Auf den Spuren von Theodor Heuss durch Brackenheim
Zum 17. Geburtstag des Theodor-Heuss-Museums in Brackenheim organisierte Leiterin Susanne Blach eine eineinhalbstündige Abendführung durch die Stadt.

Seit dem 125. Geburtstag von Theodor Heuss schaut seine Bronzestatue, die zu einem beliebten Selfie-Partner geworden ist, lächelnd auf die Obertorstraße, in der einst sein Elternhaus stand. Jahr für Jahr erinnert Brackenheim Ende Januar an den Geburtstag seines bedeutendsten Sohnes.
Zum 17. Geburtstag des Heuss-Museums jetzt im August organisierte Leiterin Susanne Blach eine eineinhalbstündige Abendführung durch Brackenheim. Das Gedankengut des überzeugten Demokraten, der zum ersten Bundespräsidenten Deutschlands wurde, hält man im öffentlichen Raum lebendig: mit 15 Stelen mit in Edelstahlplatten eingefrästen Zitaten samt QR-Codes mit Kontext, aufgestellt im Stadtgebiet und seinen Stadtteilen zu Heuss" 130. Geburtstag. "Denkanstöße", mit denen sich die Passanten auseinandersetzen können.
Humanist, Vor- und Querdenker
Heuss, ein Humanist, Literat, politischer Vor- und Querdenker, drückte sich in langen Sätzen aus. Für Susanne Blach, Leiterin des Theodor Heuss-Museums, war es daher eine schöne und anspruchsvolle Aufgabe, geeignete Zitate in seinen Schriften zu finden und sie für die Stelen zu kürzen.
Susanne Blach vermittelt anschaulich und unterhaltsam Heuss"sches Gedankengut nebst deutscher und internationaler Zeitgeschichte. Der Spaziergang beginnt wenige Schritte neben der Statue. Die rot eingefärbte, geschwungene Stele strahlt Wärme aus, und die "Spaziergänger" dürfen sie anfassen und rätseln, woraus sie hergestellt ist. Dass es Beton ist, errät niemand. Passend zum Ort stammt das Zitat aus Heuss" Abschiedsrede als Bundespräsident, in der er über Brackenheim und die Zaber spricht. So wenig wie man das Flüsslein seiner Kindheit begradigt hat, so wenig hat er seine Gedanken begradigen lassen, sondern immer für seine Überzeugungen gekämpft.
Schlosshof

Mit einem Stopp an der Stele auf dem nahen Charnay-lès-Mâcon-Platz geht es durch den Schlosshof, in dem Heuss als Kind oft spielte, war er doch direkt neben seinem Elternhaus. Auf dem Spaziergang wird tatsächlich ganz "en passant" viel Geschichtswissen gelehrt und aufgefrischt.
Der jüngste Teilnehmer dieser spannenden Führung, der neunjährige Felix Börkel aus Meimsheim, fragt immer wieder interessiert nach, und Gertraude Stamm macht die Führung schon zum zweiten Mal mit - um ihr Wissen zu vertiefen und noch einiges dazuzulernen.
Und lernen kann man viel von Susanne Blach, die mit Herzblut bei der Sache ist, aus der die Fakten nur so sprudeln - für alle Teilnehmer ansprechend verpackt. Der QR-Code auf der Stele vor der alten Grundschule, der schon einige Male ersetzt wurde, fehlt. Offensichtlich ein beliebtes Souvenir bei Schülern mit einer nachahmenswerten Aussage: Ich pflege meine Entschlüsse aus eigener Entscheidung zu treffen.
Durch die Abendsonne flaniert die Gruppe, die immer wieder mit ihrer Leiterin Heuss" Aussagen diskutiert, zu der Stele an der Kreissparkasse und dann zum Rathaus.
Brackenheims Bürgermeister Rolf Kieser wünschte sich hier den häufig zitierten Satz über die Demokratie als Lebensform. Auf einer alten Fotografie, die Susanne Blach zeigt, erkennt Felix sofort, welche Veränderungen es am historischen Rathaus gegeben hat, seit Heuss vom Balkon aus zu den Brackenheimern sprach.
Polnischer Kreisel
Vorbei an der Stele am polnischen Kreisel geht es zurück zum Brackenheimer Heuss-Museum, wo bereits ein Gläschen Lemberger auf die Spaziergänger wartet. Schließlich hat Heuss über Weinbau promoviert und den "Brackenheimer Zweifelberg" in Bonn "gesellschaftsfähig" gemacht.
Rundgang
Die Stadt Brackenheim lädt mit seinen alten Fachwerkhäusern, der Jakobus-Kirche und dem Theodor-Heuss-Museum immer zu einem Rundgang ein. Radwege führen außerdem zu allen Stadtteilen, und auf Weinbergwegen radelt es sich ruhig durch das Zabergäu. Stadtführungen, auch themenbezogen, sowie Führungen zu Theodor Heuss sind ganzjährig buchbar. Weitere Infos dazu im Internet unter www.theodor-heuss-museum.de und www.neckar-zaber-tourismus.de.
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