Illegale Prostitution auf dem Land: Das verborgene Geschäft in der Region Heilbronn-Hohenlohe
Immer mehr Frauen aus China bieten über Erotikportale Sexarbeit an – selbst in kleinen Gemeinden wie Widdern oder Kirchardt. Dirk Baier vom Kriminologischen Institut der Universität Zürich geht von Organisierter Kriminalität aus.
Prostituierte werben mit den Namen Coco, Alis oder Nana. Und sie bieten ihre Dienste auf dem Land an. Das Geschäft mit käuflichem Sex in Dörfern und Kleinstädten in der Region Heilbronn-Hohenlohe floriert. Das zeigen Anzeigen auf einschlägigen Erotikportalen. Dabei ist laut Landesverordnung in Städten unter 35.000 Einwohnern Prostitution verboten. In der Region ist Sexarbeit damit nur in Heilbronn erlaubt. Die beiden nächst größeren Städte sind Neckarsulm und Öhringen mit jeweils um die 25.000 Einwohnern. Auch dort bieten Prostituierte ihre Dienste an.
Prostitution im Raum Heilbronn: Kontrollen erfolgen durch örtliche Polizeidienststelle
Das ruft mitunter die Polizei auf den Plan. „Kontrollen erfolgen durch die örtliche Polizeidienststelle“, sagt Frank Belz, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Heilbronn. Bei Prostitution in Gemeinden unter 35.000 Einwohnern liege eine Ordnungswidrigkeit vor. Die örtliche Gemeinde werde informiert. Bei „beharrlicher Zuwiderhandlung“ gegen das Verbot liege eine Straftat vor. Statistisch erfasst die Polizei die Einsätze nicht. Unklar also, wie oft die Polizei auf dem Land Prostituierte kontrolliert.
Prostitution im Landkreis Heilbronn: Häufig werden Ferienwohnungen angemietet
Auf den einschlägigen Internetportalen werben die Frauen täglich. Mal in Bad Rappenau, Lauffen, Kirchardt, Kupferzell oder Widdern. Häufig sei es so, dass gezielt Ferienwohnungen über Online-Buchungsportale angemietet werden, erklärt Belz. Die Schlüsselübergaben erfolgen oft über Schlüsseltresore ohne persönlichen Kontakt zum Vermieter. Bis Nachbarn das sündige Treiben melden, seien die Frauen häufig schon weitergezogen. Die Wohnungen seien lediglich für wenige Wochen angemietet worden.
„In diesen Fällen ist anzunehmen, dass dem Vermieter nichts über die zweckentfremdete Nutzung der Wohnung bekannt ist“, sagt der 54-Jährige. Bestehe aus Sicht der Polizei der Verdacht, dass Wohnungen gezielt an Prostituierte vermietet werden, werde die Gemeinde darüber informiert.

Razzia mit 250 Bundespolizisten in mehreren Bundesländern
Auffällig gerade auf dem Land sind Prostituierte aus China. Im Dezember hatte es eine Razzia mit 250 Bundespolizisten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Baden-Württemberg gegeben. Ein 32-jähriger chinesischer Staatsangehöriger soll die Frauen bundesweit in Ferienwohnungen, Monteurunterkünften und Hotelzimmern zur Prostitution vermittelt haben. Der zweite Beschuldigte, ein 41-jähriger Chinese, soll die Frauen auf Erotikportalen mit mehr als 1100 Anzeigen beworben haben.
Prostitution auf dem Land: Oft stecke Organisierte Kriminalität dahinter
Nach Ansicht von Professor Dirk Baier vom Kriminologischen Institut der Universität Zürich werde zum Thema Menschenhandel und zur sexuellen Ausbeutung in Deutschland kaum geforscht. So weit bekannt kämen chinesische Prostituierte direkt aus ihrem Heimatland. Manchmal gelangen sie über Umwege aus der Schweiz, aus Österreich oder gar aus den arabischen Staaten nach Deutschland, um hier anzuschaffen.
Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit stecke Organisierte Kriminalität dahinter. Diese gehe mit einem hohen Grad der Ausbeutung und des Zwangs einher. „Diese Frauen befinden sich in einer kulturell völlig anderen Gesellschaft, sie sind enorm abhängig von den ausbeutenden Personen“, sagt der 49-Jährige. In vielen Fällen werde ihnen der Pass abgenommen, verdientes Geld einbehalten, ihnen werde gedroht, bis hin zu körperlicher Gewalt, die ihnen angetan werde. Der Kontakt ins Heimatland sei mehr oder weniger unmöglich. „Die Frauen sind enorm isoliert.“
Prostituierter wurde die Wohnung in Widdern gekündigt
Als der stellvertretende Bürgermeister von Widdern Günter Vogel von den Bürgern über eine Prostituierte in einer Wohnung erfuhr, sei er auf den Vermieter zugegangen und habe ihn informiert. „Drei, vier Monate hat es gedauert, bis die Prostituierte aus der Wohnung war.“ Die Frauen, erklärt der 63-Jährige, seien doch die Opfer. „An die Hintermänner kommt man nicht ran.“
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