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Bad Wimpfen

Bad Wimpfen dient erneut als Filmkulisse

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In der Stauferstadt wird die Komödie "Hopfingen, da braut sich was zusammen" gedreht. Ausgestrahlt wird der Film Mitte 2018 im Ersten.

Von Kirsi-Fee Rexin
Regisseur Lancelot von Naso (r.) erklärt Schauspielerin Teresa Klamert die Szene. Der Gasthof Adler wurde für den Dreh in "Zum lustigen Fässle" umbenannt. Foto: Ralf Seidel
Regisseur Lancelot von Naso (r.) erklärt Schauspielerin Teresa Klamert die Szene. Der Gasthof Adler wurde für den Dreh in "Zum lustigen Fässle" umbenannt. Foto: Ralf Seidel

"Film ist immer auch ein bisschen Betrug", erklärt Lancelot von Naso schmunzelnd. Er muss es wissen, schließlich verwandelt der Regisseur gerade mit einem rund hundertköpfigen Team die Stauferstadt Bad Wimpfen in das schwäbische Städtchen Hopfingen, in dem eine Finanzkrise losgetreten wird, die weltweit für Furore sorgt. Auslöser: Der Videoclip einer 14-Jährigen, der scheinbar beweist, dass die Oberhopfinger Volkskasse pleite ist.

Seit September ist das Team nun für die Komödie "Hopfingen, da braut sich was zusammen" in der Altstadt zugange. Auch in Mosbach und auf Burg Hornberg in Neckarzimmern wurde bereits gedreht. "Wir haben im Vorfeld wochenlang eine intensive Motivtour gemacht. Und Bad Wimpfen zaubert mit seiner schönen Kulisse wirklich tolle Bilder", erzählt Produzent Frieder Scheiffele von Schwabenlandfilm.

Doch auch wenn die Suche nach den optimalen Gegebenheiten mit der Stauferstadt erfolgreich war, einzelne Veränderungen müssen trotzdem sein. Der kleine Teeladen in der Hauptstraße wurde mit Theke und Waffelhörnchenspender in eine Eisdiele verwandelt, der Gasthof Adler in "Zum lustigen Fässle" umgetauft. Von der Kneipe ist später allerdings nur der Schankraum zu sehen. "Wir mixen die Kulissen. Innen sind wir im Adler, die Außenfassade ist das Gasthaus Baum. Aber wer die Örtlichkeiten nicht kennt, dem fällt das nicht auf", verspricht Scheiffele.

Großer logistischer Aufwand

Der logistische Aufwand, der hinter der Produktion steckt, ist vor Ort unübersehbar: Unzählige Mitarbeiter wuseln mit Walkie Talkies am Set hin und her, Scheinwerfer werden gedreht, Requisiten immer wieder neu platziert, sogar die Uhr in der Kneipe muss je nach Szene neu gestellt werden. "Wir versuchen natürlich, so effizient wie möglich zu arbeiten." Deshalb werden nun alle Szenen in der Kneipe abgedreht, auch wenn das nicht der Reihenfolge im Film entspricht, dann erst geht's zum nächsten Set.

Ideengeber der schwäbischen Komödie "Hopfingen, da braut sich was zusammen", die laut Produzent Scheiffele Spaß machen, aber auch zum Nachdenken anregen soll, war Kabarettist Christoph Sonntag. Aus seinem zweiseitigen Exposé entstand im Auftrag von ARD, SWR und Endlich Freitag das Drehbuch. Dafür arbeiteten Autor Jürgen Werner, SWR-Redakteurin Margret Schepers, Produzent Frieder Scheiffele und Regisseur Lancelot von Naso über zwei Jahre hinweg intensiv zusammen.

 


 

Bei der Besetzung der Rollen hatte Margret Schepers von Anfang an eine bestimmte Vorstellung. "Bei der Figur Andreas Bühler, die die Unterhopfinger Bank übernimmt, ist mir sofort Oliver Wnuk in den Sinn gekommen", erinnert sich die Redakteurin von SWR. Glücklicherweise hätten sie auch alle gewünschten Schauspieler gewinnen können.

Neben Oliver Wnuk, der in Stromberg und der Schuh des Manitu mitspielte, stehen weitere renommierte Künstler vor der Kamera, zum Beispiel Grimme-Preisträgerin Inka Friedrich als Julia Kemmler und Herbert Knaup ("Das Leben der Anderen") als Oliver Wackernagel. Nesthäkchen Ella Lee (Lea Kemmler) bekommt in den Drehpausen von einem Ehepaar aus Bad Wimpfen Unterricht. Normalerweise hätte die 14-Jährige gerade Schule.

"Also: Marie kommt rein, legt ihre Jacke und Tasche ab und beginnt, die Stühle von den Tischen zu nehmen", erklärt Regisseur Lancelot von Naso und zeigt Teresa Klamert, wie sie im Gasthaus von Tisch zu Tisch gehen soll. Erst gibt es einen Probelauf, dann wird gedreht. In der Nebengasse sitzen Skriptschreiber und weitere Mitarbeiter und verfolgen die Szene auf einem Monitor. Teresa Klamert alias Marie Schwegler steht seit zwölf Jahren vor der Kamera. "Die Story hat mich direkt angesprochen, außerdem sind die Kollegen und der Regisseur toll", erklärt die 25-Jährige. Ihre Texte lernt sie am liebsten im Café. "Das Wichtigste ist, dass man sich in die Rolle einfindet."

Zu sehen sein wird der Film an einem Freitagabend Mitte 2018 in der ARD. Auf ein bis zwei Millionen Euro werden sich die Produktionskosten belaufen.

 

Erfahrung & Vorteil

Bad Wimpfen ist als Drehort nicht mehr jungfräulich. 2016 wurde das Drama "Freibadclique" im Mineralfreibad gedreht.

"Es ist natürlich auch ein großer Aufwand, aber dafür lohnt sich jede Minute. Wir sind schon gespannt, wenn der Film dann über den Bildschirm flimmert", verkündet Bürgermeister Claus Brechter voller Vorfreude. Schließlich hätte die Stadt so eine tolle Möglichkeit, sich zu präsentieren.

Dass seine Stadt in Hopfingen umgetauft wird, stört ihn eigentlich nicht. Zum Film würden einfach Fantasienamen gehören. "Ich hoffe nur, dass ich später nicht aufgezogen werde und es heißt: Ah, da kommt ja der aus Hopfingen", erklärt der Rathauschef lachend.

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