Islamisten-Prozess in Heilbronn: Angeklagter möchte sich entschuldigen
Im Prozess gegen drei mutmaßliche Islamisten haben die beiden Hauptangeklagten am Freitag, 10. Januar, vor dem Landgericht Heilbronn Geständnisse abgelegt.
„Ich habe ordentlich Mist gebaut und stehe dafür gerade“, sagte der 25 Jahre alte Angeklagte Y. am Freitag vor der Großen Jugendkammer des Heilbronner Landgerichts. Seine Taten seien nicht zu rechtfertigen. Auch nicht durch die zahlreichen Kränkungen, die der deutsche Staatsbürger mit türkischen Wurzeln im Laufe seines Lebens erfahren habe. In der Schule und beruflich, so der Bad Friedrichshaller. Er wolle sich dafür bei allen Beteiligten entschuldigen.
Gemeinsam mit dem sieben Jahre jüngeren Ö. aus Weinheim hatte er sich im vergangenen Frühjahr im Internet zu einem Anschlag auf eine Synagoge in Heidelberg oder Frankfurt verabredet. Auch von einem Verlag in München war offenbar die Rede. Mutmaßlich wollten sie mindesten zwei jüdische Bürger töten und sich anschließend selbst von Polizeibeamten erschießen lassen. Ein Bekennervideo sollte nach ihrem Tod ein politisches Zeichen setzen. Aufgenommen hatten sie offenbar nichts.

Islamisten-Prozess in Heilbronn: Hauptangeklagter hat sich in den sozialen Medien radikalisiert
„Ich bin kein Judenhasser“, betonte Y. Lediglich sogenannte Zionisten seien für ihn ein Problem gewesen. Die einen Anspruch auf Syrien und halb Ägypten erheben, so der Bad Friedrichshaller weiter. Seit dem Krieg im Nahen Osten habe er mit ansehen müssen, wie „palästinensische Glaubensbrüder zerstückelt werden“. Da habe er etwas unternehmen wollen, um mediale Aufmerksamkeit zu erreichen.
Nach zahlreichen Fehlschlägen in mehreren Schulen und auf seinem beruflichen Weg habe er keine staatliche Hilfe erhalten, so Y. Deshalb habe er eine zunehmend feindselige Haltung eingenommen. Der Islam sei ihm eine Stütze geworden. In den sozialen Medien habe er sich immer mehr in Richtung Salafismus radikalisiert.
Anfang April flog der 25-Jährige schließlich in die Türkei, um sich von dort aus den rebellischen HTS-Kämpfern in Syrien anzuschließen. Daraus wurde allerdings nichts. Die Einreise nach Syrien misslang. Schließlich kehrte er nach Deutschland zurück
Prozess in Heilbronn: Angeklagter hat sich als Jugendlicher Propagandafilm der IS angeschaut
Er sei der Hauptverantwortliche in diesem Prozess, sagte Y. im Landgericht. Die beiden anderen Angeklagten habe er gewissermaßen hineingezogen. Ö. sei nicht so gewaltbereit gewesen wie er selbst. Tatsächlich hat Y. bei einer Hausdurchsuchung im Anfang Mai 2024 Polizeibeamte mit Messern angegriffen und wurde dabei angeschossen. Dafür muss sich Y. in einem Parallelprozess vor dem Landgericht verantworten.
Die jüdischen Einrichtung in Heidelberg und Frankfurt hatten sich die beiden Hauptangeklagten ausgesucht, weil sie dort im Internet angeblich Hinweise auf Zionisten gefunden hätte. Ein weiterer Grund sei gewesen, dass Heidelberg nicht weit von Ös Heimatort Weinheim entfernt sei.
Angeklagte in Heilbronn planten offenbar Attentat auf Bundeskanzler Scholz
Der 18 Jahre alte Ö. legte ebenfalls ein Geständnis ab. „Ich war verzweifelt und sehr wütend.“ Nach seinem Hauptschulabschluss habe er beruflich nicht Fuß fassen können. Er sei viel alleine zuhause gewesen und habe sich schließlich im Internet Propagandafilme der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) angeschaut. Unter anderem Filme von Enthauptungen, die er als Jugendlicher „ganz witzig“ gefunden habe. Mit der Zeit habe er sich davon abgewendet.
Aus dem Chatverlauf zwischen Y. und Ö. ging hervor, dass die beiden immer wieder mit dem Gedanken spielten, in ein islamisches Land auszureisen. Deutschland sei Feindesland. Weil die Bundesrepublik den Staat Israel im Gazastreifen unterstütze. Sollte es mit einem Anschlag auf jüdische Einrichtungen nicht klappen, wollten sie Bundeskanzler Olaf Scholz ermorden, um ein Zeichen zu setzen.
Der dritte Angeklagte H. aus Untereisesheim wird beschuldigt, Y. bei der Vorbereitung zu einer schweren staatsgefährdenden Straftat zu unterstützen. Er hatte Y. offenbar am 1. April 2024 zum Flughafen nach Stuttgart gefahren, von wo aus Y. nach Istanbul geflogen ist.
Dritter Angeklagter will von den Plänen nichts gewusst haben
H. habe von seinen Plänen nichts gewusst, sagte Y. Der mutmaßliche Fahrer sagte, Y. habe sich am Tag des Abfluges spontan bei ihm gemeldet. „Er wollte in die Türkei fliegen. Über weitere Pläne wusste ich nicht Bescheid“, sagte H.
Zweifel an dieser Version hat der Heilbronner Polizeibeamte, der die Chatnachrichten zwischen Y. und H. ausgewertet hat. Darin soll Y. unter anderem geschrieben haben, dass etwas schiefgegangen sei, wenn H. von ihm nichts mehr höre. Und, dass er noch immer in der Türkei sei.
Die Eltern des Hauptangeklagten machten am Freitag von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Dem Verlesen der polizeilichen Vernehmung stimmen sie aber zu. Sie hatten sich an die Polizei gewandt, weil sie sich Sorgen um ihren sich zunehmend radikalisierenden Sohn gemacht hätten und verhindern wollten, dass irgendjemanden etwas passiert. „Der Islam ist eine friedliche Religion“, so der Vater von Y.
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