1000-Euro-Prämie – so reagieren Mittelständler aus der Region Heilbronn
Bis zu 1000 Euro können Arbeitgeber ihren Angestellten in diesem Jahr steuerfrei als Prämie auszahlen. Wie hoch sind die Chancen für Arbeitnehmer aus dem Mittelstand? Das sagen Gastronomie, Handwerk und Handel.
Bis zu 1000 Euro können Arbeitgeber ihren Angestellten in diesem Jahr als steuerfreie Prämie auszahlen. Die Zahlung soll Arbeitnehmer in Zeiten von hohen Tankkosten, Inflation und gestiegenen Energiepreisen entlasten. Aus dem Mittelstand kommt dazu negative Rückmeldungen, wie Vertreter aus Gastronomie, Handwerk und Handel auf Stimme-Anfrage mitteilen.
1000-Euro-Prämie: Gastronomie „steht an der Wand“
„Die Gastronomie wird sich das wohl eher nicht leisten können“, sagt der ehemalige Dehoga-Stadtchef Thomas Aurich. In Restaurants sei der Personalaufwand sehr hoch mit vielen Aushilfskräften: „Da gibt ein Betrieb für so etwas halt nicht ein paar tausend Euro aus, sondern schnell 60.000 Euro“, fährt Aurich fort. Und das in einer Zeit, in der die Gastronomie „ohnehin an der Wand steht.“

„Wir müssten erst mal die Löhne anpassen, bevor wir über solche Prämien nachdenken können“, fährt Aurich fort. Das funktioniere nur durch Preisanpassungen, die der Kunde in vielen Fällen aber nicht mittragen kann. „Der Vorschlag passt einfach nicht in die Zeit, auch wenn wir es unseren Mitarbeitenden gerne auszahlen würden“, resümiert Aurich.
Es sei außerdem abzuwarten, wie die Regelung im Endeffekt konkret umgesetzt wird. Für Aurich seien noch einige Fragen offen, etwa ob die Prämie lediglich an Festangestellte ausgezahlt werden könne oder ob alle Angestellten diese erhalten müssten.
„Absolutes No-Go“ – Handwerk in Heilbronn-Franken mit starker Kritik
Auch im regionalen Handwerk stößt der Vorschlag einer 1000-Euro-Prämie auf Kritik. „Es kann nicht sein, dass die Regierung auf Kosten der Betriebe Geschenke verteilt“, sagt Ralf Rothenburger, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken auf Anfrage. Demnach seien viele Handwerksbetriebe aufgrund der wirtschaftlichen Lage schlicht nicht in der Lage, solche Prämien auszahlen zu können.
Wie sich das konkret in den Betrieben auswirkt, zeigt ein Beispiel aus der Region: „Die Erwartungshaltung der Mitarbeiter wurde jetzt geweckt und jetzt steht der Unternehmer unter Druck, das weiterzugeben oder nicht“, sagt Elektrotechnikermeister und Betriebsinhaber Thomas Randecker. Die steigenden Kosten träfen auch ihn direkt: „Die Mehrkosten bei den Spritpreisen habe ich selbst auch, ich habe eine Flotte von zehn Fahrzeugen.“
Der CDU-Gemeinderat kritisiert damit auch die eigene Partei. Es sei nicht richtig, dass die Politik nun die Unternehmer in die Pflicht nehme, „Geschenke zu verteilen“. „Im Endeffekt sollen wir die Zeche bezahlen, die der Staat nicht hinkriegt“, sagt Randecker.
Ob die rund 20 Angestellten in seinem Betrieb die 1000-Euro-Prämie erhalten, hat Randecker noch nicht entschieden. Zunächst müsse abgewartet werden, wie sich die wirtschaftliche Situation entwickelt. „Wir haben unsere Mitarbeitenden in erfolgreichen Jahren schon immer beteiligt“, stellt er klar.
1000-Euro-Prämie: Handel im Raum Heilbronn hält sich bedeckt
Im Einzelhandel überwiegt dagegen das Abwarten. Steffen Ueltzhöfer, der im Raum Heilbronn mehrere Edeka-Märkte betreibt, wollte sich auf Anfrage „zu diesem Thema nicht äußern“. Andere Edeka-Händler reagierten auf entsprechende Anfragen erst gar nicht.
Etwas konkreter äußert sich Nicolas Härdtner, Geschäftsführer der Härdtner Backstube GmbH mit zahlreichen Filialen in Heilbronn und Umgebung. Er könne noch nicht sagen, ob die Mitarbeitenden einen steuerfreien Bonus erhalten werden. Zunächst müsse abgewartet werden, „wie genau die Regelung aussehen beziehungsweise wie sie umgesetzt werden soll.“
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