Bei Bestatterin Anastasia Maurer stehen die Lebenden im Mittelpunkt
Wie die Bad Friedrichshallerin Anastasia Maurer zu ihrem Traumberuf Bestatterin gekommen ist und was dieser mit Eventmanagement zu tun hat. Heute betreibt die Unternehmerin sieben Filialen im Unterland.

Manchmal findet man seinen Traumberuf erst über Umwege. So hätte sich Anastasia Maurer vor 15 Jahren kaum träumen lassen, dass sie mal Bestatterin werden würde. Die Bad Friedrichshallerin ist nach Abschluss ihres Bachelors in Internationaler Betriebswirtschaft bei einem regionalen Mittelständler im Vertrieb tätig. Maurer setzt einen Lehrgang als Exportbeauftrage obendrauf, die Karriereaussichten sind gut. "Doch ich habe gemerkt, das ist nicht das Wahre", sagt sie.
Aus Spaß wurde eine Geschäftsidee
Ihr Mann Dennis führt in Bad Friedrichshall in dritter Generation den Steinmetzbetrieb Maurer Grabmale. "Da gab es schon viele Berührungspunkte mit Friedhöfen und Gräbern", sagt die 33-Jährige. Ins Unternehmen einsteigen möchte sie nicht, vielmehr denkt das Ehepaar spaßeshalber darüber nach, dass ein Bestattungsgeschäft eine gute Ergänzung zum Steinmetzbetrieb wäre. Anastasia Maurer fängt an, sich über den Beruf des Bestatters zu informieren und merkt: "Man hat zu 95 Prozent mit Lebenden zu tun." Sie vergleicht die Tätigkeit mit der eines Eventmanagers. "Wir planen eine Feier zum Abschied von den Verstorbenen."
Ihr Interesse ist geweckt. Anastasia Maurer macht 2016 ein Praktikum bei einem Bestatter in Trier, büffelt Fachliteratur über den Beruf des Bestatters, der nicht geschützt ist - jeder kann ihn ohne Qualifikation ausüben. Im September 2016 gründet sie schließlich in Weinsberg die Firma Himmelblau, heute ist der Sitz in Heilbronn.
Die ersten Särge kauft Maurer auf Kommission
Der Start erfolgt auf kleiner Flamme. "Wir haben viel gebraucht gekauft und viel selber gemacht. Die ersten Särge haben wir auf Kommission gekauft", erinnert sich die Gründerin. Es dauert, bis die ersten Aufträge kommen, die Konkurrenz im Bestatterwesen ist groß. "Ich habe in dieser Zeit viel Unterstützung von der Familie und von Freunden bekommen", sagt Maurer. Sie übt viel, zum Beispiel anhand eines Schweinenackens, wie man den Mund eines Toten zwischen Kinn und Kehlkopf zunäht, damit der Unterkiefer nicht runterklappt. Die Homepage konzipiert sie selbst, die ersten von heute acht Mitarbeitern, darunter zwei Auszubildende, werden eingestellt.
Büffeln auf der Meisterschule in Bayern
Das Geschäft nimmt Fahrt auf, "in den ersten zwei Jahren sind wir schneller als erhofft gewachsen", berichtet die Unternehmerin. Sie möchte sich fortbilden, stellt das nach der Geburt ihres Sohnes 2019 aber erst einmal zurück. Anfang 2021 beginnt Maurer dann mit der einjährigen Ausbildung zur geprüften Bestatterin, lernt viel dazu und baut sich ein Netzwerk auf. Im bayerischen Münnerstadt besucht sie anschließend die Meisterschule und kann sich seit 16. Februar 2023 offiziell Bestattermeisterin nennen.
Wie viele Bestattermeister es in der Region gibt, ist aufgrund komplexer Zuständigkeiten und fehlender Statistiken kaum festzustellen - Maurer kennt jedenfalls keinen.
Die gebürtige Kasachin ist stolz und glücklich über ihren beruflichen Weg, auf dem sie es zu sieben Himmelblau-Filialen in der Region gebracht hat. "Es ist ein toller Beruf, ich kann mir nicht mehr vorstellen, etwas anderes zu machen", sagt Maurer. Die Vielseitigkeit mache den Job attraktiv. "Man ist Grafikdesignerin, Musikgestalterin, Sargträgerin", zählt Maurer auf.
Mehr Zeit für Trauerarbeit nötig
Und man ist Begleiter der Angehörigen in einer schweren Zeit. Die psychologische Betreuung ihrer Kunden ist Anastasia Maurer besonders wichtig. "Leider kommt Trauerpsychologie in der Ausbildung zu kurz", findet sie. Deshalb liebäugelt die Bestatterin mit einer Zusatzausbildung zur Trauerpsychologin. Dann möchte Maurer auch nach der Trauerfeier für ihre Kunden da sein. "Viele Angehörige fallen danach in ein tiefes Loch." Daher plant die Unternehmerin in Bad Friedrichshall nicht nur neue Büros, Abschiedsräume und eine Trauerhalle, sondern auch ein Trauercafé. "Wir möchten die Menschen nicht alleine lassen."
Das Unternehmen
Anastasia Maurer betreibt mit ihrem Bestattungsinstitut Himmelblau sieben Filialen in Weinsberg, Bad Friedrichshall, Heilbronn, Neuenstadt, Lauffen, Neckarsulm und Bad Rappenau. Außerdem übernimmt das Unternehmen für einige Kommunen in der Region hoheitliche Aufgaben auf Friedhöfen, etwa Grabherstellung oder Bestattungen von Menschen ohne Angehörige. Laut Anastasia Maurer begleitete Himmelblau im vergangenen Jahr 420 Sterbefälle, 2021 waren es noch 360.
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