Bundesgartenschau Heilbronn schreibt schwarze Zahlen

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Die Großveranstaltung, die im vergangenen Jahr den Menschen 173 unvergessene Buga-Tage beschert hat, bleibt unter dem vorgegebenen Budgetrahmen. Ab November prüft das Finanzamt die Zahlen.

Am 14. September 2019 platzte die Buga aus allen Nähten: Die Wassershows, die alle an diesem Abend gezeigt wurden, zogen die Menschen an. Es musste wegen Überfüllung geschlossen werden.
Foto: Archiv/Berger
Am 14. September 2019 platzte die Buga aus allen Nähten: Die Wassershows, die alle an diesem Abend gezeigt wurden, zogen die Menschen an. Es musste wegen Überfüllung geschlossen werden. Foto: Archiv/Berger

In voraussichtlich zwei Jahren wird die Bundesgartenschau GmbH, die im vergangenen Jahr für 173 unvergessene Buga-Tage in Heilbronn gesorgt hat, liquidiert.

Bleiben wird dann die erfreuliche Erkenntnis, dass die Großveranstaltung auf der ehemaligen Bahnbrache Fruchtschuppenareal nicht teurer wurde als geplant. Die vom Gemeinderat genehmigten 146 Millionen Euro für Investitionen in und um das 40 Hektar große Areal sowie für die Durchführung der Schau werden nicht überschritten.

Es zeichnet sich ein Millionen-Euro-Plus ab

Im Gegenteil. Bei der Buga GmbH geht man derzeit davon aus, fünf bis sechs Millionen Euro gutzumachen: "Das hört sich nicht schlecht an", äußert sich Geschäftsführer Hanspeter Faas im Gespräch mit der Heilbronner Stimme bescheiden, gleichwohl man ihm die Freude über das sich abzeichnende gute Ergebnis ansieht.

Zum Vergleich: Bei den Bundesgartenschauen in München (2005) und im Havelland (2015) beispielsweise waren die Budgetansätze zum Teil deutlich überschritten worden. "Dass Bundesgartenschauen im festgelegten Finanzrahmen bleiben, ist eher die Ausnahme", merkt Hanspeter Faas dazu ergänzend an. Am 2. November führt das Finanzamt Heilbronn eine Betriebsprüfung durch. Bei der Bundesgartenschau GmbH geht man davon aus, dass sich an den Finanzzahlen nichts mehr groß ändern wird.

#Wochenthema Neckarbogen

Ein Jahr nach der Bundesgartenschau in Heilbronn haben wir uns genauer angesehen, wie sich das neue Stadtquartier auf dem Buga-Gelände entwickelt. Der Neckarbogen polarisiert nach wie vor. Hier geht es zur Übersichtsseite unseres Wochenthemas "Was wird aus dem Neckarbogen?"

Baupreise um 30 Prozent gestiegen

Dass der Durchführungshaushalt um fünf Millionen Euro höher ausfällt, liegt unter anderem daran, dass die Baupreise seit der Leitentscheidung 2012 um rund 30 Prozent gestiegen sind, die Personalkosten höher ausfielen, die Wasserspiele, das Schiffsshuttle und das ÖPNV-Ticket realisiert wurden und im Neckarbogen der erste Bauabschnitt der Stadtausstellung bis zum Beginn der Buga umgesetzt wurde. Abgedeckt sind die fünf Millionen Euro durch einen steuerlichen Vorteil von 9,4 Millionen Euro.

Obwohl die Besucherzahlen mit mehr als 2,3 Millionen Besuchen die Erwartungen der Veranstalter übertroffen haben, blieben die Einnahmen um 2,9 Millionen Euro unter der Kalkulation. Als wesentliche Gründe nennt Faas die ausgebliebenen Reisebusse, die kurzfristige Einführung der preiswerten jungen Erwachsenenkarte und der hohe Verkauf von Dauerkarten: Statt 36.000 waren 94.000 Tickets dieser Kategorie abgesetzt worden: "Das hat die Eintrittspreis-Kalkulation nach unten gedrückt."

