Brennholz kommt online unter den Hammer

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Die Forstreviere in der Region praktizieren unterschiedliche Verfahren beim Verkauf von Holz. Die explodierenden Energiepreise führen zu einer hohen Nachfrage.

Ein Polter Brennholz aus dem Staatswald auf Abstatter Gemarkung. Ein Teil des frischen Einschlags steht jetzt für diesen Zweck zum Verkauf.
Ein Polter Brennholz aus dem Staatswald auf Abstatter Gemarkung. Ein Teil des frischen Einschlags steht jetzt für diesen Zweck zum Verkauf.  Foto: Friedrich, Sabine

Besonders urig ist es in Eppingen-Kleingartach. Da wird vor der Hütte im Seebachtal ein Lagerfeuer entfacht, die Kundschaft stärkt sich mit Glühwein und Grillwurst. In Obersulm kommt in der Halle gegrilltes Spanferkel auf den Teller. Und auch in Kirchhausen hat die Brennholzversteigerung im Wald Eventcharakter. "Wir sind da nur Beiwerk", meint der Leiter des Forstreviers Heilbronn-West, Heinz Steiner, augenzwinkernd.

Dieser Tradition hat Corona im vergangenen Jahr den Garaus gemacht. Ob sie in großem Stil wiederbelebt wird, bleibt abzuwarten. Polter und Flächenlose wechseln bis März größtenteils online den Besitzer. Ungebrochen hoch ist die Nachfrage nach dem Natur-Brennstoff aus den kommunalen und staatlichen Wäldern. Die explodierenden Energiepreise sorgen sogar für einen weiteren Schub, wie die Forstexperten berichten.


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"Es gibt fast so viele Verfahren wie Förster und Försterinnen", meint der Heilbronner Kreisforstamtsleiter Martin Rüter. Er überlässt es seinen Revierleitern, auf welche Art sie mit den Kommunen das Brennholz an den Mann bringen. "Klar geht etwas verloren", bedauert er, dass das gesellige Moment mehr und mehr verschüttgeht. "Die Leute vermissen es", weißt Jürgen Stahl, der das Revier Ottilienberg in Eppingen leitet.

Förster setzt auch auf Freihandverkauf

Jens Hey ist ein Fan der Live-Veranstaltungen und hat sie in seinen Kommunen nach einem Jahr Zwangspause unter Einhaltung der Corona-Regeln wieder angesetzt. Der Revierleiter Leintal schätzt den direkten Draht zur Kundschaft. "Es ist die fairste Art, Brennholz transparent zu verteilen", ist seine Meinung. Jörg Pfeiffer setzt auch auf Freihandverkauf. Wer Bedarf hat, meldet sich, kommt auf die Liste, und sobald Ware anfällt, ruft Pfeiffer die Interessenten an. "Das ist aufwendig", gibt der Leiter des Reviers Bad Wimpfen zu. 2000 des 7000 Festmeter umfassenden Einschlags im Wimpfener Stadtwald stellt er für heimische Öfen und Händler zur Verfügung.

Über 100 Käufer, mehr als sonst, erwartet Jürgen Stahl für das Holz aus dem Stadtwald Eppingen. "Die Nachfrage ist fast höher als das Angebot." Seit Oktober wird die Bestellliste geführt. Die Hälfte der Kundschaft melde sich bei ihm persönlich. "Das ist schon ein Aufwand. Aber das ist Kundenservice", sagt er. Wohnortnah teilt er dann die gewünschten Mengen zu. 3000 Festmeter Brennholz – ein Drittel des Gesamteinschlags im Stadtwald – bietet Stahl an. "Das ist die Obergrenze, die wir aus dem Wald entnehmen können und wollen." Nachhaltigkeit ist das Stichwort. Den Preiskorridor für das Laubholz in Poltern legt er zwischen 55 und 60 Euro pro Festmeter fest.

Keine Flächenlose mehr im Angebot

Wie Stahl so hat auch der Forstbezirk Unterland von Forst BW, der den Staatswald bewirtschaftet, keine Flächenlose mehr im Angebot. Wegen der schwarzen Schafe, die die Rückegassen verließen, gibt Leiter Christian Feldmann als Grund an. Der Bodenschutz hat Vorrang.

In Heilbronn fühlt sich Heinz Steiner seiner Kundschaft "moralisch verpflichtet". Eine Handvoll Käufer habe Seilwinden, um die Kronenteile aus der Fläche zu holen. Wenn der Förster samstags bei der privaten Holzaufarbeitung im Wald auftauche, mache das die Runde. "Wenn jemand gesauigelt hat, dann zahlt er", ist Heinz Steiner konsequent.

An einem Baum im Landkreis Ludwigsburg entdeckte er im vergangenen Winter einen Anschlag zu einer digitalen Holzversteigerung. Die Idee griff er für Heilbronn auf. 63 Lose mit 250 Festmeter enthielt die Verkaufsliste der ersten von drei Versteigerungen im Revier Heilbronn-West. 45 Interessenten gaben bis 26. Januar ein Gebot ab. Das Bieterverfahren brachte im Durchschnitt 73 Euro pro Festmeter bei einem Anschlag von 60 bis 63 Euro. Die Software spuckt den Höchstbietenden aus, bei Patt wird gelost.

Bei Forst BW habe sich die Online-Bestellplattform bewährt, berichtet Feldmann. Versteigerungen gebe es in den staatlichen Forstrevieren angesichts der großen Einheiten nicht. "Wir sind am Experimentieren", sagt Kreisforstamtsleiter Rüter. Man überlege, ob man von jedem Polter ein Foto ins Internet stelle. Das erspart den Interessenten die Fahrt in den Wald, um die Ware vorab in Augenschein zu nehmen. Revierleiter Steiner gefällt die Idee. "Das wäre Luxus."

Daten und Fakten

Dass der Brennholzverkauf eine ordentliche Einnahmequelle sein kann, zeigt sich am Beispiel des Forstbezirks Unterland von Forst BW. Die 12.000 Festmeter aus dem Staatswald – das waren 13 Prozent des Gesamteinschlags von 97.000 Festmeter – brachten im vergangenen Geschäftsjahr rund 720.000 Euro ein. Brennholz wird zum allergrößten Teil in Poltern angeboten. Das ist ein "Haufen" von Brennholz lang, Stämmen zwischen vier bis zwölf Metern, die der Käufer selbst zurecht sägt. Das Holz liegt am Fahrweg.

Bei einem Flächenlos handelt es sich um Restholz, das auf dem Waldboden liegt, meist sind es die vom Fällen übriggebliebenen Kronenteile. Der Käufer muss sie auf den vorgegebenen Rückegassen heraustragen oder mit dem Schlepper herausholen. 

 

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