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Probleme bei Heilbronner Tafel: Nudeln und Hygieneartikel sind Mangelware

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Der Chef der Heilbronner Tafel klagt über leere Regale. Mit KI kalkulieren Supermärkte genauer, sodass weniger gespendet wird. Gleichzeitig wünschen sich mehr Bürgermeister, dass das Tafelmobil ihre Kommune anfährt. 

Leere Regale bei der Tafel Heilbronn, besonders bei Trockenware wie bei Mehl und Speiseöl, war auch schon im Sommer ein Problem. Marco Schönberger, Gesamtleiter der Tafeln, versucht den Notstand durch Aktionen zu lindern.
Leere Regale bei der Tafel Heilbronn, besonders bei Trockenware wie bei Mehl und Speiseöl, war auch schon im Sommer ein Problem. Marco Schönberger, Gesamtleiter der Tafeln, versucht den Notstand durch Aktionen zu lindern.  Foto: Gössele, Marc

Mehl, Nudeln, Speiseöl, Reis oder auch mal Süßigkeiten vor Weihnachten: Das sind die Nahrungsmittel, die die Tafel Heilbronn am dringlichsten braucht. „Wir haben viele leere Flächen in den Regalen, Trockenware fehlt besonders,“ sagt deren Leiter Marco Schönberger.

Große Engpässe gibt es auch bei Taschentüchern, Toilettenpapier, Duschgel, Handseife, Zahnpasta, Zahnbürste oder Spülschwämmen. All das ist Mangelware. „An Hygiene- und Haushaltsartikeln haben wir fast gar nichts mehr da“, sagt Schönberger, „Das bekommen wir nur über eigeninitiierte Aktionen.“ 

Haushaltsartikel bei Heilbronner Tafel knapp: „Es erfordert viel Arbeit“

Spendenboxen in Kirchen, Netzwerke und Kooperationen mit Privatleuten, Vereinen oder Serviceclubs helfen, den Notstand etwas zu lindern. Die Werbetrommel rührt Schönberger deshalb unter anderem in Firmen, Schulen und im Konfi-Unterricht. Im Rahmen von Azubi-Projekten haben junge Leute schon eine Woche in der Heilbronner Tafel mitgearbeitet, Gemüse sortiert oder im Laden verkauft.

Bei der Aktion „kauf eins mehr“ sprechen etwa Rotarier oder Schüler Menschen auf dem Weg zum Supermarkt an, ob sie nicht zusätzlich etwas aufs Kassenband legen und es dann spenden wollen. „So kommen wir über die Runden und können die Ausfälle ein bisschen kompensieren. Aber es erfordert viel Arbeit.“

Untergruppenbach und Lehrensteinsfeld hoffen auf Heilbronner Tafelmobil

Zwar ist auch die Menge der Spenden zurückgegangen. Die 90 Filialen der Supermärkte, die regelmäßig Lebensmittel abgeben, planen nun mit Hilfe von KI genauer, sagt Schönberger. Sie verkaufen in so genannten „Rettertüten“ Ware vom Vortag oder mit knappem Mindesthaltbarkeitsdatum, die sie früher gespendet hätten. Trotzdem sieht sich Schönberger auch durch das Edeka Zentrallager und das Kaufland-Lager in Möckmühl sowie den Fruchthof Nagel noch einigermaßen gut versorgt. „Wir haben in Baden-Württemberg noch viele große Lebensmittelhersteller im Vergleich zum Osten Deutschlands.“ 

Auch auf dem Land nimmt die Not zu. Immer wieder erhält er von Gemeinden Anfragen, ob das Tafelmobil nicht eine weitere Kommune anfahren kann, um Bedürftigen zu helfen. Mit Untergruppenbach und Lehrensteinsfeld ist Schönberger deswegen derzeit im Gespräch. Ferner sind zusätzliche Verkaufsräume Thema. „Aber der Knackpunkt ist, dass genug Ware da sein muss“, sagt der Chef.

Mehr Alleinerziehende und Menschen mit schmaler Rente sind auf Heilbroner Tafel angewiesen

Und das sieht er als größtes Problem, auch wenn ein weiteres Tafelmobil natürlich „sehr schön wäre“. 110 Haushalte versorgt das jetzige Tafelmobil. Einen Aufnahmestopp für Neukunden gibt es zwar nicht, trotzdem muss Schönberger teils neu kalkulieren, um alle Anspruchsberechtigten zu versorgen. Wenn die Haltestelle des Tafelmobils in Bad Friedrichshall-Plattenwald zu viel Zulauf hat, kann es sein, dass ein Friedrichshaller seinen Ausweis für Heilbronn ausgestellt bekommt.   

6500 Haushalte unterstützt die Tafel in der Region, neun Tonnen Ware verkauft sie täglich für wenig Geld an arme Menschen. Deren Zahl ist zuletzt relativ ähnlich geblieben. Nur, dass es jetzt weniger Geflüchtete sind und mehr Armutsbetroffene wie Alleinerziehende oder Menschen mit schmaler Rente, so Schönberger. Häufig sei es so, dass bereits 60, 70 Menschen im Plattenwald warten, bis das Tafelmobil kommt.

Tafel in Heilbronn nimmt Spenden wie Hygiene- und Haushaltswaren entgegen

Auch in der Goppeltstraße bildet sich täglich eine Menschentraube von rund 30 Personen bis die Tafel morgens öffnet. Weil der Platz begrenzt ist, dürfen nur 15 Einkäufer mit ihrem Tafelausweis gleichzeitig in den Laden. Die anderen warten draußen, bis sie aufgerufen werden. 

Rund 300 Ehrenamtliche unterstützen die Tafel bei ihrer Arbeit. „Wir sind mit Ehrenamtlichen wirklich gesegnet“, sagt Marco Schönberger. „Sie schätzen bei ihrer Arbeit, dass sie die Sinnhaftigkeit direkt sehen.“ Trotzdem sind Menschen, die im Laden die Kasse machen möchten oder das Tafelmobil fahren können, sehr gefragt. Gerne nimmt die Tafel in Heilbronn Spenden, insbesondere Hygiene, Haushaltswaren oder Trockenartikel entgegen, die einfach so oder nach kurzer Voranmeldung vorbeigebracht werden können.

Tafelmobil fährt über Brackenheim und Lauffen bis ins Weinsberger Tal

Vier Läden gibt es insgesamt in der Region: in Eppingen, Bad Friedrichshall, Neckarsulm und Heilbronn. Dazu kommen 14 Tafelmobil-Haltestellen. Das Fahrzeug ist in alle Richtungen in der Region unterwegs und dienstags bis freitags im Einsatz, etwa auf der Kochendorf-Tour, der Fahrt Richtung Großbottwar, nach Zaberfeld mit Brackenheim und Lauffen und ins Weinsberger Tal. 149 Tafeln gibt es innerhalb des Landesverbands Baden-Württemberg. 

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