Stimme+
Medizin 
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Delir nach Narkose: Das tun die SLK-Kliniken, um Risiken zu reduzieren

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Die Hüftoperation ist zwar gut verlaufen, der Patient danach aber ein Pflegefall: SLK ergreift eine Reihe von Maßnahmen, damit Patienten einen Eingriff mit Narkose besser vertragen.


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Viele Menschen, die sich einer Operation wie einer Hüft-OP unterziehen, hätten vor der damit verbundenen Narkose mehr Angst als vor dem Eingriff selbst. Das sagt Professor Henry Weigt, er ist Leiter des Zentrums für Anästhesie und Intensivmedizin an den Heilbronner SLK-Kliniken und verantwortet damit die rund 30.000 Vollnarkosen, die jedes Jahr im regionalen Klinikverbund durchgeführt werden.

Ein Grund für die Sorge: Mit dem Alter steigt das Risiko, nach einer Operation orientierungslos aufzuwachen. Als kritische Grenze gilt 60 bis 65 Jahre. Der Grund für ein sogenanntes Delir kann die Narkose sein, aber auch Eingriffe unter lokaler Betäubung können unter Umständen einiges durcheinanderbringen – durch den Stress, dem der Patient in dieser besonderen Situation ausgesetzt wird.

Risiken von Narkose: Delir und Demenz können sich gegenseitig begünstigen 

Delir ist der Fachbegriff für eine Störung von Aufmerksamkeit, Bewusstsein und Orientierung. Ein Delir nach einer Operation kann über mehrere Tage oder sogar länger anhalten. Vor allem Menschen, die schon erste Anzeichen einer Demenz zeigen, sind gefährdet - mit einem Delir kann sich ihr kognitiver Zustand dauerhaft verschlechtern. Unter Umständen werden Menschen, die sich zuvor noch selbst zuhause versorgen konnten, so zum Pflegefall. „Ein Delir ist nicht dasselbe wie Demenz“, sagt Weigt. Aber das eine könne das andere begünstigen. 

Weigt und sein Team haben Prozesse etabliert, um das Risiko für die gefürchtete Auswirkung zu senken. An erster Stelle des sogenannten Delir-Managements steht: vor einem Eingriff die Patienten herausfiltern, die ein erhöhtes Risiko für ein post-operatives Delir haben, zum Beispiel schon Anzeichen einer Demenz erkennen lassen. Auch ein schlechter körperlicher Allgemeinzustand oder konstant hoher Alkoholkonsum begünstigen das Auftreten dieser Bewusstseinsstörung.

Die Vorbeugung umfasst dann vor allem psycho-soziale Komponenten. Der Patient soll sich möglichst sicher in der ungewohnten Umgebung Krankenhaus fühlen, das erleichtert die Orientierung. Angehörige werden dafür einbezogen, zum Beispiel durch flexible Besuchszeiten. „Es ist wichtig, dass die Patienten möglichst rasch nach dem Eingriff ein bekanntes Gesicht sehen, das gibt Sicherheit“, sagt Weigt.

Henry Weigt, Direktor des SLK-Zentrums für Anästhesie und Intensivmedizin an den SLK-Kliniken, mit einer sogenannten Elibox. In ihr werden während eines Eingriffs wichtige Utensilien wie Brille oder Gebiss direkt am Patientenbett aufbewahrt.
Henry Weigt, Direktor des SLK-Zentrums für Anästhesie und Intensivmedizin an den SLK-Kliniken, mit einer sogenannten Elibox. In ihr werden während eines Eingriffs wichtige Utensilien wie Brille oder Gebiss direkt am Patientenbett aufbewahrt.  Foto: Blass, Valerie

Seit 1. April setzt SLK auf blaue Boxen für Brille und andere Hilfsmittel

SLK hat außerdem seit 1. April an allen Standorten sogenannte Eliboxen im Einsatz. Das ist eine blaue Box mit einem austauschbaren Plastik-Einsatz, die am Patientenbett befestigt wird. Darin können Brille, Zahnprothesen und Hörgeräte während des Eingriffs gelagert werden, der Patient hat im Aufwachraum sofort wieder Zugriff darauf. „Die Leute können gleich wieder sehen, hören und sprechen“, sagt Weigt.

Vorher seien diese Hilfsmittel in der Regel erst wieder auf der Station griffbereit gewesen, was das Gefühl von Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein bei den Patienten verstärkt habe. „Dieses Soziale ist der Gamechanger“, sagt Weigt. Ergänzend werde die Narkose besonders sorgfältig überwacht, diese soll nicht tiefer sein als nötig und möglichst kurz dauern. Angedacht sei im nächsten Schritt, die Angehörigen noch enger einzubeziehen, so der Chefarzt - zum Beispiel durch die Möglichkeit, im Patientenzimmer zu übernachten. Andere Länder hätten auch gute Erfahrung damit gemacht, Ehrenamtliche einzubeziehen, die sich vor und nach dem Eingriff um den Patienten kümmern.

SLK-Professor stellt klar: Gesund leben ist die beste Prävention 

Patienten selbst können kurzfristig kaum etwas tun, um die Verträglichkeit einer Narkose zu verbessern. Langfristig gilt: Wer sich fit hält, sich viel bewegt, ausgewogen isst, wenig Alkohol trinkt und normales Körpergewicht hat, verträgt eine Narkose - und den Eingriff selbst - im Schnitt deutlich besser. Denn das erhöht die Fähigkeit, den damit verbundenen Stress zu kompensieren. „Wer gesund lebt, geht besser in die Narkose rein und kommt besser wieder raus“, sagt Weigt.

Auch wirtschaftlich ist ein gutes Delir-Management für ein Krankenhaus wichtig, denn die Betreuung eines Delir-Patienten kostet laut Henry Weigt im Schnitt etwa 1000 Euro zusätzlich. Der Personaleinsatz ist deutlich höher und diese Patienten müssen häufig über längere Zeit im Krankenhaus betreut werden. Auch die Sterberate nach einer OP erhöht sich bei Patienten mit Delir deutlich.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben