterstreicht Schoch.
Hoffen auf das nächste Jahr
Während die Streichung der Marathonstrecke Heilbronn, Flein und Talheim kaum trifft, fällt für die Nachbargemeinden Lauffen und Brackenheim das Gesamtereignis ins Wasser (siehe Karte am Textende). "Damit muss man sich abfinden. Das akzeptieren wir auch", sagt der Lauffener Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger. Die Rekrutierung der Freiwilligen habe sich nach der zweijährigen Pause tatsächlich als schwierig herausgestellt. "Wir hoffen, dass im nächsten Jahr alles wieder ins Laufen kommt", sagt Waldenberger.
Das hofft auch Axel Kunzmann, der sich am 8. Mai auf seinen 20. Trollinger-Marathon gefreut hatte. "Für mich ist das schon sehr schade. Ich weiß noch, wie ich mit gefreut hatte, als erstmals bekannt wurde, dass in Heilbronn ein Marathon stattfindet", betont der 63-Jährige, der seither jeden Trolli absolviert hat. "Der Name hat schon den Mythos Trollinger geprägt", betont der Heilbronner, der auch Ultramarathons absolviert.
Verständnis für Absage
Für die Absage der Langstrecke hat er dennoch Verständnis. Zu Glanzzeiten seien zahlreiche verkleidete Läufer unterwegs gewesen, hätten überall Musikkapellen gespielt. "In Flein war immer die Hölle los, aber das drumherum ist weniger geworden wie die Läufer", sagt Kunzmann. Er hofft jetzt auf seinen Jubiläumslauf im kommenden Jahr.
Darauf setzt auch Petra Ohrmundt aus Weinheim an der Bergstraße. "Eigentlich wollte ich zum Jubiläum unbedingt den Marathon laufen", sagt sie lachend. 14 Marathons und fünf Halbmarathons hat die 56-Jährige in Heilbronn absolviert. Den ersten langen Trolli lief sie mit ihrem Freund am 35. Geburtstag 2001. "Wir hatten unterwegs etwas Wein getrunken und kamen unter fünf Stunden beseelt ins Ziel", erinnert sie sich und betont: "Ich bleib dem Trolli treu und werde am 8. Mai Halbmarathon laufen".



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