Besorgter Blick in den Corona-Herbst
Mediziner aus der Region Heilbronn gehen von einer baldigen neuen Impf-Runde und der Wiederkehr der Maskenpflicht aus. Das haben Martin Uellner, Ulrich Enzel und Dominik Scharpf beim Stimme-Forum zum Thema "Corona - Wie geht es weiter?" klar gemacht.
Corona hat Deutschland weiter fest im Griff. Auch Ärzte aus der Region Heilbronn stellen sich auf einen Winter mit extrem hohen Ansteckungszahlen ein. Von einer im Moment fünffach erhöhten Dunkelziffer gehen Martin Uellner, Hausarzt und Sprecher der Kreisärzteschaft, der Schwaigerner Kinderarzt und Impfexperte Ulrich Enzel und der Intensivmediziner und SLK-Oberarzt Dominik Scharpf im Gespräch mit Stimme-Redakteurin Valerie Blass aus.
Blick in die Corona-Glaskugel
Unter dem Motto "Corona - Wie geht es weiter?" diskutierte die Runde am Mittwochabend, wie die Region für die kommenden Monate aufgestellt ist. Dabei machte Ulrich Enzel klar, dass es zum Impfen keine Alternative gibt: "Es ist das Einzige, was wir haben." Ähnlich wie bei der Influenza müsse man sich auf eine pandemische Situation einstellen - mit immer wiederkehrenden Auffrischungsimpfungen. Besonders, weil Personal in den Kliniken fehlt.
Der Engpass bei den Pflegeberufen, der schon vor der Pandemie sichtbar war, habe sich verschärft, sagte Dominik Scharpf. Derzeit kämpfe man in den SLK-Kliniken damit, dass eine hohe Zahl an Mitarbeitern an Corona erkrankt sei.
Engpass an den SLK-Kliniken sichtbar
Die Patienten merkten, dass die Versorgung schneller und die Liegezeiten kürzer geworden seien. In den SLK-Kliniken könnten im Augenblick 20 Prozent der Betten nicht belegt werden. "Ich will das noch nicht akzeptieren", so Scharpf auf die Frage, ob die angespannte Personalsituation "das neue Normal" sei.
Auf die kommenden Monate blickt er mit Sorge: "Wenn man schon im Sommer so hohe Zahlen hat, dann wird es einem Angst, wie das im Herbst erst werden wird."
Verbesserungen von der Politik erwartet Martin Uellner an dieser Stelle nicht: "Der Fachkräftemangel ist überall groß", sagte er. Allerdings könne man mit guter Bezahlung und einem guten Arbeitsklima im Bereich des Personals im Gesundheitswesen viel erreichen. Auch Uellner sieht zu flächendeckenden Impfaktionen keine Alternative. Wie seine Kollegen glaubt er, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) ihre Empfehlungen für den zweiten Booster in Kürze von 70 auf 60 Jahre senken wird.
Impfempfehlung für alle wird kommen
Die Stiko wäge Nutzen gegen Risiko ab. Wegen der hohen Ansteckungsgefahr durch Omikron BA.5 werde eine Impfempfehlung für alle kommen, ist Enzel sicher: "Wir haben eine neue Situation. Und darauf ist zu reagieren." Da im Herbst auch eine neue Grippewelle zu erwarten sei, empfiehlt er ausdrücklich, Influenza mitimpfen zu lassen.
Auf den neuen Impfstoff zu warten, hält keiner der Experten für ratsam. "Diejenigen, die noch keine Auffrischung bekommen haben, sollen sie jetzt bekommen", sagte Uellner, der mit dem auf Omikron angepassten Impfstoff nicht vor November rechnet: "Da ist es aber zu spät."
Geimpft werde in diesem Herbst in den Praxen, meinte er, Impfzentren werde es keine mehr geben. Für die Stadt Heilbronn kann sich Uellner eine erneute Aktivierung des Impfbusses vorstellen. 75 Prozent aller Heilbronner seien zwischenzeitlich mindestens zweimal geimpft. An die Personen, die sich bislang gar nicht hätten impfen lassen, komme man nicht ran, glaubt der Mediziner.
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