Waldschützer auf vier Hufen im Heilbronner Wald
Wer Uwe Eitel mit seinem Kaltblutpferd Max im Wald in Heilbronn begegnet, ist nicht in die Vergangenheit gereist. Das Holzrücken mit Pferden ist ein modernes Mittel der Forstwirtschaft - nachhaltig und schonend für den wertvollen Waldboden.

Stille liegt über dem Seebuckel. Dem 125 Hektar großen Waldgebiet beim Heilbronner Stadtteil Biberach. Es ist kurz nach 8.30 Uhr, der Boden teilweise noch gefroren. Ideale Arbeitsbedingungen für Max. Ein Noriker. "Ein Kaltblutpferd", erklärt Uwe Eitel. "Weil die Rasse aus den österreichischen Alpen stammt, ist sie besonders trittsicher." Das muss der sechs Jahre alte Max heute Morgen auch sein. Seine Aufgabe: Holzrücken.
Mit seinem Kaltblutpferd kann Uwe Eitel schonend auch auf weichem Boden arbeiten, wo Maschinen tiefe und wüste Spuren hinterlassen würden. Selbst in schwierigem Gelände oder unzugänglichen Gebieten kommt das Pferd gut durch. Trotzdem ist es erstaunlich, wie leichtfüßig das rund 800 Kilogramm schwere Tier über Äste sowie moosbewachsene Baumstümpfe schreitet und dabei einen zuvor von den Waldarbeitern zurechtgesägten bis zu 20 Meter langen Stamm hinter sich herzieht.
Bodenschutz im Klimawandel

Die etwa zwei Hektar große Fläche hat eine Durchforstung und Pflege nötig. "Wir müssen die Bäume freistellen, weil der Bestand sonst viel zu dicht wäre", sagt Heinz Steiner, zuständiger Revierförster. Zum Rücken befestigt Uwe Eitel das gefällte schwache Eichenbaumholz an der aus hochfestem Stahl gefertigten Rückekette seines Pferdes.
"Wir ziehen das Holz an den Rand der sogenannten Rückegassen", erklärt Uwe Eitel, was die baumfreien Fahrlinien, die in einem Abstand von rund 40 Metern zueinander verlaufen, sind. Ab dort übernehmen dann die schweren Rückeschlepper von Timo Gebhard aus Eppingen die Stämme. "Die Pferde ergänzen die Maschine ideal", erklärt Heinz Steiner. "Auf kurzem Wege bringen die Tiere das Holz pfleglich in die Kranzone der Maschine, die dann mit wenigen Fahrten das Holz zum Fahrweg bringen kann."
Kölner Verfahren
Beim sogenannten Kölner Verfahren arbeiten Pferd, Mensch und Maschine gemeinsam. "Das hat nichts mit Nostalgie zu tun", ist auch Eitel überzeugt. Tatsächlich ist es die schonendste Art, mit den Böden umzugehen, in denen ja die meisten Lebewesen eines Waldes zu finden sind. Rollt eine 20-Tonnen-Maschine darüber, erlischt die Vielfalt innerhalb von Minuten. Es ist nicht so sehr der Bodendruck durch die schweren Geräte, der das fragile Krümelgefüge zusammenpresst, sondern der im Zusammenspiel mit der Motorvibration entstehende Rüttelwalzeneffekt, der den Boden in bis zu zwei Metern Tiefe komprimiert. Nur die oberste Erdschicht regeneriert sich durch Frost und das Wühlen von Mäusen und Wildschweinen.
Mit Spaß bei der Arbeit

Von der Pferdearbeit profitiert aber nicht nur der Boden. Eine Maschine kann mit einem langen Schlepptau kaum rangieren. Spätestens beim Einschwenken auf dem Waldweg schlägt der bis zu 20 Meter lange Stamm gegen andere Bäume, verletzt deren Rinde oder walzt kleine Bäumchen um. Das kann Max viel eleganter, weil er sich geschmeidiger zwischen den Eichen bewegt. Tierquälerei? Wer Uwe Eitel, der früher seine Tage in der Backstube in Leingarten verbrachte, im Umgang mit seinen Tieren beobachtet, würde niemals auf die Idee kommen, dass dem Wallach Max die Arbeit keine Spaß macht. Keiner von Eitels Kaltblütern wird je mit der Peitsche geschlagen.
Immer wieder bekommt Max Gelegenheit, ein paar Grasbüscheln zu knabbern, bevor Uwe Eitel die nächsten Kommandos ruft, die wie ein gebrabbeltes Kauderwelsch klingen. "Ich arbeite fast nur mit meiner Stimme", erklärt der 52-Jährige und ergänzt: "In den ersten zehn Minuten versucht Max noch, seinen eigenen Kopf durchzusetzen." Klar, immerhin ist der Noriker im besten Teenager-Alter.
Bewährte Praktik

40 Festmeter Holz holt Uwe Eitel, der in Güglingen-Eibensbach lebt, dieses Mal an zwei Tagen aus dem Biberacher Forst. Manchmal arbeitet der gelernte Bäcker auch mit zwei Pferden. Neben Ludwig, dem zweiten Noriker, leben noch Horscht und Sina, zwei Schwarzwälder Kaltblut, auf seinem Hof im Zabergäu. In Heilbronn setzte bereits der Vorgänger von Heinz Steiner, Jens Hey, Rückepferde ein. "Ich habe es so übernommen - und nie bereut", stellt der 58-Jährige fest.
Die Ruhe der Natur
Erst vor 15 Jahren sattelte Uwe Eitel aufs Pferd um - "ein Späteinsteiger", wie er selbst zugibt. Sonntags stehen bei Eitel und seiner Frau jetzt regelmäßige Ausfahrten mit der Pferdekutsche an. "In der Backstube habe ich im Akkord gearbeitet", sagt Eitel. "Die Arbeit mit den Pferden läuft ohne Hektik. Ist aber auch kein Ponyhof."

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