Kleinkind aus dem Neckar gezogen: Jetzt spricht der Lebensretter von Lauffen
Ein Kleinkind und eine Frau ertrinken in Lauffen fast im Neckar. Bevor die Feuerwehr und Notärzte eintreffen, reagiert Adam Gonsior. Er springt mutig in den Neckar – und rettet so vermutlich das Leben des Kindes.
Sonnig, warm, ein herrlicher Frühlingstag. Den Dienstnachmittag, 28. April, verbringt Adam Gonsior zusammen mit seiner Freundin und zwei seiner vier Kinder auf dem Spielplatz in der Kneippstraße. Nur wenige Meter entfernt fließt der Neckar, durch einen Zaun vom Spielplatz getrennt. Und von einem Moment auf den andern geht es plötzlich um Leben und Tod.
„Auf einmal kam eine Frau angerannt, schrie um Hilfe und sagte, dass eine Mutter und ihr Kleinkind hilflos im Wasser treiben“, berichtet Gonsior. Der 43-jährige Talheimer ist sofort alarmiert: „Ich bin aufgesprungen und zum Neckar gerannt. Aber ich habe niemanden im Wasser gesehen. Dann habe ich das Spielplatzgelände nach Norden, in Fließrichtung des Wassers verlassen und bin den Neckar entlanggerannt, so schnell ich konnte.“
Lauffen: Mutter und Kind mehr als 200 Meter vom Spielplatz entfernt im Neckar
Kurz hat sich Gonsior gewundert: „Weil ich niemand sah, dachte ich, dass es vielleicht ein schlechter Scherz ist. Aber die Frau war so außer sich, da musste was dran sein.“ Adam Gonsior rannte weiter – und plötzlich sah er zwei Menschen im Wasser. Zu diesem Zeitpunkt lag der Spielplatz schon etwa 100 Meter hinter ihm. Und bis zu dem Kind und seiner Mutter im Wasser waren es erneut noch mindestens 150 Meter.

Gonsior: „Ich bin so schnell ich konnte, den Weg entlang gerannt. Als dieser endete, bin ich auf dem Gestrüpp weiter.“ Unterwegs warf er seinen Geldbeutel und sein Handy ins Gras. „Dann bin ich samt Kleidern und Schuhen ins Wasser gesprungen. Mir war klar: Es geht um Menschenleben – und nun zählt jede Sekunde.“
Unglück im Neckar im Lauffen: Mutter auf Intensivstation
Die Frau trieb bereits mit dem Kopf nach unten im Wasser. Das zweijährige Kleinkind hatte das Gesicht nach oben und weinte. „Ich habe das Kind gepackt und bin mit ihm zum Ufer geschwommen“, berichtet Adam Gonsior. Dort habe ich es kurz ins Gras gelegt.“ Dann sei bereits ein weiterer Mann angelaufen gekommen. „Von Weitem, nahe des Volleyballfelds, habe ich den Rettungswagen gesehen. Ich habe das Kind wieder hochgenommen und bin zu den Einsatzkräften gerannt. Den anderen Mann habe ich gebeten, stehen zu bleiben, damit die Rettungskräfte sehen, wo sich die Frau im Wasser befindet.“
Die eingetroffenen Feuerwehrleute haben dann die Frau aus dem Wasser geholt. Diese befindet sich auch am Donnerstagnachmittag, 30. April, noch schwerverletzt in kritischem Zustand auf der Intensivstation. Das Kind ist mittlerweile stabil, sagt ein Polizeisprecher.
Unglück bei Spielplatz im Lauffen: Genaues Geschehen noch unklar
Für Gonsior ist sein beherztes Eingreifen selbstverständlich: „Wenn es um Menschenleben geht, muss man, ohne zu zögern, eingreifen.“ Als Vorbild oder gar Held sieht er sich nicht unbedingt. „Es gehört einfach zur Menschlichkeit, zu helfen, wo man kann.“ Er sei auch der einzige Mann zwischen vielen Müttern in der näheren Umgebung am Dienstagnachmittag auf dem Spielplatz gewesen. Seine Freundin habe sich während seines Einsatzes um die beiden Kinder gekümmert, sodass diesen nichts passiert.
Wie es genau dazu kam, dass das Kleinkind und die Mutter nahe des Spielplatzes in Lauffen in den Neckar gelangt und dann so weit abgetrieben sind – das kann sich Retter Adam Gonsior selbst nicht erklären. Er ist sich aber sicher: Hätte er nicht eingegriffen, wäre das Kind nun nicht mehr am Leben.
Offenbar keine Sicherheitsdiskussion um Lauffener Spielplatz nahe des Neckars
Der Lebensretter aus Talheim hält sich selbst für keinen guten Schwimmer. Zur Sicherheit haben ihn die Rettungskräfte am Dienstagnachmittag mit ins Krankenhaus genommen. Gonsior: „Mein Puls war hoch, ich war sehr aufgeregt.“
Den Spielplatz nahe des Neckars hält er für sicher. „Mit meiner Freundin und den Kindern bin ich regelmäßig und gerne hier. Es ist ein wunderschönes Gelände. Und der Zaun geht auch weit genug in nördlicher Richtung, bis hinter das Volleyballfeld hinaus.“ Dass man den Spielplatz besser absichern müsse, findet Gonsior nicht. Damit deckt sich seine Einschätzung mit der Ansicht von Lauffens Bürgermeisterin Sarina Pfründer.
Nach Unglück am Neckar in Lauffen: Eltern sollen auf ihre Kinder achten
Die Rathaus-Chefin möchte sich noch persönlich für den bemerkenswerten Einsatz bei dem Retter bedanken. Gonsior kannte bis zu seiner Rettungstat weder die Mutter noch das Kind, die sich im Wasser in Lebensgefahr befanden. Aber er hat vor, das Kind, dem es offenbar wieder besser geht, schnellstmöglich im Krankenhaus zu besuchen.
Und auch ohne dass Retter Adam Gonsior genau weiß, wie es zu dem Unglück gekommen ist, hat er einen klaren Appell an alle Eltern: „Man muss unbedingt ganz genau auf die Kinder achten und sie keine Sekunde aus den Augen lassen. Denn schon bei kurzer Unaufmerksamkeit kann es um Leben und Tod gehen.“ Und nicht immer sind Retter wie Gonsior vor Ort, die beherzt eingreifen und einen noch schlimmeren Ausgang der Ereignisse verhindern.
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare