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Heuss-Gedenktag: Erbe des großen Demokraten ist aktueller denn je

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Mehrere Hundert Gäste haben am Sonntag im Bürgerzentrum an Theodor Heuss erinnert. Zum 140. Geburtstag des gebürtigen Brackenheimers und ersten Bundespräsidenten standen die Herausforderungen, denen sich die Demokratie gegenüber sieht, im Vordergrund der Festreden.

1950: Bundespräsident Heuss und Oberbürgermeister Meyle auf dem Heilbronner Marktplatz.
1950: Bundespräsident Heuss und Oberbürgermeister Meyle auf dem Heilbronner Marktplatz.  Foto: Stadtarchiv Heilbronn

Eine Projektgruppe der Schule, die nach dem großen Sohn der Stadt benannt ist, führte zur Feier des Tages eine Zeitreise als Theaterstück auf. Der junge Theodor Heuss verirrt sich darin in Klassenzimmer der Gegenwart und zeigt sich etwas irritiert ob all der Veränderungen. Irritiert wäre Heuss heute möglicherweise angesichts des Zustands, in dem viele etablierte Demokratien sind. "Es knirscht im Gebälk", befand Festredner Felix Heidenreich. Der Philosoph und Politikwissenschaftler von der Universität Stuttgart sprach über die Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt.


Heuss-Gedenktag in Brackenheim: Klimawandel als Herausforderung für Demokratie

In einer Zeit der "Polykrisen", so Heidenreich, sei der Klimawandel "der Elefant im Raum" und vielleicht "das größte Problem, vor dem wir stehen". Dabei sieht der Buchautor Extrempositionen: Die einen hielten die Demokratie für gänzlich ungeeignet, den Übergang zu meistern. Für sie markiere die Auseinandersetzung mit dem Generationenthema das Ende der Demokratie. Andere marginalisierten den Klimawandel und dächten, die Technik werde es schon richten. Beides glaubt Heidenreich nicht.

Die Demokratie werde sich wandeln müssen, langfristiger planen, "Ressortgrenzen überwinden" müssen. Und: "Vieles, was privat war, wird es dann nicht mehr sein", erwartet er Veränderungen für jeden Einzelnen. Er nannte etwa den Umgang mit dem knapper werdenden Gut Wasser.

Festakt mit Heuss-Enkel Ludwig Theodor (Mitte), Redner Felix Heidenreich (Dritter von rechts ), Vertretern aus Politik, Heuss-Stiftung und -Freundeskreis. 
Foto: Lina Bihr
Festakt mit Heuss-Enkel Ludwig Theodor (Mitte), Redner Felix Heidenreich (Dritter von rechts ), Vertretern aus Politik, Heuss-Stiftung und -Freundeskreis. Foto: Lina Bihr  Foto: Lina Bihr

Die "epochale Veränderung" forderte, dass Staat und Gesellschaft kooperierten, "Hand in Hand" gingen, so der Lehrbeauftragte am Internationales Zentrum für Kultur- und Technikforschung der Universität Stuttgart. Vor diesem Hintergrund sei "die neue Staatsfeindlichkeit gefährlich".

Theodor Heuss, der 1963 im Alter von 79 Jahren starb und am 31. Januar 140 Jahre alt geworden wäre, sei ein "Wegbereiter für die Demokratie" sowie "Leit- und Vorbild", sagte Brackenheims Bürgermeister Thomas Csaszar. Heuss" Erbe zu bewahren, bedeute, für Grundwerte einzustehen. "Demokratie", so Csaszar, "ist kein Selbstläufer."

Ludwig Theodor Heuss, Enkel des ersten Bundespräsidenten, erinnerte an einen Ausspruch seines Großvaters. "Demokratie ist keine Glücksversicherung, sondern das Ergebnis politischer Bildung und demokratischer Gesinnung."

Große gesellschaftliche Veränderungen stünden bevor, und demokratische Gesinnung könne man nicht verordnen. Aber jeder könne sich in seinem Umfeld dafür einsetzen, warb der Heuss-Enkel um Zutrauen in die "Selbstwirksamkeit" jedes Einzelnen.

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