300 Pädagogen im Land stocken nach Brandbrief auf
Die Reaktion auf einen Appell des Ministerpräsidenten ist in der Region durchwachsen. Die Lehrerversorgung im Schulamtsbezirk Heilbronn bleibt schwierig.
Die Personaldecke an den Schulen in Baden-Württemberg ist dünn. Speziell für die Region Heilbronn ist es schwer, Lehrer zu finden. Auch der Prestigegewinn durch Buga und Experimenta kann die Beliebtheit von Unistädten wie Tübingen, Heidelberg oder Freiburg bei Studienabgängern nicht schmälern.
Wie viele Lehrer in der Region derzeit fürs kommende Schuljahr noch fehlen, will das Kultusministerium in Stuttgart nicht sagen. Nur so viel: "Es gibt Gebiete, die besonderen Bedarf haben, in den vergangenen Jahren war Heilbronn dabei", sagt ein Sprecher. 19.000 zusätzliche geflüchtete Kinder und Jugendliche aus der Ukraine verschärften nach Auskunft des Ministeriums die angespannte Situation an den Schulen.
300 neue Anträge auf Teilzeiterhöhung sind seit dem Brief eingegangen
In einem gemeinsamen Brandbrief hatten sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Kultusministerin Theresa Schopper in diesen Tagen an die Lehrer gewandt. "Bitte überlegen Sie, ob Sie nicht im kommenden Schuljahr eine, zwei oder drei zusätzliche Stunden unterrichten können," heißt es in dem Schreiben. Und weiter: "Wenn jede zweite Lehrkraft in Teilzeit eine Stunde zusätzlich pro Woche unterrichten würde, könnten wir im kommenden Schuljahr 1000 Deputate gewinnen." Seit dem Aufruf gibt es 300 neue Anträge auf Teilzeiterhöhung, sagt der Sprecher. "Das ist beträchtlich." Wie viele auf den Appell zurückgehen, lasse sich nicht feststellen.
Der Lehrerverband GEW kritisiert das Vorgehen. "Wir weisen seit Jahren darauf hin, dass wir in eine massive Mangelversorgung hineinschlittern, unabhängig von Corona und dem Krieg in der Ukraine," sagt Harald Schröder, GEW-Kreisvorsitzender Heilbronn. "Dass sich der Ministerpräsident inzwischen selbst äußert, zeigt, wie sehr die Hütte brennt." Das Oberzentrum stehe bei jungen Leuten nicht oben auf der Wunschliste. "Die Lehrer wissen, wenn sie einmal in Heilbronn sind, kommen sie nicht mehr weg, weil Versetzungsanträge kaum noch angenommen werden. Das spricht sich herum."
Staatliches Schulamt versucht, die Lücken zu füllen
Dass die Personalsituation schwierig sei, bestätigt Markus Wenz, Leiter des Staatlichen Schulamts Heilbronn. "Wir versuchen, die Lücken bis Ende September zu füllen und alle Abordnungsregister zu ziehen." Für Unmut unter den Pädagogen sorgt zudem der Umstand, dass trotz des Lehrermangels die befristeten Arbeitsverträge von rund 4000 Pädagogen in Baden-Württemberg auslaufen, und sie sich den Sommer über arbeitslos melden müssen.
In Rheinland-Pfalz gibt es eine Stichtagsregelung
In anderen Bundesländern wie im benachbarten Rheinland-Pfalz gibt es eine Stichtagsregelung, so dass Angestellte in den großen Ferien nicht arbeitslos werden. Die Handhabe in Baden-Württemberg zeuge von mangelnder Wertschätzung und erschwere für die Schulleitungen die Planung, so der Vorwurf. "Das Thema steht im Koalitionsvertrag", sagt der Sprecher des Kultusministeriums in Stuttgart. Es sei unklar, ob die Mehrkosten von jährlich 14,8 Millionen Euro bei einer Änderung des Modells im nächsten Haushalt eingerechnet würden.
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