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Plötzlicher Herztod beim Sport: Neckarsulmer Arzt erklärt, wie man Risiken rechtzeitig erkennt

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Sport ist gesund, doch in Extremfällen kann er riskant und sogar lebensbedrohlich werden. Woran das liegt und was man präventiv tun kann, erklärt der Neckarsulmer Arzt Tobias Neuwirth.


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Bei der EM 2021 erlitt der dänische Fußballstar Christian Eriksen mitten auf dem Spielfeld einen Herzstillstand und musste wiederbelebt werden. Im vergangenen Jahr verstarb der 34-Jährige Marathonläufer Adrian Lehmann aus der Schweiz im Training plötzlich an einem Herzinfarkt. Solche Meldungen schockieren und werfen die Frage auf: Kann Sport gefährlich sein? Und wie erkennt man mögliche Risiken?

Gefahr plötzlicher Herztod: Schäden am Herz-Kreislauf-System frühzeitig erkennen

Eine Sporttauglichkeitsprüfung, auch sportmedizinische Untersuchung, dient dazu, Risiken, vor allem durch eventuelle Schäden am Herz-Kreislauf-System, aufzudecken. Wer älter als 35 Jahre ist, sollte den Check in regelmäßigen Abständen machen lassen, rät die Deutsche Herzstiftung. Wichtig ist er auch nach einer längeren Sportpause. Wer ambitionierten Freizeitsport betreibt und bei Wettkämpfen startet, für den ist eine solche Untersuchung teilweise Pflicht.

Sporttauglichkeitsprüfung: Hausarzt Tobias Neuwirth macht einen Herz-Ultraschall bei Sebastian Hammer.
Sporttauglichkeitsprüfung: Hausarzt Tobias Neuwirth macht einen Herz-Ultraschall bei Sebastian Hammer.  Foto: Berger, Mario

Sebastian Hammer bereitet sich mit einer Laufgruppe aus Erlenbach auf den Berlin-Marathon im September vor. Dafür braucht es offiziell kein solches Attest. Hammer absolviert zuvor jedoch einen Mountainbike-Marathon in Italien - dafür muss er eine Bescheinigung vorlegen. Und er möchte ohnehin wissen, wie es um seine Gesundheit und Fitness steht. 

Männer sind häufiger vom plötzlichen Herztod betroffen als Frauen 

„Eine Sporttauglichkeitsprüfung ist für Sportler sinnvoll“, sagt auch Tobias Neuwirth. Gerade bei jungen Sportlern kommt es immer wieder zu dramatischen Zwischenfällen wie einem plötzlichen Herztod. Nach Daten der Deutschen Herzstiftung gibt es auf 100.000 Sporttreibende pro Jahr zwischen 0,7 und 3,0 Todesfälle. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Laut dem deutschen Register zum plötzlichen Herztod beim Sport (Sudden Cardiac Death Register, SCD Deutschland) sind 96 Prozent der betroffenen Sportler Männer.

Der plötzliche Herztod beim Sport hat unterschiedliche Auslöser, etwa Erkrankungen des Herzmuskels, der Herzklappen, der Hauptschlagader (Aorta) sowie der Herzkranzgefäße. In Ruhe führen solche Erkrankungen meist zu keinen Beschwerden und bleiben daher häufig unentdeckt. Belasten Sportler ihren Körper stark, kann es jedoch zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen kommen – im schlimmsten Fall mit Todesfolge.

Bei Sportlern ab 35 Jahren ist die koronare Herzkrankheit mit etwa 80 Prozent die häufigste Ursache eines plötzlichen Herztods. Unabhängig vom Alter gilt die Herzmuskelentzündung (Myokarditis) als weiterer Risikofaktor. Sie kann bereits im Zuge banaler Virus-Infekte auftreten, auch ohne Beschwerden zu verursachen. Die entzündlichen Veränderungen können jedoch zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen.

Auch ein Lungenfunktionstest gehört zu der Sorttauglichkeitsprüfung.
Auch ein Lungenfunktionstest gehört zu der Sorttauglichkeitsprüfung.  Foto: Berger, Mario

Sportmedizinische Untersuchung: Das fragt der Arzt ab

Bei einem Check-up erfragt der Arzt zunächst Faktoren wie die Krankengeschichte, sportliche Erfahrungen und Ziele (Anamnese). Dann wird der Sportler untersucht an Wirbelsäule und Gelenken. Eine Laboruntersuchung kann versteckte Gesundheitsprobleme verschiedener Organe oder Entzündungsreaktionen aufdecken. Neuwirth macht bei Sebastian Hammer auch einen Ultraschall des Herzens und schreibt ein EKG. Würde es dabei Auffälligkeiten geben, wäre womöglich eine Überweisung an den Kardiologen nötig, erklärt Neuwirth. Der sogenannte Risikoscore würde sich auch erhöhen, wenn zum Beispiel ein direkter Angehöriger früh an einem Herzinfarkt gestorben wäre oder es Diabetes-Erkrankungen in der Familie gäbe. 

Bei Sebastian Hammer ist alles tip top. Bereits vor einigen Wochen hatte Neuwirth ihm Blut abgenommen und spricht jetzt die Werte mit ihm durch. „Das Blutbild ist hervorragend“, sagt er. Auch die Untersuchungen des Herzens zeigen: „Alles so wie es sein soll.“ Dasselbe Ergebnis beim Lungenfunktionstest. Nach 30 Minuten in der Praxis und einem ausführlichen Check-up bescheinigt Tobias Neuwirth dem 43-Jährigen: Er ist gesund und kann die sportlichen Herausforderungen der nächsten Monate angehen. Sebastian Hammer ist froh über die durchweg guten Ergebnisse: „Ich hatte zwar mit nichts anderem gerechnet, aber ich freue mich trotzdem, dass das jetzt auch ärztlich bestätigt ist.“ 

Eine Sporttauglichkeitsprüfung ist in der Regel keine Kassenleistung, Sportler müssen selbst dafür aufkommen. Laut Tobias Neuwirth kostet ein solcher Check-up je nach ausgewählten Leistungen zwischen 50 und 100 Euro. Er sagt, dass er solche Untersuchungen häufig bei Kindern und Jugendlichen macht, die Kampfsport betreiben. „In dem Bereich wird das oft nachgefragt.“

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