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Ganztägige Betreuung von Grundschülern: In der Region ist das Personal die große Unbekannte

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Ab Herbst 2026 haben die ersten Grundschüler einen Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung. Kommunen, die sich aktuell darauf vorbereiten, eint eine Sorge.

Foto: FRAITAG.de/stock.adobe.com
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In vielen Kommunen gehört die ganztätige Betreuung der Mädchen und Jungen im Kindergartenalter selbstverständlich zum familienfreundlichen Angebot, auch viele Ferien werden abgedeckt. Doch mit Beginn der Grundschulzeit wird es für viele Eltern sehr schwierig, Arbeit und Betreuung unter einen Hut zu bekommen. Oft decken sich die Betreuungszeiten an Schulen nicht mit denen der Kitas.


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Ab Herbst 2026 soll sich das ändern: Dann haben die Erstklässler einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, das wird Jahr für Jahr ausgeweitet, bis ab August 2029 die Regelung für alle Erst- bis Viertklässler gilt. Der Bund schreibt eine achtstündige Betreuung an allen Werktagen vor. Auch Ferien müssen abgedeckt werden, bis auf auf vier Wochen. Städte und Gemeinden in der Region bereiten sich darauf vor, und sie müssen dabei die Betreuung ganz unterschiedlich stark ausbauen. Eine Sorge treibt aber alle um.

Roigheim bietet noch keine Schülerbetreuung in den Ferien an

Roigheim gilt für manche Kommune als Vorbild, weil der Ort schon lange ein Mittagessen bei der Schüler-Betreuung hat. Es gibt aber für diese Schüler keine Ferienbetreuung. Bürgermeister Michael Grimm erwartet deshalb, dass diese Vorgabe die Personalsituation zusätzlichen erschweren wird. "Wir reden über zwölf Wochen, die zusätzlich mit Personal abzudecken sind."

Schon im Kita-Bereich ist die Situation angespannt, Roigheim bildet da keine Ausnahme. Viele Kommunen, kirchliche und freie Träger sind davon betroffen. "Wir kämpfen im Kindergarten um Personal", sagt Roigheims Bürgermeister. Um hier die Vorgaben überhaupt erfüllen zu können, mussten die Betreuungszeiten reduziert werden. Statt 16 Uhr ist nun um 15 Uhr schluss, sagt Michael Grimm. Der Gemeinde fehlten zudem im Kindergarten zusätzliche Aushilfskräfte, die bei Krankheit ausfallendes Personal ersetzen. Das müsse alles von Kolleginnen abgefedert werden, "die dann wiederum Überstunden abbauen müssen".

Auf den Rechtsanspruch ist Neudenaus Bürgermeister nicht gut zu sprechen

Manfred Hebeiß, Bürgermeister in Neudenau, ist nicht gut auf den neuen Rechtsanspruch zu sprechen. Die Politik hätte einen verpflichtenden Ganztag einführen müssen, sagt er. Zugleich weiß er aber, warum dies nicht der Fall war: Dann hätte die Bundes- und Landespolitik auch das Personal bezahlen müssen. Vieles ist für den Bürgermeister bei der Schüler-Betreuung noch unbeantwortet. "An Habhaftem haben wir nichts bis wenig."

Wie sieht es mit dem Essen aus, wird eine Mensa erwartet? Und dann treibt natürlich auch ihn die Frage um, wer sich um die Kinder kümmern soll. Schon jetzt fehlten Fachkräfte für Kitas. "Das Personal wächst nicht auf den Bäumen." Wie unter diesen Umständen die vorgeschriebene Ferienbetreuung umgesetzt werden soll, weiß Manfred Hebeiß nicht. Die Betreuer mit Kindern wollten doch auch mal Urlaub machen. Rein organisatorisch sei in Neudenau die Vorgabe umzusetzen. Die Grundschule in Neudenau ist groß, die im Teilort Neudenau habe noch Luft. Und in die Bildungsstätte im Stadtteil Siglingen will Neudenau investieren.

Wie sieht es langfristig mit den Schülerzahlen aus? Zaberfeld gibt Gutachten in Auftrag

Auch Zaberfelds Bürgermeisterin Diana Danner sieht noch "viele aktuelle Ungewissheiten". Sie kann nicht abschätzen, ob die aktuell angebotenen Betreuungsformen die Rechtsvoraussetzungen für die Ganztagesbetreuung erfüllen. Damit verbunden sei die Notwendigkeit und Schwierigkeit, Personal zu gewinnen. Hinzu komme die Finanzierung mit einem "schon aktuell kaum ausgleichbaren Haushalt". Die Gemeinde bietet schon jetzt Betreuung für Grundschüler an, aktuell bis 14.30 Uhr. "Ferienbetreuung wird in allen Ferien, mit Ausnahme der Weihnachtsferien, angeboten und findet ab zwei Anmeldungen statt", sagt Diana Danner.

In den Sommerferien sind in der Gemeinde die ersten anderthalb Wochen und die letzten beiden Wochen abgedeckt. Ein Gutachten befasst sich mit den zu erwartenden Schülerzahlen bis 2038. "Auf dessen Basis ist derzeit ein Architekturbüro damit beauftragt, die Planungen für etwaige notwendige bauliche Umsetzungen an der Schule zu entwerfen", beschreibt die Bürgermeisterin die Vorbereitungen. Im Oktober beschäftige sich der Gemeinderat dann damit.

Öhringen sorgt sich um den Fachkräftemangel

In Öhringen läuft an der Schiller- und der Hungerfeldschule ein Ganztagesbetrieb in Wahlform. An den Außenstellen der Schulen in Michelbach und Verrenberg sowie an der Grundschule Cappel findet laut Monika Pfau, Mitarbeiterin im Büro des Oberbürgermeisters, zwar keine Ganztagsbetreuung statt. Die Kinder könnten jedoch die Angebote der Stammschule besuchen. Ergänzend kommt die Kernzeit sowie flexible Nachmittagsbetreuung hinzu.

"Die größte Herausforderung bei der Umsetzung des Rechtsanspruchs stellt der Fachkräftemangel dar", ist Monika Pfau überzeugt. Unklar sei, woher das Personal kommen solle, um die Vorgaben in dem geforderten zeitlichen Umfang zu erfüllen. "Bereits jetzt ist der Mangel an pädagogischen Fachkräften deutlich spürbar", sagt sie.

Heilbronn will Schulen vom Lernort zum Lern- und Lebensort weiterentwickeln

Heilbronn sieht sich für das stufenweise Inkrafttreten des Gesetzes zur ganztägigen Förderung von Kindern im Grundschulalter ab August 2026 gut gerüstet. Davon ist Bürgermeisterin Agnes Christner überzeugt. Bereits heute sei die überwiegende Mehrzahl der Grundschulen Ganztagsschule nach Schulgesetz. Dennoch sei der Rechtsanspruch auf Betreuung "eine große Aufgabe auch für Heilbronn, zumal es die Nachfrage nach geeigneten Lehr- und Fachkräften nochmals verschärft und mit der Erweiterung des quantitativen Angebots auch eine Qualitätsoffensive einhergehen muss".

Für Agnes Christner geht es darum, "die Entwicklung vom Lernort zum Lern- und Lebensort weiter zu gestalten". Sie sagt: "Über den Städtetag setzten wir uns dafür ein, dass das Ganztagsangebot als schulisches Angebot ausgestaltet wird und den Schulen und Kommunen viel Freiraum bei der Ausgestaltung gegeben wird."

 

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