Archäologen finden Tausende Jahre alte Relikte in Bad Friedrichshall
Bei Grabungen im Areal "Obere Fundel" wurden viele Gräber entdeckt. Es folgen nun weitere Untersuchungen, an den freigelegten Skeletten sowie Tonscherben und anderen Fundstücken.

Bevor auf dem Areal "Obere Fundel" gebaut werden konnte, wurde die rund 20 Hektar große Fläche von Archäologen untersucht. Im Auftrag des Landesamtes für Denkmalpflege (LAD) hat die Grabungsfirma Archaeo-Connect aus Tübingen von November 2020 bis Ende August Bodendenkmäler freigelegt und dokumentiert. Gefunden hat das 15-köpfige Team in den knapp zehn Monaten allerhand Interessantes, berichtet Andrea Neth vom LAD. "Es ergibt sich ein sehr vielfältiges Bild eines typischen Altsiedelgebiets mit einer immens reichen, Jahrtausende alten Geschichte."
Bestattungsplatz aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. entdeckt
Die Ausgrabungen haben zum Beispiel ergeben, dass der Geländesporn, auch Fundelberg genannt, östlich des Neckars seit Jahrtausenden besiedelt war, teilt Andrea Neth mit. Bereits durch Voruntersuchungen wussten die Spezialisten, dass sich unter anderem ein Bestattungsplatz aus dem 3. Jahrtausend v. Chr, also aus der endneolithischen Kultur der Schnurkeramik in der Erde verbirgt. Der Name Schnurkeramik kommt von den in dieser Zeit typischen Tongefäßen, die in ungebranntem Zustand mit dem Eindrücken von gedrehten Schnüren verziert wurden. Die Archäologen legten in Kochendorf 14 Gräber aus dieser Zeit frei.
In den meisten Grabgruben, die gefunden wurden, war nur eine Person bestattet, in zwei Fällen konnten jedoch die Skelette von drei Menschen freigelegt werden. Die Toten waren mit angezogenen Beinen in der "Hockerstellung" niedergelegt worden. Die Bestimmung von Sterbealter, Geschlecht und möglichen Krankheiten oder Verletzungen der Verstorbenen erfolgt jetzt im Labor. Für die Reise ins Jenseits wurden den Toten verschiedene Gegenstände mitgegeben. Gefunden wurden Tongefäße, Steinbeile, Feuerstein- und Knochengeräte sowie als Besonderheit ein Dolch aus Feuerstein. "Wie und wo die Menschen der Schnurkeramik lebten, wissen wir nicht, da Siedlungen aus dieser Zeit in unserem Raum bisher unbekannt sind."
Auch Spuren aus der Bronze- und frühen Eisenzeit vorhanden
Es gab aber auch Spuren aus anderen Epochen. Etwa aus der späten Bronze- und der frühen Eisenzeit (1. Jahrtausend v. Chr.). Aus dieser Zeit wurden im Südteil des Areals sehr viele Vorrats- oder Kellergruben entdeckt. Während der frühen Eisenzeit - eine Epoche, in der Kelten in unserem Raum lebten - kam es auch vor, dass die Toten in solchen ehemaligen Vorratsgruben begraben wurden, berichtet Neth. In Kochendorf sei das sechs Mal beobachtet worden. In einem Falle handele es sich sicher um eine Frau, da sie Armringe aus Bronze trug. Noch jüngere Relikte stammen aus dem 20. Jahrhundert: Ein 1936 errichteter Bunker der Neckar-Enz-Stellung liegt im Grabungsfeld.
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare