Nach Raubüberfall auf Unternehmerfamilie in Kirchheim: Mutmaßlicher Tippgeber vor Gericht
Die Komplizen, die zu fünft eine Unternehmerfamilie in Kirchheim am Neckar mit Waffengewalt ausgeraubt haben, sind vom Landgericht Heilbronn bereits verurteilt worden. Jetzt muss sich ein weiterer Angeklagter verantworten.
Wegen des Vorwurfs der schweren räuberischen Erpressung muss sich seit Mittwoch ein türkischer Staatsbürger vor der Dritten Großen Strafkammer des Heilbronner Landgerichts verantworten. Laut Staatsanwältin Annika Osebek soll der 36 Jahre alte B.A. den bereits für den Raub verurteilten Tätern den Tipp gegeben haben, dass in dem Haus einer Unternehmerfamilie in Kirchheim am Neckar "viel Beute zu holen" sei.
Von Bargeld bis zu einer Million Euro soll die Rede gewesen sein. Die Beute sollte anschließend zwischen den Tätern und dem Tippgeber aufgeteilt werden, so die Anklage.
Während einer der bereits Verurteilten im Fluchtwagen vor dem Haus gewartet habe, seien die vier anderen in das Haus des Opfers eingedrungen. Dort hielten sie den Geschädigten und vier weitere Familienmitglieder etwa eine halbe Stunde lang fest und forderten die Herausgabe von Bargeld zunächst in Höhe von einer Million Euro, nach einer Weile von einer halben Million Euro.
Überfall in Kirchheim: Räuber bedrohten ihre Opfer mit Schusswaffen
Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, brachen sie dem Hausbesitzer in einem Handgemenge die Nase und bedrohten die Familien mit zwei Schusswaffen. Am Ende erbeuteten sie 2750 Euro Bargeld, zwei Mobiltelefone, eine Lederjacke sowie eine Rolex-Uhr und eine Uhr von Versace im Gesamtwert von knapp 20.000 Euro.
Laut Auffassung des Gerichts wartete der bereits verurteilte Y. im Fluchtwagen. Bis zuletzt hatte er aber jede Mittäterschaft bestritten. Dem Gericht sagte Y. allerdings während der Verhandlung den Namen des mutmaßlichen Tippgebers. Demnach soll es sich um den jetzt angeklagten B.A. handeln.

Angaben über Tippgeber bei Verhandlung gegen Räuber in Heilbronn
Als der Name fiel, sei ein Raunen durch den Zuschauerraum gegangen, erinnerte sich die damalige Staatsanwältin Catrin Waldhier am Mittwoch an die Verhandlung gegen die Räuber Anfang dieses Jahres. B.A. sei eine Größe in Mannheim. Alle hätten Angst vor ihm, so die damalige Staatsanwältin, die inzwischen Richterin am Amtsgericht Heilbronn ist.
Der Richter im Prozess gegen die Räuber bestätigte die Angaben der damaligen Staatsanwältin. "Y. hat jede Tatbeteiligung abgestritten", sagte Richter Ralf Hähnle. Über den Tippgeber könne er aber Angaben machen. Das habe er dann auch getan, obwohl ihm das Gericht keine Zusage für ein Entgegenkommen gemacht habe, so Hähnle.
Unternehmerfamilie in Kirchheim ausgeraubt: Polizist bekommt mutmaßlichen Hinweis
Nachdem B.A. daraufhin im März dieses Jahres verhaftet wurde, meldete sich ein Mann auf dem Privathandy eines Mannheimer Polizeibeamten. Er habe von B.A. eine Versace-Uhr geschenkt bekommen und befürchte, dass sie aus einem "schweren Verbrechen" stammen könne, sagte der Polizist am Mittwoch im Zeugenstand.
Die Frage von Richter Thomas Berkner, ob der Beamte häufiger dienstlich auf seinem Privathandy angerufen würde, bejahte der Polizist. Er sei bekannt in der Stadt. Gegen den 49 Jahre alten Polizeihauptkommissar lief zwischenzeitlich ein internes Untersuchungsverfahren, weil er angeblich Mitglied einer Erpresserbande gewesen sein soll.
Verfahren gegen den Polizisten eingestellt – Beamter berichtet von Schulden
Das Verfahren gegen den Polizisten sei zwischenzeitlich eingestellt. Auf Nachfrage von Rechtsanwalt Lars Middendorf räumte der Beamte aber ein, einen fünfstelligen Betrag an Schulden bei einem mutmaßlichen arabischen/kurdischen Clan zu haben. Mittlerweile wurde der Beamte nach Heidelberg versetzt.
Für Middendorf und seinen Co-Anwalt Jens Klein ist die Anschuldigung eine abgekartete Sache, die ihren Mandanten in das Verbrechen hineinziehen soll. Für diese Version spricht zumindest die Aussage einer der verurteilten Räuber am Mittwoch im Zeugenstand. Seiner Kenntnis nach handele es sich bei dem Tippgeber um einen Mann namens S. Die Verhandlung wird am Montag, 25. November, fortgesetzt.
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