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Projekt „Leerstand aktivieren“: Wie Leingarten bezahlbaren Wohnraum schaffen will

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In Deutschland fehlen 1,4 Millionen Wohnungen. Leingarten will Leerstand aktivieren, Eigentümer beraten und gemeinsam mit der Caritas Vermietungsängste abbauen.


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Überall in Deutschland fehlen Wohnungen. Derzeit sei die Zahl der fehlenden Wohnräume sogar auf 1,4 Millionen gestiegen, teilte das Pestel-Institut Mitte Januar mit, das Studien und Gutachten zu gesellschaftlichen Themen erstellt. Die Auswirkungen sind auch in der Region Heilbronn spürbar: Wohnraum ist teuer und rar. Die Stadt Leingarten will dem etwas entgegensetzen.

Wohnraummangel in Deutschland: Leingarten setzt auf Aktivierung von Leerstand

„Wir bekommen sehr viele Anfragen von Menschen, die Wohnungen, Häuser und Bauplätze in unserer Kommune suchen“, sagt Felix Hellmich, stellvertretender Bauamtsleiter Leingartens. Eine genaue Zahl der Wohnungssuchenden habe er nicht. Die Nachfrage nach Bauplätzen im Neubaugebiet Kappmannsgrund III spreche jedoch eine deutliche Sprache: „Auf sechs Bauplätze meldeten sich kurz nach Ausschreibung mehr als 180 Interessenten“, berichtet er. Dem Wohnraummangel lässt sich jedoch nicht allein mit Neubauten abhelfen.

64 Wohneinheiten stehen in Leingarten leer. Felix Hellmich, stellvertretender Bauamtsleiter, möchte sie nach Möglichkeit wieder nutzbar machen.
64 Wohneinheiten stehen in Leingarten leer. Felix Hellmich, stellvertretender Bauamtsleiter, möchte sie nach Möglichkeit wieder nutzbar machen.  Foto: Ferdinand, Ben

Ein größeres und ebenfalls deutschlandweites Problem sei der Leerstand von bestehenden Häusern und Wohnungen. Im Rahmen der Wohnraumoffensive des Ministeriums für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg wurde von Leingartens Verwaltung und Gemeinderat das Projekt „Leerstand aktivieren – bezahlbaren Wohnraum schaffen“ angestoßen. „Ziel ist es, bestehenden Wohnraum wieder nutzbar zu machen“, erklärt Hellmich. Ein Stadtentwicklungsinstitut wurde beauftragt, auf Basis des Einwohnermelderegisters Leerstände in Leingarten zu ermitteln. 64 Gebäude stehen demnach leer – ein für Deutschland durchschnittlicher Wert, so Hellmich.

64 leer stehende Gebäude: So will Leingarten neuen Wohnraum schaffen

„Dabei handelt es sich ausschließlich um komplett leer stehende Gebäude“, betont er. Einzelne leer stehende Wohnungen innerhalb eines Gebäudekomplexes seien nicht berücksichtigt worden. Die tatsächliche Zahl dürfte daher höher liegen. Das Potenzial dieser Leerstände möchte die Stadt nutzen, um dringend benötigten Wohnraum zu schaffen.

Die Eigentümer der 64 ermittelten Gebäude erhalten deshalb nun Anschreiben mit Beratungsangeboten zur Nutzung, etwa zu Fördermöglichkeiten oder zur Wiedervermietung, erklärt Hellmich. „Alles beruht auf Freiwilligkeit.“ Er und ein Mitarbeiter des Stadtentwicklungsinstituts stehen beratend zur Seite. Die externe Begleitung sorge für die nötige Distanz. „Es ist hilfreich, wenn jemand dabei ist, der nicht dem Staatsapparat angehört“, sagt er und lacht. Viele wissen zudem nicht, dass auch Privatpersonen etwa bei einer Sanierung Fördermittel des Landes erhalten. Hellmich möchte vermitteln und unterstützen.

Caritas unterstützt Vermieter: Leingarten geht neue Wege gegen Wohnungsnot

Doch warum gibt es so viele Leerstände? „Das ist ein schwieriges, sensibles Thema“, sagt Daniela Hehn. Sie arbeitet bei der Caritas Heilbronn-Hohenlohe und leitet dort die Wohnraumoffensive, die seit rund sechs Jahren besteht. In ihrem Projekt verweist die Stadt Leingarten bei Beratungsgesprächen auf die Caritas - im Fall von Vermietungsängsten.

„Viele haben schlechte Erfahrungen mit Mietern gemacht und möchten daher keine neuen mehr aufnehmen“, erklärt Hehn. Die Wohnraumoffensive der Caritas setzt genau dort an.

Lange Wartelisten verschärfen die Wohnungsnot. Alleinerziehende, junge und ältere Menschen sowie Personen mit Migrationshintergrund – sie alle suchen Wohnraum. „Wir nehmen Vermietern die Sorge, vermitteln passende Mieter und begleiten die ersten zwölf Monate des Mietverhältnisses“, sagt Hehn. In Kennenlerngesprächen strebt die Caritas ein „Perfect Match“ zwischen Mieter und Vermieter an, also eine ideale Kombination. Im Ernstfall organisiert sie Unterstützungsangebote und übernimmt einen möglichen Mietausfall. „Bisher haben wir ausschließlich positive Erfahrungen gemacht“, betont Hehn. 

Stadt Leingarten lässt sich Projekt 18.000 Euro kosten

Der Stadt Leingarten entstehen durch das Projekt „Leerstand aktivieren – bezahlbaren Wohnraum schaffen“ Kosten von mehr als 18.000 Euro. 80 Prozent übernimmt das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen im Rahmen seiner Wohnraumoffensive. Ziel ist es, neue Wege zu entwickeln, die den Kommunen in Baden-Württemberg mehr bezahlbaren und sozial gemischten Wohnraum ermöglichen, eine aktive kommunale Bodenpolitik stärken und zugleich innovatives Planen und Bauen fördern.

Um Wohnraum zu akquirieren, nutzt die Caritas ihre Netzwerke. Zudem sollen sich Eigentümer mit verfügbarem Wohnraum direkt bei ihr melden. Aus Leingarten sei auf die bisherigen Aufrufe der Stadt jedoch noch kein Kontakt eines potenziellen Vermieters eingegangen, berichtet Hehn. „Es bleibt ein sensibles Thema.“

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