QR-Code und Tablet: Grundschule Dahenfeld setzt auf neueste Technik
Die Grundschule Dahenfeld nutzt Sprachnachrichten im Unterricht. Die Kinder gehen ganz selbstverständlich mit der neuen Technik um. Lesen, Schreiben und Rechnen lernen sie auch – aber eben mit neuen Methoden.

Falls Elisa mal der Mut verlassen sollte, kann die Schülerin per QR-Code eine von ihr selbst aufgenommene Sprachnachricht aufrufen: "Ich bin stark und mutig. Ich habe die Angst hinter mich gebracht."
Auch Fernando hat einen Affirmationsspruch, wie Lehrer Andreas Weiß das Element im Religionsunterricht nennt, auf einen Stein geschrieben und gemalt und gleichzeitig ebenfalls noch eine Sprachnachricht aufgenommen: "Ich bin gut so wie ich bin!"
Dafür werden in der Grundschule Dahenfeld QR-Codes genutzt

Der Clou an der Idee: Auch andere Kinder und die Eltern können die Nachricht aufrufen. Elisa und Fernando und alle 60 Kinder an der Grundschule Dahenfeld nutzen die QR-Codes, um kleine Botschaften oder auch ganze Aufsätze per Sprachnachricht zu speichern. Mit Tablet und einem handlichen Drucker können die Kinder jederzeit ihre Ideen und Ergebnisse bei Einzel- oder Gruppenarbeiten festhalten, ausdrucken und ins Hausaufgabenheft kleben. "Dann können sie später an der Stelle weiterarbeiten", erklärt Weiß, der nicht nur Religionslehrer, sondern auch Fachmann für die Computerausstattung an der Grundschule ist.
Die Ausstattung sei super, betont Weiß. "Aber die zentrale Frage ist immer: Was kann man sinnvoll im Unterricht nutzen?" Es geht bei Tablet und Co. ja nicht um den Selbstzweck. Die Kinder sollen nach wie vor lesen, schreiben und rechnen lernen. Aber gerade mit dem Schreiben tun sich die Schulanfänger noch schwer. "Aber sie können gut frei sprechen und haben prima Ideen."
Präsentation mit QR-Code – Tablet nicht mehr als ein Hilfsgerät
Das Tablet oder iPad ist also nicht mehr als ein Hilfsgerät wie Stift und Papier, nur in etwas anderer Form. Laura und Jolanda haben eine Präsentation zu Kinderrechten und dem Grundgesetz erstellt. "Wir haben das Thema Meinungsfreiheit gewählt. Wir wollten das aber nicht auf Plakaten machen wie alle anderen", erklärt die zehnjährige Jolanda. Mit den QR-Codes könne man eine Präsentation abwechslungsreich gestalten. Laura erklärt, was Meinungsfreiheit bedeutet: "Man darf seine Meinung sagen, aber man darf niemand beleidigen." Auf einer Tafel haben die beiden Mädchen Artikel 5 des Grundgesetzes abgebildet. Wer den QR-Code einscannt, kommt direkt zu dem vorher aufgesprochenen Text. Statt eines Links im Internet erklingt die vertraute Stimme der Mitschülerin.
Im Treppenhaus der heimeligen Grundschule hängen Bilder zum Gedicht "Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte" von Eduard Mörike. Auch hier ist ein kleiner QR-Code aufgeklebt. Dahinter steckt die vom jeweiligen Kind passend gesprochene Stelle des Gedichts. Ein nettes Feature, würde die Marketingabteilung dazu sagen: Die ganze Schule wird zur begehbaren Ausstellung.
Zum Aufräumen die passende Musik – QR-Code macht's möglich
Was in modernen Museen schon üblich ist, hält nun also auch in der Grundschule Einzug. Statt den ganzen Vortrag zu hören, können sich die Kinder genau die Informationen holen, die sie gerade brauchen. "Wir haben unsere Aufräummusik vermisst", sagt Anna Straubinger, die Lehrerin der Zauberwald-Klasse. Die Kinder wissen schon von selbst, dass sie zum Aufräumen am Ende der Stunde per QR-Code die passende Musik einspielen.
Auch für den Sportunterricht lässt sich die technische Neuerung nutzen. Beim Rope-Skipping, wie die rasante Variante des Seilspringens heißt, gibt es per Code Musik und Anweisungen inklusive. Dabei ist es beileibe nicht so, dass Lehrerin und Lehrer jetzt überflüssig wären. "Alle Kolleginnen nutzen das gern", berichtet Weiß. Gerade zum Schreibenlernen können die QR-Codes gut eingesetzt werden. "Bei einem Diktat spreche ich Wörter oder Sätze auf", erklärt der Lehrer der benachbarten Fischhausen-Klasse. "Die Kinder scannen den Code und hören mit meiner Stimme den Text, so oft sie es brauchen. Dabei kann sogar die Geschwindigkeit verlangsamt werden."
Kinder kommen mit neuer Methode individuell voran
Mit der neuen Methode wird das Lernen also verstärkt. Statt frontal in der Klasse können alle Kinder individuell vorankommen. "In einem geöffneten Unterricht geht es darum, dass die Kinder selber lernen." Max nimmt sich gern eine Zusatzaufgabe und arbeitet für sich weiter. Auch die Lehrer können die neue Technik nutzen, um zum Beispiel Aufsätze zu digitalisieren und so leichter lesen zu können. Auch die Lernstandskontrolle funktioniert besser. "Ich sehe sofort, welches Kind welche Aufgaben wie gelöst hat", erklärt Weiß.
Und auch der Spaß kommt nicht zu kurz. Sehr beliebt beim Sprache-Lernen sind bei den Kindern Zungenbrecher, die natürlich per QR-Codes festgehalten werden: "Klitzekleine Katzen kotzen klitzekleine Kotze" oder "Unter einer Fichtenwurzel sah ich einen Wichtel furzen". Weiß ganz ernsthaft: "Kinder lieben Sprachspiele, das trägt zum Schriftsprachenerwerb bei."
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