Bürgermeister in der Kritik: Neue Details zum Homepage-Deal von Widdern
Mehr Geld für städtische Homepage ausgegeben als erlaubt? Widderns Bürgermeister Kevin Kopf ist in Corona-Quarantäne und will sich deshalb weiterhin nicht telefonisch zum Vorwurf äußern.

Was hat die neue Homepage der Stadt Widdern gekostet, und hat Bürgermeister Kevin Kopf mehr Geld dafür ausgegeben, ohne den Gemeinderat zu fragen? Der schwere Vorwurf steht im Raum, und bislang hat sich der Rathauschef dazu nicht öffentlich geäußert. Nun musste Kevin Kopf nach eigenen Angaben erneut in Corona-Quarantäne, deshalb hat er ein für Freitag angesetztes Gespräch mit unserer Zeitung verschoben. Telefonisch will er sich nicht äußern, er zieht bei diesem Thema das direkte Gespräch vor. Anfang kommender Woche hofft er, wieder im Rathaus arbeiten zu können. Dann äußere er sich zu den Vorwürfen von Stadtrat Thomas Schäfer.
Das sind die Vorwürfe
Der Kommunalpolitiker hatte im Gemeinderat gesagt: Für die neue Homepage der Stadt habe der Gemeinderat 80.000 Euro bewilligt, Kevin Kopf habe weitere 50.000 Euro "rechtswidrig in Auftrag gegeben". Die Hauptsatzung erlaube dem Bürgermeister nur, 12.000 Euro selbstständig zu vergeben. Thomas Schäfer betonte: Kevin Kopf sei "für dieses schwere Amt nicht geeignet".
Im Gemeinderat äußern sich die übrigen Stadträte nicht
Es war eine denkwürdige Sitzung, an der Bürgermeister Kopf wegen der Virusinfektion gefehlt hat. Übrige Stadträte äußerten sich überraschenderweise nicht. Thomas Schäfer sagte: Er könne nicht nachvollziehen, warum sich Gemeinderäte ständig schützend vor den Bürgermeister stellten. Schäfer betonte zudem, dass es sich bei seiner Kritik nicht um atmosphärische Störungen im persönlichen Umgang handle, wie Kopf gegenüber der Presse geäußert habe, sondern um berechtigte Kritik an der Sacharbeit des Bürgermeisters.
Haushaltsplan lässt keine Rückschlüsse auf Ausgaben zu
Der kürzlich verabschiedete Haushaltsplan lässt keine Rückschlüsse zu. Im laufenden Jahr sollen fürs Internet sowie die Homepage 38.000 Euro ausgegeben werden, in den kommenden Jahren rechnet das Rathaus mit jährlichen Betriebskosten in einer Größenordnung von jeweils 15.000 Euro. Der aktuelle Haushaltsplan enthält außerdem nur den Ansatz fürs vergangene Jahr: So hatte der Gemeinderat bei der Verabschiedung des Planwerks 2021 erwartet, fürs Hosting samt Internet nur 1500 Euro zu bezahlen.
Das ist in Widdern zu hören
In der Stadt ist aus gut informierten Kreisen zu hören, dass die Größenordnung der vorgeworfenen Summe stimmt. Allerdings wundert sich mancher, dass Thomas Schäfer damit an die Öffentlichkeit ging. Anderes, so heißt es, habe man doch zunächst im Gemeinderat unter Ausschluss der Öffentlichkeit besprochen. Allerdings: Thomas Schäfer hatte schon Anfang 2022 im Gemeinderat ein erstes Mal für Aufsehen gesorgt. Ohne auf die Details der Homepage einzugehen, erkundigte sich Thomas Schäfer danach, wie es Kevin Kopf mit Verantwortung halte und ob er schon über einen Rücktritt nachgedacht habe.
Dass es um Kosten für die Homepage ging, nannten damals weder er noch Kevin Kopf in der öffentlichen Sitzung des Gremiums. Kopf versprach damals aber, das umstrittene Thema auf die Tagesordnung einer öffentlichen Sitzung zu setzen. Im März, so der Plan vor der Quarantäne, sollte es so weit sein.
Widderner relativieren den Vorwurf: Kevin Kopf wollte der Stadt doch nicht schaden
In Widdern ist zu hören, dass Stadträte kritisierten, dass Kevin Kopf zu viel Geld ohne ihre Zustimmung ausgegeben habe. Mancher würde das Geschehen aber relativieren: Kevin Kopf habe nicht nach einer Gutsherrenart agiert, er wollte der Stadt keinen Schaden zufügen. Wofür genau das Geld floss, ist unklar. Es soll aber um mehr als die reine Programmierung der Internetseite gegangen sein. Sollten am Ende tatsächlich bis zu 130.000 Euro für eine Homepage gezahlt worden sei, so ist das für Widdern eine stolze Summe.
Der Gemeinderat fährt allerdings einen strikten Sparkurs
Die Stadt, finanziell nicht auf Rosen gebettet, kann sich keine großen Sprünge leisten. Im Gegenteil: Der Gemeinderat fährt einen strikten Sparkurs und bringt nur notwendige Projekte voran. Nur durch den Verkauf von Grundstücken kann die Stadt den städtischen Haushalt retten und dabei den sogenannten Ergebnishaushalt ins Plus bringen. Ohne diese Sondereffekte bliebe der Haushalt im Minus.
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