Stimme+
Defibrillator-Spende

Mann aus Kochersteinsfeld rettet sich sozusagen selbst das Leben

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Rainer Schwab aus Hardthausen-Kochersteinsfeld beschaffte vor zehn Jahren einen Defibrillator für die Helfer vor Ort. Notfallsanitäter Daniel Müller reanimierte nun ausgerechnet ihn damit.

Sanitäter Daniel Müller rettete Rainer Schwab unter Einsatz eines Defibrillators das Leben − dessen Anschaffung Schwab selbst veranlasst hatte.
Foto: Adrian Hoffmann
Sanitäter Daniel Müller rettete Rainer Schwab unter Einsatz eines Defibrillators das Leben − dessen Anschaffung Schwab selbst veranlasst hatte. Foto: Adrian Hoffmann  Foto: Hoffmann, Adrian

Es ist kaum zu glauben: Rainer Schwab aus Hardthausen-Kochersteinsfeld hat sich sozusagen selbst das Leben gerettet. Als früherer Vorstand der Volksbank Möckmühl hatte der 63-Jährige vor zehn Jahren eine Defibrillator-Spende an Notfallsanitäter Daniel Müller veranlasst, der ebenfalls in Kochersteinsfeld wohnt. Die medizinische Versorgung im ländlichen Raum sollte gestärkt werden. Mit genau diesem Defi hat ihn Müller nun wiederbelebt.

Schwab trägt angesichts dieses Zufalls auffällig heute häufig ein Lächeln im Gesicht. Vor zehn Jahren war es, als sich die Landfrauen bei Schwabs zuhause getroffen hatten. Eine Frau war kollabiert. Die Sanitäter damals hatten keinen Defi zur Verfügung, er musste erst geholt werden. Schwab dachte sich: Das kann es nicht sein. Und jetzt - erwischt es ihn selbst. "Ich war definitiv auf der anderen Seite vom Fluss", blickt Schwab zurück. Dass er noch lebt und alles ist wie zuvor, kann er manchmal selbst nicht begreifen.

Rainer Schwab klappt aus heiterem Himmel zusammen

Vor einigen Wochen passiert es. Er erleidet einen Herz-Kreislaufstillstand. Mit einem Freund ist er von Vereinsabend des Chors zu Fuß nach Hause unterwegs, als er zusammenklappt. Sein Vereinsfreund Marc Zendler verständigt sofort den Notruf. Zeitgleich bekommt Daniel Müller über das ehrenamtliche "Helfer vor Ort"-System (HvO) die Einsatzinfo, dass es ein paar Hundert Meter entfernt von ihm einen Notfall gibt. Müller ist HvO-Projektleiter für den DRK-Kreisverband Heilbronn. Er eilt an Ort und Stelle. "Ich habe keine Minute gebraucht."

Der Herr an der Notrufnummer sei ihm "mit seiner ruhigen Art" eine wichtige Hilfe gewesen, berichtet Zendler. Unter telefonischer Anleitung habe er mit einer Herzdruckmassage begonnen, berichtet Zendler. Als Sanitäter Müller eintrifft, weiß er nicht, wen er vor sich liegen hat. In Kochersteinsfeld kennt man sich, aber es ist 21.15 Uhr und stockdunkel. Es regnet. Müller stellt das Auto quer, leuchtet die Straße aus. Er setzt den Defibrillator an, einmal habe dieser geschockt. Dann intubiert er Schwab und beatmet ihn. Vom Notruf bis zum Eintreffen des Rettungswagens vergehen elf Minuten. "Da haben wir ihn schon wieder gehabt", sagt Müller.

Überlebenschance sinkt mit jeder Minute

Das Handeln von Müller und Ersthelfer Marc Zendler in diesen Minuten retten Schwab mutmaßlich das Leben. "Die Überlebenschance sinkt mit jeder Minute, in der nichts getan wird, um zehn Prozent", erklärt Müller. Spätestens nach fünf Minuten erleidet das Hirn irreparable Schäden. In diesem Fall habe aber alles gepasst, von Anfang bis Ende. Zwei Tage liegt Schwab im Krankenhaus am Plattenwald im künstlichen Koma. Als er aufwacht, sagt ihm der Arzt: "Danken Sie einfach Ihrem Schutzengel." Auch im Krankenhaus hält man es für erstaunlich, dass der Herz-Kreislaufstillstand folgenlos für Schwab bleibt.

Eine Woche später telefoniert Daniel Müller mit Birgit Schwab und hört von ihr, dass ihr Mann gerade mit den Enkelkindern Memory spiele. Ein solch schnelle Erholung nach dieser Art von Notfall sei außergewöhnlich, sagt der 38-Jährige. Nochmals ein paar Tage später biege der Rainer bei ihm in der Hauseinfahrt um die Ecke mit einem Grinsen im Gesicht, "so wie heute".

Freude über geschenkte Zeit mit Enkelkindern

Müller sagt, er habe schon alles gesehen in seiner Zeit als Notfallsanitäter. "Man muss einfach funktionieren wie eine Maschine. Danach darf man wieder Mensch sein." Wichtig sei auch, nach Einsätzen Emotionen zuzulassen, so der Familienvater aus seiner eigenen Erfahrung. Schwab trägt jetzt einen implantierten Defibrillator. Dieser überwacht das Herz und greift ein, wenn die Frequenz nicht stimmt. "Das ist auch für meine Psyche wichtig", sagt Schwab.

An den Notfall vor einigen Wochen erinnert er sich nicht. "Da war plötzlich das Licht aus." Er habe sich vorher auch nicht schlecht gefühlt. Jetzt freut sich Schwab seines Lebens und vor allem darüber, dass er noch Zeit mit seinen Enkelkindern erleben darf.

 
Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben