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Bekleidungsordnung an Schulen

Schulleiter: Auch ohne Kleidervorschrift ist nicht alles erlaubt

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Vergangene Woche forderte der Bundeselternrat, Schulen sollten sich auf Bekleidungsregeln unter den Schülerinnen und Schülern einigen. An Schulen in der Region ist die Position dazu gespalten. Lehrer setzen vor allem auf das Gespräch mit den Schülern. 

Zu freizügige Kleidung ist in den meisten Schulen der Region kein Problem.
Zu freizügige Kleidung ist in den meisten Schulen der Region kein Problem.  Foto: dpa (Symbolfoto)

Die Forderung des Bundeselternrats nach Bekleidungsregeln an Schulen ist in der Region auf unterschiedliche Resonanz gestoßen. „Wir empfehlen Schulen, einen Konsens über eine Kleiderordnung zu schließen“, hatte Christiane Gotte, die Vorsitzende der Organisation, in der vergangenen Woche gesagt. Dabei hatte sie vor allem „unangemessene, zerrissene oder freizügige Kleidung“ im Sinn.

Schulleiter: Nur wenige Fälle in der Vergangenheit

Thomas Rauscher, geschäftsführender Schulleiter der Schwaigerner Grundschulen, hält wenig davon, obwohl er zugibt, dass das Thema eine schwierige Balance erfordert. „Jeder hat das Recht, sich seine Kleidung auszusuchen.“ Andererseits sollte diese nicht so freizügig wie im Freibad sein. „Wir hatten bisher aber auch noch kein Problem damit“, so der Rektor der Grundschule Massenbach. Ein, zwei Fälle hat es demnach in den vergangenen Jahren gegeben, bei denen Mädchen zu freizeitmäßig angezogen waren. Hier habe ein kurzes Gespräch mit den Eltern allerdings ausgereicht, um dies zu korrigieren.

Er könne den Wunsch der Eltern verstehen. „Aber wenn man einen Leitfaden herausgibt, muss man auch festlegen, was an Kleidung noch in Ordnung ist, diesen immer wieder der Mode anpassen. Und womit will man Kindern bei Nichteinhaltung überhaupt drohen?“

 


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Rektor: Jugendliche sollen entscheiden können, wann welche Bekleidung angemessen ist

Auch an der Hölderlin-Werkrealschule Lauffen wird das Thema Kleidung immer wieder im Kollegium diskutiert. „Einerseits wollen wir keiner Schülerin und keinem Schüler die Möglichkeit nehmen, sich individuell auszudrücken und seine Persönlichkeit durch seine Kleidung zu unterstreichen, da das gerade für Jugendliche eine wichtige Form der Persönlichkeitsfindung darstellt“, sagt Rektor Christian Müller.

„Andererseits wollen wir den Jugendlichen mit auf den Weg geben, dass Kleidung anlassbezogen ist und dass man auch aufgrund seiner Kleidung beurteilt wird.“ Dies sei dem Kollegium im Hinblick auf ein späteres Berufsleben der Schüler wichtig. Die Jugendlichen sollen entscheiden können, wann welche Bekleidung angemessen ist. Dabei lehnt das Kollegium eine Bekleidung, „die irgendeine Form von Rassismus, Drogen oder Sexismus darstellt“, klar ab. In diesem Fall weise man die Schüler darauf hin und halte zur Not ein Schulshirt als neutrales Kleidungsstück bereit. Entsprechende Bekleidungsregeln finden sich in der Schulordnung wieder.

 


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Was nicht akzeptiert wird, sind Beleidigungen auf T-Shirts

Die Hölderlin-Realschule in Lauffen hat dieses Thema sowohl intern als auch mit dem Beirat, in dem die Elternschaft vertreten ist, diskutiert. „Man braucht die Rückendeckung der Eltern, und dort wird es kontrovers gesehen“, sagt Schulleiter Ernst Engelhaus. Was nicht akzeptiert wird, sind Beleidigungen auf T-Shirts. Auch mit den Schülern wird die Thematik besprochen. Für den Fall, dass ein Schüler keine angemessene Kleidung trägt, mache die Schule ein freiwilliges Angebot, Schulkleidung zu tragen.

An der beruflichen Andreas-Schneider-Schule in Heilbronn-Böckingen hält man wenig von Bekleidungsregeln. „So etwas haben wir nicht, denn es ist schwierig durch- und umzusetzen“, sagt Schulleiter Dieter Arweiler. „Es widerspricht auch meiner Philosophie. Schule ist für mich Freiraum, in dem man sich individuell entwickeln kann.“ Insofern wären Bekleidungsregeln aus seiner Sicht kontraproduktiv.

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