Briefe kündigen sich auf Wunsch per E-Mail an
Die Deutsche Post kündigt Briefe seit Kurzem auf Wunsch per E-Mail an. Geplant ist auch ein Vorab-Einblick. Das Briefgeheimnis privater Post soll dabei gewahrt bleiben.

Für junge Menschen verliert der Briefkasten zunehmend an Bedeutung. Das legt die jährliche Befragung "Briefkasten Monitor 2020" nahe, bei der insbesondere Menschen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren angeben, sich eine Zukunft ohne Briefkasten vorstellen zu können. Jeder zweite findet es zudem nützlich, wenn bald ankommende Sendungen vorab digital angekündigt werden.
Die Deutsche Post bietet einen solchen Service seit Kurzem für Briefe an. Nutzer der beiden größten deutschen E-Mail-Anbieter GMX und Web.de können diese Möglichkeit in ihrem Benutzerkonto aktivieren und erhalten dann ein Bestätigungsschreiben per Post, auf das sie reagieren müssen. Wer das tut, erhält künftig per E-Mail ein kleines Foto von jedem Brief, der bald im Briefkasten landen wird. "Ein Brief ist unterwegs zu Ihnen und wird in Kürze in Ihren Briefkasten zugestellt", heißt es in der Mitteilung. Auf dem Abbild des Briefs sind unterschiedlich viele Informationen ersichtlich, meist lässt sich jedoch anhand des Absenders bereits erahnen, was darin sein könnte.
Das funktioniert so: In den Sortierzentren der Post werden alle Briefe automatisch fotografiert, um die Adresse zu ermitteln und zu prüfen, ob sie ausreichend frankiert sind. Das passiert mit allen Briefen, unabhängig davon, ob die Briefankündigung genutzt wird. Gelesen werden Straße, Hausnummer, Postleitzahl, Ort und die Briefmarke. Die Fotos werden dann gelöscht, sagt Marc Mombauer, Sprecher der Deutschen Post DHL in Stuttgart. "Natürlich im Einklang mit der Datenschutzgrundverordnung".
Briefgeheimnis wird gewahrt
Wer die Briefankündigung aktiviert, bekommt das im Sortierprozess entstandene Foto per E-Mail zugesendet, erklärt Mombauer. Die Briefe selbst "werden wie gewohnt an die Hausanschrift des Empfängers zugestellt". Ab dem Frühjahr sollen Nutzer auch eine Vorab-Kopie bestimmter Briefinhalte einsehen können. Der Service soll über das E-Post-System abgewickelt werden, durch das bereits heute von Geschäftskunden digital angelieferte Briefe elektronisch weiterversendet werden können, bevor der Brief in Papierform ankommt. Das Briefgeheimnis privater Post wird natürlich gewahrt.
In die kürzlich veröffentlichte App "Post & DHL" wollte man die Funktion nicht einbauen, sondern auf GMX und Web.de setzen. Mit einem Marktanteil von 50 Prozent würden die beiden Anbieter 34 Millionen Menschen in Deutschland erreichen, erklärt Mombauer. Für weitere Kooperationen sei man offen. "Die Wirtschaft wird digitaler, das sehen wir in allen Bereichen. Der Brief ist sozusagen die letzte Instanz in dieser Entwicklung", sagt Roland Dathe, Sprecher der Initiative D21. Der Berliner Verein veröffentlicht regelmäßig einen Digitalindex und setzt sich für Digitalisierung ein.
Dathe sieht die Briefankündigung als einen Test, bei dem geschaut werden soll, wie viele Menschen ein solches Angebot nutzen. "In einem zweiten Schritt soll man Briefinhalte per Mail bekommen. Das ist für Geschäftskunden sehr spannend." Generell sei es schwierig zu beurteilen, wie viele Menschen eine solche Funktion nutzen wollen.
Entscheidend sei, dass das Angebot unkompliziert ist. "Wenn es zu umständlich ist, wird so etwas nicht genutzt", sagt Dathe. Allerdings gebe es auch Risiken: Nutzer müssten ein sicheres Passwort für ihr E-Mail-Konto wählen, wenn dort künftig wichtige Dokumente landen. "Das ist eine potenzielle Angriffsfläche." Er empfiehlt deshalb, eine Zwei-Faktor-Authentifizierung zu nutzen. Dabei müssen Nutzer neben dem Passwort zusätzlich einen Code eingeben, der meist per SMS zugeschickt wird. Außerdem müsse hinterfragt werden, ob andere E-Mail-Anbieter den Service nicht ebenfalls anbieten können sollten.
Digitale Verwaltung ist in Arbeit
Digitaler sollen auch die deutschen Behörden werden. Das Online-Zugangsgesetz bildet hierfür den Rahmen. Verwaltungsleistungen wie ein Antrag auf Arbeitslosengeld, die Zulassung eines Autos, das Beantragen einer Meldebescheinigung, das Anmelden von Haustieren und vieles mehr soll mit wenigen Klicks möglich sein. Funktionieren soll das mit einem Benutzerkonto und der Online-Funktion des Personalausweises. So sollen sich Bürger in ihrem Bundesland und beim Bund anmelden und Anträge stellen können. In Baden-Württemberg soll hierfür das Portal www.service-bw.de genutzt werden. Vereinzelte Anträge können dort schon online gestellt werden.
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