Richter entscheiden für die Buga GmbH

Die drei gegen die Buga GmbH angestrengten Prozesse, weil sich Personen in der Rutsche bei der Kletterwand verletzt haben, wurden nach den Worten von Faas "alle für uns entschieden". Nach Auffassung der Richter habe die GmbH "alles getan, um ein sicheres Objekt zu schaffen". Unter anderem sei in den Urteilen festgehalten: "Das Leben ist nicht gefahrenfrei."

Aktuell leben im Neckarbogen mehr als 600 Menschen. Schrittweise wird das zwischenzeitlich fast geräumt Gelände baulich weiterentwickelt. Leben und arbeiten sollen hier einmal bis zu 3500 Personen. Als nächste größere Projekte stehen der Bau der Brücke über die Gleise beim Hauptbahnhof und die Gestaltung des Zaha-Hadid-Platzes an. Wie Hochrechnungen ergaben, wurde in einem Umkreis von einem Kilometer von der Experimenta bis zum Zukunftspark Wohlgelegen in den vergangenen acht Jahren rund eine halbe Milliarde Euro investiert.


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Zahlen und Fakten

Dauerkarten spielten bei der Bundesgartenschau 2019 eine gewichtige Rolle. Exakt wurden 94.837 Tickets dieser Kategorie verkauft. 152 Mal wurde die am häufigsten genutzte Dauerkarte eingesetzt. Knapp 40 Dauerkarteninhaber kamen mehr als 100 Mal auf die Buga. Im Schnitt wurde jede Dauerkarte zehn Mal genutzt. 1.332.602 Mal wurden Tagestickets verkauft.

Mehr als 25.000 Bürger hatten sich bis zum 30. September 2018 bei den Baustellenführungen über die Entwicklung des Areals interessiert. An 2000 Buga-Führungen während der Großveranstaltung nahmen rund 76.000 Menschen teil. 64 Prozent der Besucher reisten mit dem Pkw an.


Kommentar: Respekt

Die Bundesgartenschau in Heilbronn war in vielerlei Hinsicht eine außergewöhnliche Veranstaltung. Sie setzte Maßstäbe und hat Modelcharakter für Kommunen, die in ähnlicher Weise Stadtquartiere wie den Neckarbogen entwickeln wollen. 146 Millionen Euro inklusive Zuschüssen stellte die Stadt für dieses Großereignis und zahlreiche begleitende Bauprojekte zur Verfügung. Fraglos sehr viel Geld. Doch mit diesen Investitionen wurde die Stadtentwicklung wie noch nie nach dem Zweiten Weltkrieg prägend vorangetrieben. Heute muss man anerkennend sagen: Sehr vieles wurde dabei richtig gemacht.

Aufgewertet wird diese Gesamtleistung durch die jetzt vorgelegte positive Bilanz. Der Buga GmbH ist es eindrucksvoll gelungen, nicht mehr Mittel auszugeben, als vom Gemeinderat genehmigt worden waren, und sie hat sogar noch Geld gutgemacht. Das verdient Respekt. Zum einen, weil dieses Resümee bei Bundesgartenschauen eher die Ausnahme ist, zum anderen, weil schweren Herzens auf millionenteure Wunschobjekte verzichtet wurde.

Die Bundesgartenschau 2019 war für Heilbronn ein einmaliges Event. Es wird keine Folgeveranstaltung für eine Buga 2 geben. Die Leichtigkeit, die 173 Tage lang zu spüren war, muss jetzt mit vielfältigen Veranstaltungen nachhaltig in die nächsten Jahre getragen werden. Dafür gilt, den Neckar als Veranstaltungsort langfristig zu positionieren. Es gibt eine Zeit nach Corona.

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