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Neue Lehrer

Quereinsteiger wollen nur an berufliche Schulen

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Das Land intensiviert die Suche nach Lehrern. Nun zeigt sich: Ein duales Studium wird wenig nachgefragt, auch bei den Quereinsteigern tut sich so gut wie gar nichts bei Grundschulen, Gymnasien und der Sekundarstufe 1.

Trotz Sommerferien können sich Interessierte für einen Job in Klassenzimmern bewerben. Wer den Direkteinstieg machen möchte, hat noch Zeit bis Ende Oktober.
Trotz Sommerferien können sich Interessierte für einen Job in Klassenzimmern bewerben. Wer den Direkteinstieg machen möchte, hat noch Zeit bis Ende Oktober.  Foto: Fabian Sommer

Die Lehrerversorgung bleibt drängendes Thema, gerade bei den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) herrscht große Not – auch in der Region. Matthias Schinko vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) geht sogar davon aus, dass hier Unterricht gestrichen werden muss.

Das Kultusministerium hat reagiert und versucht mit einer großen Werbekampagne, Quereinsteiger für den Beruf zu gewinnen. Nun zeigt sich: Die Resonanz auf den sogenannten Direkteinstieg ist bescheiden, außer bei den beruflichen Schulen, die schon länger damit Erfahrung haben.

Als Quereinsteiger an eine Schule? Die meisten Direkteinsteiger zieht es an berufliche Schulen.

Elf Personen wollten vergangenes Schuljahr erstmals über den Direkteinstieg zum Unterricht an ein allgemeinbildendes Gymnasium kommen, dieses Jahr sind es laut Kultusministerium landesweit gerade einmal fünf. Hinter vorgehaltener Hand wundern sich viele, dass das Land an dieser Ausbildung weiterhin festhält. Sie gilt als teuer, weil Direkteinsteiger neu an Schulen sind sowie an Aus- und Fortbildungsseminaren für den Unterricht fit gemacht werden.

Auch an den Schulen der sogenannten Sekundarstufe 1 gehen die Zahlen zurück, von 44 im Vorjahr auf acht diesen Herbst, an der Grundschule ist die Tendenz ebenfalls rückläufig.

Das sagt das Kultusministerium zum Rückgang der Direkteinsteiger

Das Kultusministerium führt das darauf zurück, dass die Bewerberlage in Teilen besser als im Vorjahr sei. „So stehen beispielsweise in der Grundschule aufgrund der Studienplatzerhöhungen in der Vergangenheit mehr ausgebildete Grundschullehrkräfte zur Verfügung, die Direkteinsteigern vorgezogen werden“, betont eine Sprecherin des Kultusministeriums auf Anfrage. „Hinzu kommt, dass wir bis zum Zeitpunkt des Auffindens der 1440 Stellen weniger offene Stellen zu besetzen hatten als im vergangenen Jahr.“ Sie bezieht sich damit auf offene Stellen, die seit 20 Jahren wegen eines IT-Fehler nicht besetzt und erst vor wenigen Wochen entdeckt wurden.

Mit einem dualen Studium sollen weitere Interessierte für den Lehrerberuf gewonnen werden. Bei der Premiere im vergangenen Jahr schrieben sich acht Personen ein, davon sind noch sechs Studenten dabei – einer will ans Gymnasium, vier an eine berufliche Schule, ein weiterer macht sich fit fürs Lehramt Sekundarstufe 1.

Über ein duales Studium in ein Klassenzimmer? Es gibt eine überschaubare Anzahl an Studenten

Das Kultusministerium bleibt gelassen. „Die aktuell noch überschaubare Anzahl“ sei für ein neues Studienangebot üblich, so die Sprecherin. Fürs Wintersemester stehen die endgültigen Zahlen noch nicht fest. „Es zeichnet sich ab, dass diese höher sein werden als im vergangenen Wintersemester.“

Viele Junglehrer, die nach ihrem Referendariat an ein allgemeinbildendes Gymnasium wollten, finden keine Stelle an dieser Schulart – selbst wenn sie sich nach eigenen Angaben landesweit bewerben. „Wir hatten noch nie eine solche Situation“, sagte kürzlich Martina Geiger, die in Heilbronn das Ausbildungsseminar für angehende Lehrer an Gymnasien leitet. Dort führt die Hängepartie auch dazu, dass Junglehrer nach ihrer Ausbildung in ein benachbartes Bundesland gehen, wo es entsprechende Lehrerstellen gebe.

Nach dem Referendariat kein Job: Diese Möglichkeiten schafft das Kultusministerium

Das Kultusministerium weiß laut der Sprecherin um die Situation der Junglehrer. Dass diese kein Einstellungsangebot erhalten hätten, liege zum Teil an den Fächerkombinationen der Personen, aber auch an deren räumlicher Flexibilität. 

Das Ministerium will nach eigenen Angaben vielen ausgebildeten Gymnasiallehrkräften ein Einstellungsangebot  machen, deshalb seien verschiedene Maßnahmen ergriffen worden: 50 zusätzliche Stellen für Gymnasien, um Lehrkräfte, die Mangelfächer unterrichten können, frühzeitig zu binden. 300 zusätzliche Stellen gibt es als sogenanntes Abordnungskontingent. Lehrer würden zwar an einem Gymnasium eingestellt, aber umgehend in Schulen der Sekundarstufe I beziehungsweise berufliche Schulen abgeordnet. Nach vier Jahren bekommen sie laut der Sprecherin eine Einstellungszusage für ein Gymnasium.

Zudem können sich Gymnasiallehrkräfte auf Stellen an Grundschulen bewerben, ähnliche Angebote gibt es für einen Wechsel an eine Schule der Sekundarstufe 1 sowie auf gymnasiale Stellen an Gemeinschaftsschulen und Beruflichen Schulen.

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