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Polizei-Einsatz auf Heilbronner Marktplatz – mehr als 100 Personen kontrolliert

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Polizisten haben am Donnerstagabend erneut in größerem Stil auf dem Heilbronner Marktplatz kontrolliert – insgesamt mehr als 100 Personen. Hintergrund ist die Präventiv-Aktion "Sicheres Heilbronn".


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Erst Mitte November gingen der Polizei bei Kontrollen in der Heilbronner Innenstadt einige gesuchte Männer ins Netz. Insbesondere am Marktplatz waren die Beamten auf Drogen, mutmaßliche Dealer und Gewalttäter gestoßen. Kurz nach dem Start des Heilbronner Käthchen Weihnachtsmarkts war die Polizei erneut mit zahlreichen Beamten im Einsatz.

Bei einer größeren Kontrollaktion sind am Donnerstagabend auf dem Heilbronner Markplatz und am Hauptbahnhof mehr als 100 Personen kontrolliert worden. Solche verdachtsunabhängigen Personenkontrollen sind inzwischen zulässig an Orten, an denen es immer wieder zu kriminellen Handlungen kommt und die ausgewiesene Waffenverbotszonen sind.

Kontrolle in Heilbronn: Zugänge zum Marktplatz von Polizei abgesichert

Die Polizisten begannen die Kontrolle damit, dass sie in kleinen Gruppen die einzelnen Zugänge zum Marktplatz betraten – das habe den Zweck, dass sich niemand der Kontrolle entziehen könne, indem er zur anderen Seite hin flüchte, erklärt Polizeisprecher Manuel Unser am Donnerstagabend vor Ort.

Die Polizei kontrollierte am Donnerstagabend erneut den Bereich rund um den Heilbronner Marktplatz.
Die Polizei kontrollierte am Donnerstagabend erneut den Bereich rund um den Heilbronner Marktplatz.  Foto: Berger, Mario

Die Stände des Heilbronner Weihnachtsmarkts sind um kurz nach 18 Uhr bereits gut belebt. Neugierig beobachten die Besucher, was die vielen plötzlich eintreffenden Polizisten machen. Es bleibt weitgehend ruhig - auch unter jenen vor allem jungen Männern, bei denen sich die Beamten fürs genauere Hinschauen entscheiden. Wer kontrolliert wird, dass sei einzelfallabhängig und werde von seinen Kolleginnen und Kollegen auf Grundlage polizeilicher Erfahrung entschieden, sagt Unser.

Kontrolle in Heilbronn: Polizei beschlagnahmt Taschenmesser eines 27-Jährigen

Auf Höhe der Geschäftsstelle der Heilbronner Stimme in der Kaiserstraße führen die Polizisten die einzelnen Personenkontrollen durch. Mobile Lampen leuchten den Platz dort aus. Ein 27 Jahre alter Mann habe ein Taschenmesser mit sich geführt mit einer Klingenlänge von 4,5 Zentimeter, berichtet Unser über das Ergebnis der Kontrolle. Der Mann sei wegen eines Diebstahlsdelikts polizeibekannt und türkischer Nationalität, sagt Unser auf Nachfrage. Er habe sich nicht zur Wehr gesetzt - und muss nun wegen des Mitführens des Messers mit einem Ordnungsgeld rechnen.

Sie finde Polizeikontrollen an dieser Stelle grundsätzlich positiv, sagt eine junge Frau, die an der Kontrolle vorbeiläuft. Sie steige hier fast jeden Tag in einen Bus und habe schon häufig registriert, wie hier Drogengeschäfte abliefen, schildert sie. Oftmals würden die Dealer ihre Drogen verstecken, hinter einem Stromverteiler oder einer Regenrinne beispielsweise, und sie erst dann hervorholen, wenn jemand etwas davon kaufen wolle.

Dieses Vorgehen sei der Polizei durchaus bekannt, sagt Polizeisprecher Manuel Unser. Aus Täterperspektive gehe es darum, die Drogen möglichst wenig bei sich zu führen - damit der Besitz der Droge nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden könne. Am Donnerstagmittag sei von Polizisten gegen 16 Uhr in der Rosengasse ein genau solcher Fall erfasst worden. Ein 38-jähriger Mann habe verschreibungspflichtige Medikamente in einem Blumenkübel versteckt - und muss nun mit einer Anzeige wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz rechnen.

Kritik an Auswahlkriterien – aber Verständnis für Kontrolle der Heilbronner Polizei

Nicht sonderlich begeistert reagiert Pallace Copeland aus Ellhofen über die Polizeikontrolle – er wurde von Polizisten zur Kontrolle ausgewählt. "Wenn das jetzt einmal im Jahr der Fall wäre, wäre das ja kein Problem", sagt der 28-Jährige. "Aber mir passiert das ständig." Copeland führt das auf seine Hautfarbe zurück – er ist Sohn eines schwarzen US-Amerikaners und einer Deutschen. Die Problematik in der Heilbronner Innenstadt sei ihm aber durchaus bekannt, sagt Copeland – insofern habe er grundsätzliches Verständnis dafür, dass die Polizei kontrolliert. Nur die Auswahlkriterien und das willkürliches Vorgehen passten ihm nicht, sagt er. Demiz Sentürk (26), der ebenfalls kontrolliert wurde, versteht Copelands Frust, hält aber ebenfalls die Polizeikontrollen für eine sinnvolle Sache.

Wie Polizeisprecher Manuel Unser sagt, gehe es bei den Kontrollaktionen vor allem darum, das Sicherheitsgefühl der Menschen in Heilbronn zu stärken. Erst wenige Stunden zuvor hatte die Heilbronner Polizei mit Blick auf die Gesamtlage in Deutschland in Zeiten von islamistischen Bedrohungslagen in einer Pressemitteilung erklärt, es bestehe kein Grund, "auf die Durchführung oder den Besuch einer Weihnachtsveranstaltung zu verzichten." Darauf angesprochen, ob man das wirklich voller Gewissheit sagen könne, entgegnet Unser: "100-prozentige Sicherheit gibt es nie."

Polizei kontrolliert auch Bereich am Heilbronner Hauptbahnhof

Nach der Großkontrolle am Marktplatz fand noch eine zweite auf dem Bahnhofsvorplatz statt. Dort wurde gegen 19.50 Uhr ein Mann kontrolliert, der in seinem Rucksack ein Multifunktionstool mit einem Messer mit einer Klingenlänge von sechs Zentimeter bei sich hatte. Außerdem habe er in der Jackentasche ein Zweihandmesser mit einer Klingenlänge von 8,5 Zentimeter bei sich gehabt. Beiden Messer seien sichergestellt worden.

Die Kontrollen wurden von Bundespolizei, Bereitschaftspolizei, dem Kommunalen Ordnungsdienst und der Waffenbehörde der Stadt Heilbronn unterstützt. Die überwiegende Mehrheit der insgesamt 124 Personenkontrollen sei ohne Beanstandungen verlaufen, heißt es in einer Pressemitteilung von Freitagmittag. Dabei werden selbst verhältnismäßige Kleinigkeiten geahndet: "Auf einen Mann kommt ein Bußgeld wegen des Verstoßes gegen die Stadtverordnung zu, nachdem er auf den Boden spuckte", heißt es in der Mitteilung weiter.

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