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Heilbronn

Bayerischer Bischof wird Württemberger Kopf

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Die Württembergische Gesellschaft hat den EKD-Vorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm in der Harmonie ausgezeichnet. Laudatorin Dunja Hayali würdigte den bayerischen Landesbischof als streitbaren Menschenfreund. Das Preisgeld in Höhe von 50.000 Euro geht an soziale Projekte.

Heinrich Bedford-Strohm mit der Urkunde, die ihn zum Württemberger Kopf macht, und (von links) mit Alexander Vöckler, Thomas Strobl, Andreas Fischer, Harry Mergel, Dunja Hayali und Joachim Scholz.
Heinrich Bedford-Strohm mit der Urkunde, die ihn zum Württemberger Kopf macht, und (von links) mit Alexander Vöckler, Thomas Strobl, Andreas Fischer, Harry Mergel, Dunja Hayali und Joachim Scholz.  Foto: Kunz, Christiana

Zum ersten Mal wieder mit 750 Gästen im großen Saal der Heilbronner Harmonie. Zum ersten Mal fast das Gefühl, als hätte es seit der Verleihung des ersten Württemberger Kopfes an den ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger 2019 keine Pandemie gegeben.

Zum ersten Mal wieder ein Abend mit prominenten Rednern und gleich zwei herausragenden Programmpunkten: Die Württemberger Gesellschaft überreichte ihren mit 50.000 Euro dotierten Preis an den EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm.

Innenminister Thomas Strobl verlieh dem Heilbronner IT-Unternehmer Andreas Fischer, Initiator des Vereins Miteinander und der Württemberger Gesellschaft, das Bundesverdienstkreuz. Und mit einer zart intonierten "Ode an die Freude" eröffnete das Württembergische Kammerorchester Heilbronn einen langen Abend, der nach den 2G-Regeln organisiert war - und der niemanden unbewegt ließ.

 


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Gutes Gewissen

Was Heinrich Bedford-Strohm zu einem Württemberger Kopf macht, hat Thomas Strobl humorvoll beschrieben: "Er ist in Memmingen geboren." Der westliche Stadtteil grenze an unser Land, der 61-Jährige sei demnach ein bayerischer Schwabe, den man mit guten Gewissen als Württemberger Kopf auszeichnen könne.

In einer leidenschaftlichen Laudatio würdigte Dunja Hayali den Preisträger Heinrich Bedford-Strohm als einen Mann, für den die Menschenwürde unverhandelbar ist.
Fotos: Christiana Kunz
In einer leidenschaftlichen Laudatio würdigte Dunja Hayali den Preisträger Heinrich Bedford-Strohm als einen Mann, für den die Menschenwürde unverhandelbar ist. Fotos: Christiana Kunz  Foto: Kunz, Christiana

Tatsächlich bekam Bedford-Strohm den Preis als einer, der Position bezieht, und der seine Stimme zu wichtigen Themen unserer Zeit erhebt. Die Württemberger Gesellschaft zeichnet Persönlichkeiten aus, die für demokratische Werte und eine freiheitliche Gesellschaft stehen.

Das Preisgeld wird durchgereicht und geht dieses Jahr zu jeweils gleichen Teilen an das Projekt Drom - ein Qualifizierungsprojekt für Sinti und Roma, die St. Josefspflege Mulfingen, das Albert-Schweitzer-Kinderdorf, den Verein Vita Assistenzhunde und die Sea Watch 4. Verschiedene Kinder- und Jugendeinrichtungen erhielten weitere 10.000 Euro.

Heinrich Bedford-Strohm bekam in einem abwechslungsreichen Tagesprogramm einige davon zu sehen: "Ich bin sehr berührt von diesem besonderen Tag", sagte er am Abend strahlend, "vor allem von den Kindern und Jugendlichen, denen ich begegnet bin."

Seit 2011 ist er bayerischer Landesbischof, seit 2014 Vorsitzender der Evangelischen Kirchen Deutschlands (EKD). Im November wird dieses Amt neu besetzt. Zwei Jahre bleibt er noch Landesbischof, dann warten andere Projekte wie seine beiden Professuren als Wissenschaftler in der Systematischen Theologie auf ihn.

Wie sehr sich Heinrich Bedford-Strohm als Württemberger Kopf eignet, machte TV-Moderatorin Dunja Hayali deutlich. Ihrer Laudatio gingen Worte voraus, die der Pfarrer angesichts im Mittelmeer ertrunkener Flüchtlinge in Palermo geäußert hatte: "Die Menschenwürde hat keine Nationalität. Sie kommt jedem zu, der somalischen Frau ebenso wie dem syrischen Kind. Deshalb dürfen wir die Not der einen nicht gegen die Not der anderen ausspielen." Der Schutz der Würde jedes Menschen sei für Bedford-Strohm unabhängig von Menschen gemachten Grenzen ein Leitbild, sagte Hayali: "Und das ist heute nicht überall gern gesehen."

Ehrenamt stärkt die Demokratie

Die Journalistin zeichnete das Bild eines Mannes, der für seine menschenfreundliche, versöhnende Haltung - auch gegenüber der zivilen Seenotrettung - immer wieder Anfeindungen bis hin zu Todesdrohungen im Netz ausgesetzt sei.

Er selbst legte den Schwerpunkt in seinem Vortrag auf die Bedeutung von Ehrenamt für das eigene Leben. Denn für ihn ist klar, dass es Glück immer nur "mit anderen zusammen im Engagement für andere" geben kann.

Selten passe ein Preis "derart ganzheitlich, nachhaltig und voll umfassend zu einem Preisträger wie dem heutigen", sagte Hayali. Bedford-Strohm betonte, die Auszeichnung ermutige Menschen, denen das Preisgeld gesellschaftliche Teilhabe und die Überwindung von Armut ermögliche.

Mehrmals am Abend war von bürgerschaftlichem Engagement die Rede, ohne das eine Demokratie nicht funktioniert: "Was wäre eine Welt, in der sich niemand kümmern, niemand anpacken würde? Man möchte es sich nicht vorstellen", sagte Thomas Strobl.

 
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